Die Mitte der Welt

Andreas Steinhöfel · 1998 · Jugendroman


Das Werk
Deutscher Titel: Die Mitte der Welt
Autor(en): Andreas Steinhöfel
Originaltitel: Die Mitte der Welt
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1998
Schlagwörter: Visible, Liebe, Außenseiter, Erwachsenwerden
Sachgebiete: Jugendroman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Carlsen


Umfang dieser Ausgabe: 480 Seiten
ISBN: 9783551353153
Verweise


Die Mitte der Welt ist der 1998 bei Carlsen erschienene Roman von Andreas Steinhöfel, ausgezeichnet mit dem Buxtehuder Bullen und nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis. Ein siebzehnjähriger Erzähler wohnt mit Mutter und Zwillingsschwester in der Villa Visible am Rand einer deutschen Kleinstadt und verliebt sich in einen Jungen, der Nähe nur als Körper kennt. Steinhöfel hat keinen Roman über das Bekanntwerden der eigenen Neigung geschrieben, sondern über eine Familie von Außenseitern, in der das Schwulsein die geringste Abweichung ist. Das Buch fand Leserinnen und Leser weit über das empfohlene Alter hinaus und wurde Schullektüre. 2016 kam eine Verfilmung von Jakob M. Erwa.

Inhalt

Phil lebt mit der Mutter Glass und der Schwester Dianne in Visible, einem alten Haus, das Glass von der Schwester Stella geerbt hat, die vor ihrer Ankunft aus dem Fenster stürzte. Die Dorfbewohner nennen die Kinder Hexenkinder und Glass eine Schlampe; Glass nennt sie die kleinen Leute. Dianne, der nachgesagt wird, sie könne mit Tieren reden, zieht sich zurück; Phils Bezugspersonen sind die Freundin Kat, die Anwältin Tereza, die Glass bei der Geburt der Zwillinge aus dem Schnee zog, und der seefahrende Verwandte Gable. Die Bibliothek des Hauses ist für Phil die Mitte der Welt, ein Teich im Wald der andere geheime Ort. Glass hat die Kinder mit siebzehn bekommen, arbeitet als Anwaltsgehilfin und wechselt die Männer; Tereza liebt sie, ohne erwidert zu werden.

In die Klasse kommt Nicholas, sportlich, reich, verschlossen, vom Internat geflogen. Phil verliebt sich; Nicholas fordert ihn auf, mit ihm zu schlafen, blockt aber jeden Versuch ab, die Beziehung über den Körper hinaus zu führen. Eine Weile hält die Freundschaft zu dritt mit Kat. Unter der Oberfläche liegt ein Familiengeheimnis: Vor drei Jahren, als Phil verreist war, ist etwas zwischen Dianne und Glass zerbrochen. Dianne gesteht schließlich, sie habe die schwangere Mutter mit Mutterkorn vergiftet, weil sie keinem weiteren Kind das Leben in diesem Dorf zumuten wollte; Glass erlitt eine Totgeburt. Als Diannes Freund Jan bei einem Sturm ins Koma fiel, kam es zum Streit, in dem das Geständnis fiel.

Phil sucht Trost bei Nicholas und findet ihn mit Kat. Er sperrt sich ein, spricht sich später aus; Nicholas sagt, er liebe ihn nicht, brauche ihn aber. Sekunden danach schießt Wolf, ein psychisch kranker Mitschüler, einst Phils Freund, Nicholas an; Nicholas verliert ein Auge. Über Weihnachten erscheint Gable und bietet Phil eine Überfahrt nach Amerika an, um den Vater zu suchen, dessen Namen Glass bis zuletzt zurückhält. Glass nennt ihn, als Phil aufbricht. Zwischen Mutter und Tochter zeichnet sich eine Heilung ab, ohne dass der Roman sie feiert. Phil verlässt Visible; ob er den Vater findet, bleibt offen.

Einordnung

Steinhöfel hat den Jugendroman an eine Stelle geführt, an der Außenseitertum nicht durch Anpassung geheilt wird und Liebe nicht durch das richtige Bekenntnis. Phil ist schwul, und niemand in Visible macht daraus das zentrale Drama; das Drama ist die Passivität, mit der er auf andere wartet, und die Gewalt, die aus dem Dorf und aus der eigenen Familie kommt. Märchenmotive – Teich, Schloss, Königskinder, die Insel Delos, die im Namen Visible nachklingt – tragen eine Geschichte, die Gift, Koma und den Verlust eines Auges nicht in Sinn auflöst. 2001 folgten die Erzählungen Defender, die Nebenfiguren weiterführen, ohne den ersten Band zu korrigieren.

Jakob M. Erwas Film hat die Villa und die Liebe gezeigt und manches Geheimnis glatter erzählt, als das Buch es duldet. Neben Tschick ist Die Mitte der Welt einer der deutschsprachigen Jugendromane, die Erwachsene mitlesen, weil die Stimme nicht herab spricht. Wer nach Steinhöfel über erste Liebe in der Provinz redet, kommt an Visible nicht vorbei; wer das Buch für eine bloße Geschichte des Erwachsenwerdens hält, hat Diannes Gift und Wolfs Schuss übersprungen. Die Mitte der Welt ist eine Bibliothek in einem Haus, das die kleinen Leute nicht betreten, und ein Junge, der von dort aus in See sticht.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.