Die Originalität der Avantgarde

Rosalind Krauss · 1985 · Sachbuch, Kunstgeschichte


Das Werk
Deutscher Titel: Die Originalität der Avantgarde
Autor(en): Rosalind Krauss
Originaltitel: The Originality of the Avant-Garde and Other Modernist Myths
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1985
Schlagwörter: Avantgarde, Raster, Wiederholung, Moderne
Sachgebiete: Sachbuch, Kunstgeschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Verlag der Kunst


Umfang dieser Ausgabe: 372 Seiten
ISBN: 9789057050585
Verweise


Die Originalität der Avantgarde und andere Mythen der Moderne (englisch The Originality of the Avant-Garde and Other Modernist Myths) ist die 1985 erschienene Aufsatzsammlung von Rosalind Krauss. Sie zeigt, dass das Neue von der Wiederholung lebt. Originalität ist ein Mythos der Avantgarde, den die Werke selbst widerlegen, ohne deshalb geringer zu werden.

Inhalt

Krauss entlarvt Originalität als Gründungsgeschichte der Moderne, ohne die Werke preiszugeben. Das Raster ist leer und voll: Es behauptet Anfang und liefert Wiederholung. Der Abguss ist Original, weil die Moderne das Einmalige feiert und zugleich in Serie geht. Der Index in der Fotografie – die Spur, die der Gegenstand auf der Platte hinterlässt – zeigt, ohne zu erzählen, und sprengt die Vorstellung, Bedeutung sitze in der Erfindung des Motivs. Gegen Clement Greenbergs Reinheit setzt Krauss Struktur: nicht die Fläche als Wesen der Malerei, sondern das Raster, das Feld, die Wiederholung, die das Neue tragen. Die Skulptur im erweiterten Feld sprengt die Gattung, ohne ins Beliebige zu fallen; sie hat Regeln, nur andere als Sockel und Rundplastik. Krauss schreibt hart, begrifflich, mit der Genauigkeit der Formanalyse, die Greenberg gelehrt hat und die sie gegen ihn wendet. Der Bruch mit Greenberg ist das Ereignis; die Wiederholung ist das Argument.

Das Buch versammelt Aufsätze aus der Zeitschrift October und davor und gibt einer Schule die Form eines Bandes. Auguste Rodin, Sol LeWitt, die Fotografie als Einsatz, nicht als Illustration: Die Beispiele sind keine Belege am Rand, sie sind die Probe der These. Der Ton ist der einer Kritik, die Begriffe so scharf führt, dass sie Jargon werden können und dennoch treffen. Genau dieser Jargon hat Schulen gebildet und Widerstände. Die amerikanische Kunstgeschichte nach 1985 kommt an diesen Essays nicht vorbei, weil sie den Modernismus von innen öffnen, statt ihn von außen zu beschimpfen. Krauss bleibt Formalistin, wo andere soziologisch werden, und sie bleibt Theoretikerin, wo andere bei der Künstlergeschichte bleiben. Eine Geschichte der Namen liefert der Band nicht. Er liefert die Mythen, von denen die Namen leben.

Gegen die ältere Deutung, Avantgarde sei das einmalige Neue gegen Tradition und Kitsch, hält Krauss die Wiederholung fest. Kritik hat das als kalten Strukturalismus gelesen: zu wenig Geschichte, zu viel Gitter, ein Bruch mit Greenberg, der dessen Autorität nur umbesetzt. Das Buch nimmt den Vorwurf in Kauf, weil ohne Struktur die Originalität sofort als Wesen zurückkehrt. Arthur C. Danto dachte das Ende der Kunst philosophisch, als das Wesen gefunden und deshalb alles erlaubt sei; Krauss denkt denselben Bruch als Form: Raster, Index, erweitertes Feld. Beide brauchen Greenberg als Gegner. Die Sammlung hat den amerikanischen Modernismus gesprengt, ohne die Genauigkeit preiszugeben, die ihn groß gemacht hatte. Nach 1985 ist Originalität ein Verdacht, nicht mehr die selbstverständliche Tugend der Avantgarde.

Einordnung

1985 ist der Band zur Sprengung des Modernismus von innen geworden, weil er Greenbergs Reinheit mit dessen eigenen Mitteln der Formanalyse gegen die Mythen der Avantgarde wandte. Danto dachte das Ende philosophisch; Krauss dachte es als Raster, Abguss und erweitertes Feld. October hat diese Essays zum Organ einer Generation gemacht, mit Schulen und mit dem Widerstand gegen den Jargon. Die Kritik an der Kälte der Struktur hat Sozialgeschichte und Geschlechterforschung nachgetragen, den Bruch mit der Originalität aber nicht rückgängig gemacht. Seminare der Nachkriegsmoderne arbeiten seither mit Wiederholung, Index und Feld, oft verdünnt, seltener mit der Härte, mit der Krauss ein Werk auf seine Mythen prüft. Die Nachwirkung liegt darin, dass das Neue ohne Serie seither naiv klingt, und darin, dass Formalanalyse wieder politisch werden konnte, ohne Soziologie zu werden.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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