Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik |
| Autor(en): | Friedrich Nietzsche
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1872 |
| Schlagwörter: | Tragödie, Dionysisch, Apollinisch, Musik |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Reclam
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| Umfang dieser Ausgabe: | 157 Seiten |
| ISBN: | 9783150071311 |
| Verweise | |
Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik ist das 1872 erschienene erste Buch von Friedrich Nietzsche, damals Professor für klassische Philologie in Basel. Auf knappem Raum entwickelt der Siebenundzwanzigjährige aus der attischen Tragödie eine Lehre vom Leben: nur als ästhetisches Phänomen sei Dasein und Welt ewig gerechtfertigt. Nietzsche widerspricht dem Klassikerbild eines heiteren Griechentums und sieht in Apollon und Dionysos zwei Triebe, deren Paarung die Tragödie erzeugt. Das Buch ist Wagner gewidmet; 1886 stellte Nietzsche der zweiten Auflage den „Versuch einer Selbstkritik“ voran.
Inhalt
Nietzsche schreibt gegen die Schulphilologie und gegen Goethe und Schiller, soweit sie die Griechen als naiv Glückliche nahmen. Die Hellenen brauchten die helle Götterwelt, um Vernichtungskämpfe und die Mühsal des Daseins zu ertragen. Zwei Kunstgottheiten tragen die Diagnose: Apollon ist Traum, Maß, gestaltende Kraft der Bildnerkünste; Dionysos ist Rausch, Entgrenzung, die unbildliche Kunst der Musik. Beide gehen nebeneinander her, meist im Zwiespalt, und reizen einander zu stärkeren Geburten, bis ein metaphysischer Akt des hellenischen Willens sie paart. Aus dieser Paarung entsteht das attische Drama. Der Mensch im dionysischen Zustand ist nicht mehr Künstler, er ist Kunstwerk; singend und tanzend gehört er einer höheren Gemeinsamkeit. Die Wissenschaft, so Nietzsche, kann das Problem der Wissenschaft nicht erkennen; deshalb steht das Buch auf dem Boden der Kunst.
Die Tragödie wächst aus dem Chor. Nicht der Held in der Maske, der dionysische Chor ist der Kern: Musik, Tanz, Gebärde holen das Leiden des Dionysos ins Ritual. Die apollinische Szene gibt diesem Rausch Bild und Schutz. Sokrates und Euripides zerstören das Gleichgewicht. Der logische Optimismus, die psychologisierte Nachahmung, der ästhetische Sokratismus ersetzen die Teilnahme am Mythos durch Distanz zum Text. Das Volk kommt auf die Bühne, die Feier wird Unterhaltung. Nietzsche geißelt mit Wagner die opernhafte Imitation der Renaissance und die Verarmung durch eine nur wissenschaftliche Weltsicht. An den Grenzen beißt sich die Logik in den Schwanz; dann braucht die tragische Erkenntnis die Kunst als Heilmittel. Die deutsche Musik, Bach, Beethoven, vor allem Wagner, soll das Dionysische wiederbringen: im Tristan die Verbildlichung symphonischer Gewalt und den Schutz vor ihr.
Die Selbstkritik von 1886 nennt das Buch unmöglich, jugendwidrig, zu lang, Sturm und Drang, und hält die Intention fest. Unsicher war die Schrift schon 1872: als Philologie haltlos, als Metaphysik der Kunst an Schopenhauer und Wagner gebunden, als Gegenwartsdeutung eine Wette auf Bayreuth. Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff antwortete mit Zukunftsphilologie!; die Zunft schwieg oder spottete. Nietzsche hatte aus Entwürfen kompiliert und auf Gliederung wenig Wert gelegt, das Gesamtkunstwerk im Auge. Der Satz von der ästhetischen Rechtfertigung des Daseins trägt weiter als die Prognose, der deutsche Geist werde Brünnhilde erwecken. Wo das Buch die Griechen erklärt, bleibt es Spekulation; wo es die Wissenschaft an ihre Grenze führt, bleibt es ein Jugendmut, den der späte Nietzsche nicht verleugnete.
Einordnung
Mit diesem Erstling verließ Nietzsche die Zunft, ohne schon der Autor des Zarathustra zu sein. Die Genealogie der Moral wird später die Analyse nachliefern, die hier als Künstler-Metaphysik auftritt. Arthur Schopenhauers Wille und Wagners Musikdrama sind die Paten; beide hat Nietzsche danach verworfen, den Gegensatz von apollinisch und dionysisch nicht. Die Kunstwissenschaft des zwanzigsten Jahrhunderts hat das Paar übernommen, oft ohne den Pessimismus, der es erzwang. Martin Heidegger las die tragische Erkenntnis als Vorgriff auf das Ende der Metaphysik; die Altphilologie hat das Buch als Dokument einer Krise behalten, nicht als Erklärung der Tragödie.
Die Kritik an der Griechenkonstruktion ist so alt wie Wilamowitz; die Wirkung auf Ästhetik, Theater und die Rede vom Rausch ist davon unabhängig. Wer nach 1872 über die attische Tragödie als Lebensform spricht, nicht nur als Text, spricht hinter diesem unmöglichen Buch. Die Reclam-Ausgabe gibt den frühen Nietzsche, bevor die Schwester aus dem Nachlass ein Hauptwerk machte.
Ideen
Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.
Kunst (wichtig)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
