Die Glut

Sándor Márai · 1942 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Die Glut
Autor(en): Sándor Márai
Originaltitel: A gyertyák csonkig égnek
Originalsprache: ungarisch
Erstveröffentlichung: 1942
Schlagwörter: Freundschaft, Schloss, Verrat, Nachtgespräch
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Piper


Umfang dieser Ausgabe: 223 Seiten
ISBN: 9783492233132
Verweise


Die Glut ist der 1942 in Budapest erschienene Roman von Sándor Márai, ungarisch A gyertyák csonkig égnek, die Kerzen brennen bis zum Stumpf. Auf einem Jagdschloss am Rand der Karpaten wartet 1941 ein alter General auf den Freund, der vor einundvierzig Jahren nach einem Jagdtag verschwand. Márai hat aus Wiedersehen, Ehebruch und einem nicht abgegebenen Schuss eine Nacht gemacht, in der einer spricht und der andere fast nur da ist. Die erste deutsche Fassung von 1950 hieß noch Die Kerzen brennen ab; der Titel Die Glut folgt der französischen Ausgabe Les Braises und dem Piper-Erfolg von 1999 in der Übersetzung von Christina Viragh. Das schmale Buch hat Márai nachträglich zum europäischen Klassiker der Freundschaft und der Kränkung gemacht.

Inhalt

General Henrik stammt aus reichem Hochadel, Konrád ist Sohn eines verarmten Barons. Seit der Kadettenanstalt waren sie unzertrennlich, mit der Asymmetrie, die Reichtum und Begabung zwischen zwei Jungen herstellen: Henrik besitzt das Schloss, Konrád die Musik, Chopin zu vier Händen mit der Mutter, den Geschmack, den Henrik erst spät in Konráds Zimmer erkennt. Henrik heiratet Krisztina. Auf einer Jagd legt Konrád das Gewehr auf den Freund an, zögert, schießt nicht und reist „in die Tropen“. Am nächsten Tag findet Henrik Krisztina in jenem Zimmer, das ihm nie offenstand; aus ihrer Sicherheit schließt er auf ein Verhältnis. Fortan sprechen Eheleute kein Wort mehr. Sie bewohnen getrennte Gebäude desselben Besitzes. Krisztina stirbt acht Jahre später. Henrik bleibt mit der Nannie, der alten Nini, und mit der Frage.

Konrád kommt. Die Nacht ist ein Monolog. Henrik rollt die Jugend auf, die Jagd, die Möbel, die Polonaise, den Hass, der einer Leidenschaft gleicht. Konrád widerspricht nicht, ermuntert durch knappe Einwürfe, bleibt undurchdringlich. Henrik will wissen, ob Konrád ihn töten wollte und ob Krisztina Mitwisserin war. Das Tagebuch der Frau liegt bereit als Beweis; Henrik wirft es selbst ins Feuer, ungelesen, und verlangt trotzdem Antwort. Konrád verweigert sie. Die zweite Frage, ob der wahre Inhalt beider Leben die Sehnsucht nach der toten Frau gewesen sei, bejaht Konrád. Im Morgengrauen scheiden sie in förmlicher Freundschaft. Die Kerzen sind heruntergebrannt, die Glut bleibt unter der Asche.

Was der Roman nicht liefert, ist das Geständnis. Die Wahrheit sitzt bei dem, der schweigt; der Redende ordnet Einzelheiten, weil nur aus Einzelheiten das Wesentliche zu verstehen sei, und zerstört das Stück Papier, das die Ordnung hätte zwingen können. Nini, fünfundsiebzig Jahre im Haus, verkörpert die Dauer, die die Männer als Drama leben. 1941, Krieg, das Schloss am Rand: Die große Geschichte bleibt draußen, drinnen verbrennt ein Heft. Henrik nennt Konrád am Ende Freund. Das Wort wiegt nicht als Versöhnung, sondern als die letzte Form, in der zwei alte Männer einen Mord, der nicht geschah, und eine Liebe, die nicht sprach, beieinander halten können.

Einordnung

Márai hat den Gesellschaftsroman der Donaumonarchie auf eine Nacht und zwei Sessel reduziert. Der auktoriale Ton ist kühl, die Rede Henriks fast theatralisch; das Buch ist ein Kammerspiel, das sich als Roman ausgibt. In Ungarn 1942 erschienen, im Westen lange vergessen, wurde es in Frankreich 1995 zum Ereignis und zog die deutsche Neuübersetzung nach sich: zweihunderttausend Exemplare in einem Jahr. Der Glut-Titel setzt ein Motiv, das im Text dreimal vorkommt: die Hände an der Restwärme, das Tagebuch in den Flammen, der Hass, der an Liebe grenzt. Chopins Polonaise-Fantaisie ist die Musik der verlorenen Nähe.

Verfilmungen und Bühnenfassungen – unter anderem Christopher Hampton, in Graz mit Helmuth Lohner – haben aus dem Monolog Dialog gemacht und damit oft genau das genommen, was das Buch auszeichnet: die Ungleichheit der Stimmen. Márai, Emigrant, hat das alte Ungarn als Innenraum gerettet, ohne es zu rechtfertigen. Wer nach ihm über Freundschaft unter Männern und über das Schweigen der dritten Person spricht, spricht hinter dieser Nacht. Die angegebene Ausgabe folgt Christina Viraghs Übersetzung aus dem Ungarischen.

Ideen

Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.

Verrat (wichtig)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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