Die Sittlichkeit des Schachspiels

Benjamin Franklin · 1786 · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Die Sittlichkeit des Schachspiels
Autor(en): Benjamin Franklin
Originaltitel: The Morals of Chess
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1786
Schlagwörter: Schach, Sitte, Anstand, Regel
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 16 Seiten
ISBN:
Verweise


Die Sittlichkeit des Schachspiels (englisch The Morals of Chess) ist der 1786 im Columbian Magazine erschienene Essay von Benjamin Franklin. Der Text vergleicht das sittliche Handeln mit den Regeln einer Partie und empfiehlt Voraussicht, Umsicht und Vorsicht als Haltungen, die das Brett dem Leben leiht. Franklin, einer der Gründer der Vereinigten Staaten und ein überdurchschnittlicher, nicht erstklassiger Spieler, hatte den Aufsatz schon um 1732 skizziert und erst spät drucken lassen. Die erste deutsche Übertragung von Franz Kottenkamp erschien 1847; 1849 folgte eine gekürzte Fassung in der Berliner Schachzeitung. Der kleine Text zählt, weil er das Spiel zur Schule des Anstands macht, ohne es zur Allegorie der Staatskunst aufzublähen.

Inhalt

Franklin schreibt gegen zwei Verfehlungen am Brett und im Umgang: gegen den Betrug, der einen Vorteil aus der Unaufmerksamkeit des anderen zieht, und gegen die Strenge, die Regeln fordert, ohne sie selbst zu halten. Das Leben, sagt er, ist eine Art Schachspiel: man gewinnt Punkte, kämpft mit Gegnern, und gute wie schlechte Ereignisse hängen zum Teil von Klugheit oder ihrem Mangel ab. Am Spiel lerne man, die Folgen eines Zugs zu bedenken, das ganze Brett zu sehen, nicht voreilig zu handeln. Die Sittlichkeit, die er meint, ist keine transzendente Pflicht, sondern ein Kodex unter Gleichen. Wer nach strengen Regeln spielt, muss sie beide einhalten; wer Nachsicht fordert, muss sie gewähren. Unrecht ist die Partie, in der einer die Satzung achtet und der andere sie bricht.

Die Beispiele sind hausbacken und genau. Man mache keine falschen Züge, um aus einer Not Vorteil zu schlagen; es sei kein Vergnügen, mit einem Menschen zu spielen, den man bei solcher Handlung ertappt. Noch schärfer: man nutze die Unfähigkeit oder Unachtsamkeit des Gegners nicht aus, sondern warne ihn höflich, dass dieser Zug die Figur entblößt oder den König gefährdet. Eine solche Großmut kann die Partie kosten und etwas Besseres eintragen: Achtung, Liebe und die stillschweigende Billigung der Zuschauer. Franklin denkt das Spiel als Geselligkeit, nicht als Krieg. Der Gewinn am Brett ist weniger wert als der Gewinn an Ruf. Die Regeln, die der Weltschachverband FIDE später festlegte – keine Störung, keine fremde Hilfe, kein Zurücknehmen regelgemäßer Züge –, treffen sich mit Franklins Anstand nur zum Teil: sie verbieten den Betrug, nicht aber, aus fremdem Fehler Kapital zu schlagen.

Das Buch wird unsicher, wo aus der Höflichkeit eine Pflicht zur Selbstschädigung wird. Ein sportliches Schach, das den Fehler des anderen nicht nutzt, hört auf, Wettkampf zu sein; Franklin weiß das und nimmt den Verlust in Kauf, weil ihm der Charakter teurer ist als die Figur. Gegner haben den Text als moralisierende Kleinigkeit gelesen, Freunde als frühe amerikanische Spielphilosophie. Der Ton ist der der aufklärerischen Moralistik, kurz, sentenziös, ohne die Staatslehre der Federalist-Artikel, an denen Franklin nicht schrieb. Wo jene die Verfassung als Maschine gegen den Ehrgeiz bauen, baut dieser Essay die Partie als Übung gegen die Gemeinheit. Die Grenze, die Franklin zieht – kein falscher Zug, keine ausgenutzte Schwäche –, ist eine Ethik der Geselligkeit, keine Theorie des Spiels.

Einordnung

Der Aufsatz gehört zu den ersten Schachtexten, die in den Vereinigten Staaten gedruckt wurden, und erschien 1791 sogar in dem ersten russischen Schachbuch. Er wird seither unablässig nachgedruckt, oft digital, oft in Sammelbänden der Franklin-Schriften. 1999 nahm die amerikanische Schachruhmeshalle den Verfasser auf, nicht weil er ein Meister war, sondern weil er dem Spiel eine sittliche Sprache gab. Neben den Staatsaufsätzen und der Autobiographie ist dies die kleinste politische Schrift: Politik als Haltung am Tisch.

Geblieben ist die Zumutung, dass Gewinn ohne Anstand kein Gewinn ist. Wer über Anstand am Brett, über Betrug und über die Erziehung durch Spiele spricht, stößt auf Franklin, auch wenn die Wettkampfregeln seine Großmut nicht übernommen haben. Die deutschen Nachdrucke haben den moralischen Atem bewahrt; er ist älter geworden und in Zeiten maschineller Hilfe am Brett nicht erledigt. Die Großmut, den Fehler des anderen nicht auszunutzen, bleibt eine Zumutung an jedes Wettkampfspiel.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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