Die Kapuzinergruft
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die Kapuzinergruft |
| Autor(en): | Joseph Roth |
| Originaltitel: | Die Kapuzinergruft |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1938 |
| Schlagwörter: | Habsburg, Wien, Niedergang, Exil |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Kiepenheuer & Witsch
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| Umfang dieser Ausgabe: | 176 Seiten |
| ISBN: | 9783462041699 |
| Verweise | |
Die Kapuzinergruft ist der Roman von Joseph Roth, 1938 im niederländischen Verlag De Gemeenschap erschienen, während der Autor im Pariser Exil den Anschluss Österreichs noch in die letzten Seiten schrieb. Franz Ferdinand Trotta erzählt das Ende jenes Hauses, dessen Aufstieg Roth im Radetzkymarsch erzählt hatte: der Enkel des Helden von Solferino, bürgerlich, wienerisch, unfähig, ohne die Monarchie zu leben. Der Titel nennt die Gruft der Kapuziner, in der die Kaiser liegen; sie ist am Schluss verschlossen. Roth nannte das Buch eine Fortsetzung und den aktuellsten Roman der Zeit – die Verschlingung Österreichs durch Preußen. Die erste Auflage wurde 1940 in den Niederlanden vergraben; nach dem Krieg kam sie wieder ans Licht, wie ein Rest der Welt, von der das Buch Abschied nimmt.
Inhalt
Im April 1913 lebt Trotta als reicher junger Mann in Wien, vom Kaffeehaus mit Herr Baron angeredet, obwohl der Adel dem anderen Zweig der Familie gehört. Der Vetter Joseph Branco, Bauer und Maronibrater aus Sipolje, besucht ihn, und mit ihm der galizische Kutscher Manes Reisiger, der für den Sohn Ephraim einen Platz am Wiener Konservatorium erbitten kommt. Graf Chojnicki, der Galizianer unter den Freunden, verschafft den Platz unbesehen. Trotta reist 1914 nach Zlotogrod, schließt Freundschaft, und der Krieg bricht aus. Er lässt sich zu den Freunden nach Ostgalizien versetzen, heiratet in Wien überstürzt Elisabeth Kovacs, Tochter eines Hutmachers, und erlebt eine Brautnacht, die der Tod des alten Dieners zerreißt. Die erste Schlacht bei Krasne-Busk endet in Gefangenschaft. Trotta, Branco und Reisiger gehen nach Sibirien, fliehen, zerbrechen aneinander und schlagen sich getrennt durch.
Ende 1918 kehrt Trotta allein heim. Das Vermögen ist fort, der Kaiser liegt in der Gruft, Elisabeth arbeitet als Kunstgewerblerin und lebt mit einer Frau. Trotta gewinnt die Ehe für eine Weile zurück, ein Sohn wird geboren, Elisabeth geht zum Film. In den dreißiger Jahren begräbt Manes Reisiger den Sohn Ephraim, der als Rebell umgekommen ist. Chojnicki und die Kaffeehausfreunde löffeln die Untergangssuppe; Trotta schickt den Jungen nach Paris und sieht sich als einen, der zu Unrecht lebt. Der Roman spart die Schlacht aus und gibt das Nachkriegselend in einem Ton, der noch witzig ist, während ihm der Boden entzogen wird. Wien bleibt die Stadt der leichten Sätze, die den Staat zerredet haben.
Am Morgen des 12. März 1938 sitzt Trotta mit den Aristokraten im Café, als ein gestiefelter junger Mann die Gäste als Volksgenossen anredet und die neue deutsche Volksregierung verkündet. Jüdische Geschäftsleute verlassen die Stadt. Trotta weiß nicht, wohin. Er will in die Kapuzinergruft, zu seinen Kaisern; die Gruft bleibt zu. Die Legitimisten haben nichts mehr zu hoffen. Der letzte Satz ist kein Programm. Er ist die Bewegung eines Mannes, der ein Grab sucht, das ihn nicht einlässt. Roth hat den Ich-Bericht so geführt, dass Trotta die Ursachen des Niedergangs nennt – Leichtsinn, Zentrum gegen Peripherie, der verratene Osten – und doch ein Erzähler bleibt, der lieber gefallen wäre als diesen Morgen zu erleben.
Einordnung
Ohne den Radetzkymarsch wäre die Kapuzinergruft ein Nachspiel; mit ihm ist sie der zweite Flügel derselben Klage. Dort stirbt die Monarchie im Rhythmus einer Kapelle, hier im Café, am 12. März, in Echtzeit. Roth hat aus Paris geschrieben, krank, im Wissen, dass der Staat, den er liebte, als Religion, nicht als Nation, gerade untergeht. Chojnickis Satz, Österreich sei die Peripherie, nicht das Zentrum, bleibt die schärfste Formel des Buches: Die Trottas kamen aus Slowenien, die Reisigers aus Galizien, und Wien hat sie verbraucht. 1971 verfilmte Johannes Schaaf den Stoff unter dem Titel Trotta; der Film hat die Melancholie, nicht die Eile des Anschlusskapitels.
Reclam und KiWi halten den schmalen Band, der neben Hiob und dem Radetzkymarsch das dritte Bein von Roths Ruhm ist, oft unterschätzt, weil er untröstlicher schließt. Hans Natonek schrieb 1938, nach einem solchen Buch schreibe man schwerlich noch eines. Roth starb 1939. Die Gruft, die Trotta nicht aufnimmt, ist das Bild einer Heimat, die ihre Toten noch hat und ihre Lebenden nicht. Wer nach Roth über das Ende Habsburgs spricht, spricht hinter beiden Trottabüchern; wer nur den Marsch kennt, kennt den Tod des Reiches, nicht den Morgen danach.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
