Die Deutschen und ihre Kunst

Hans Belting · 1992 · Sachbuch, Kunstgeschichte


Das Werk
Deutscher Titel: Die Deutschen und ihre Kunst
Autor(en): Hans Belting
Originaltitel: Die Deutschen und ihre Kunst
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1992
Schlagwörter: Nation, Kunst, Erbe, Geschichte
Sachgebiete: Sachbuch, Kunstgeschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Beck


Umfang dieser Ausgabe: 89 Seiten
ISBN: 9783406371691
Verweise


Die Deutschen und ihre Kunst. Ein schwieriges Erbe ist der 1992 bei C. H. Beck erschienene kunsthistorische Essay von Hans Belting. Er fragt, warum von deutscher Kunst kaum noch die Rede ist und stattdessen von europäischer oder abendländischer. Geschrieben kurz nach der Vereinigung, gilt der Text auch der Schwierigkeit, west- und ostdeutsche Kunstgeschichtsschreibung zusammenzuführen. Belting hatte in demselben Jahr die Karlsruher Hochschule für Gestaltung mitbegründet; der Essay ist keine Nationalgalerie auf dem Papier, sondern eine Warnung vor dem Erbe, das man nicht loswird, indem man das Wort meidet. Zwölf Abbildungen tragen die schmale Klappenbroschur.

Inhalt

Belting schreibt gegen die Selbstverständlichkeit einer deutschen Kunst und gegen das Verbot, danach zu fragen. Die Kunstgeschichte der Bundesrepublik wich auf Abendland und Europa aus; die der DDR verpflichtete sich dem sozialistischen Realismus. Beides löste die ältere Frage nicht, es verschob sie. In der Romantik galt die Gotik als erste genuin deutsche, ja germanische Epoche – obwohl sie von Frankreich ausgegangen war und Giorgio Vasari sie für barbarisch hielt. Friedrich Schlegel forderte eine Nationalgalerie; 1876 wurde sie eröffnet. Zur Reichsgründung entdeckte man die Renaissance als die deutsche Kunst schlechthin. Jede dieser Zuschreibungen war ein Wille zur Eigenheit, keine Natur der Stile.

Die Behauptung entfaltet sich als Geschichte von Abwehr und Aneignung. Die Verteidigung des Eigenen nährte die Ablehnung der Moderne: das liberale Großbürgertum war aufgeschlossen, Beamtenschaft und staatliche Kunstpolitik bekämpften das Neue als unsittlich. Der Bremer Künstlerstreit von 1911 spitzte den Konflikt zu. Im Nationalsozialismus hieß, was nicht passte, entartet; Belting erinnert, dass Max Nordau das Wort 1893 gegen die Moderne geprägt hatte, und dass der Geschmack der Machthaber dem Kleinbürgertum entsprach, aus dem viele von ihnen kamen. Nach 1945 sprach der Westen wieder vom Abendland; in der DDR entstanden monumentale Historien wie Werner Tübkes Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen, während der Westen den Geschichtsvorwurf der Geschichtslosigkeit auf sich zog und die Neuen Wilden zur westdeutschen Kunst erklärt wurden. Belting fürchtet 1992, man werde die DDR-Kunst entsorgen, ohne sie wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Unsicher wird der Essay durch seine Kürze. Neunundachtzig Seiten können die Institutionengeschichte nur streifen. Die Gegenposition, Nationalkunst sei ohnehin eine Falle und Europa die einzig anständige Kategorie, kommt als die westdeutsche Lösung vor, die Belting gerade für unzureichend hält. Der Ton ist der eines Historikers, der Begriffe misstraut, ohne sie loszuwerden. Neben seinem späteren Hauptwerk Bild und Kult, das die Macht des Bildes im Glauben untersucht, steht dieser Text als politische Ikonologie der Deutschen. Er löst die Frage nicht; er hält sie offen, wenn der Einigungsjubel sie schließen will. Die Gefahr, die er nennt, war die Entsorgung. Ob die Kunstgeschichte ihr entgangen ist, bleibt die Probe des Buches.

Einordnung

Der Essay gehört zur Selbstverständigung der deutschen Kunstgeschichte nach 1989, neben Museumsdebatten und neben der allmählichen Aufnahme der DDR-Malerei in den Kanon. Er steht gegen die Abendlandrhetorik der Nachkriegsbundesrepublik und gegen die Nationalgalerie des Kaiserreichs. Nachbarschaft hat er zu Beltings Bildtheorie und zu einer Kulturwissenschaft, die Nation als schwieriges Erbe, nicht als Wesen liest.

Die Aufnahme war die eines Weckrufs, keine Schulgründung. Geblieben ist der Untertitel. Wer nach 1992 über deutsche Kunst spricht, als wäre das Wort unschuldig oder als wäre es einfach verboten, spricht hinter diesem schmalen Band. Die Beck-Ausgabe hat die Unruhe der Wendejahre festgehalten; die Aufarbeitung, die Belting anmahnte, ist Stückwerk geblieben, nicht nichts.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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