Die Theorie des Romans

Georg Lukács · 1920 · Sachbuch, Literaturwissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Die Theorie des Romans
Autor(en): Georg Lukács


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1920
Schlagwörter: Roman, Epos, Sinn, Moderne
Sachgebiete: Sachbuch, Literaturwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Aisthesis


Umfang dieser Ausgabe: 177 Seiten
ISBN: 9783895286414
Verweise


Die Theorie des Romans. Ein geschichtsphilosophischer Versuch über die Formen der großen Epik ist die 1916 in der Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft erschienene Studie von Georg Lukács, 1920 bei Paul Cassirer als Buch. Lukács hatte den Text 1914 in Heidelberg entworfen und im Winter des Kriegsjahres niedergeschrieben, gewidmet seiner ersten Frau Jelena Grabenko. Der Roman, so die Behauptung, ist die Form der Moderne: das Epos gehörte der geschlossenen Welt, der Roman der Suche nach Sinn in einer entzauberten. 1962 schrieb Lukács ein Vorwort, das das Frühwerk von seinem späteren Marxismus trennt und es doch nicht verleugnet.

Inhalt

Lukács schreibt gegen eine Romantheorie, die den Roman als lockere Gattung, als bürgerliches Lesefutter oder als ewige Erzählform nimmt. Form ist hier geschichtsphilosophisch: sie antwortet auf eine Weltlage. Das Epos – Homer steht im Hintergrund – setzt eine Totalität, in der Sinn und Leben nicht auseinanderfallen; der Held handelt in einer Welt, die ihn trägt. Die Moderne hat diese Immanenz des Sinns verloren. Der Romanheld ist nicht mehr Glied einer sinnvollen Ordnung, sondern Individuum, dem die äußere Welt keine selbstverständliche Sinnstiftung mehr bietet. Sein Abenteuer ist die Suche; die Ironie der Form hält die gebrochene Totalität zusammen, ohne sie zu heilen. Transzendentale Obdachlosigkeit nennt Lukács diesen Zustand: nicht ein Motiv unter anderen, sondern die Verfassung, aus der die große Epik der Neuzeit kommt.

An Beispielen entfaltet sich die Typologie. Der abstrakte Idealismus – Don Quijote – setzt der sinnlosen Welt eine Seele entgegen, die nicht passt; die Desillusionierungsromantik lässt die Seele an der Welt erkalten. Goethe, Balzac, Flaubert, Tolstoi, Dostojewski: Stationen, in denen die innere Entwicklung des Individuums die Last der Form trägt. Der Roman der Erziehung will die Versöhnung von Seele und Welt als Werden; sie gelingt nur als begrenzte, nie als Epos. Lukács liest die Geschichte der Formen als Geschichte des Sinns, nicht als Abfolge von Techniken. Deshalb ist der Ton philosophisch, oft hymnenhaft, von der Dichte der Heidelberger Jahre, bevor die Partei den Satzbau umstellte.

Das Buch selbst wird unsicher, wo die Geschichtsphilosophie die Werke zwingt. Dostojewski erscheint als Vorgriff einer neuen Welt, die das Romanzeitalter beenden könnte; die Hoffnung ist zeitbedingt und im Vorwort von 1962 widerrufen. Die Typen sind grob, die Auswahl europäisch, die Frauen der Romangeschichte fast stumm. Lukács wusste später, dass er Hegel und Dostojewski ineinandergeschoben hatte, ohne Marx. Gerade diese Ungesichertheit hat das Buch lebendig gehalten: es ist keine Soziologie des Buchmarkts und keine Erzähltechniklehre, sondern der Versuch, zu sagen, warum der Roman die ernste Form einer Welt ohne Götter ist. Wer nur die Obdachlosigkeit zitiert, hat das Schlagwort; der Text ist die Durchführung.

Einordnung

Kaum eine literaturtheoretische Schrift des Jahrhunderts hat die Germanistik und die Romantheorie so lange beschäftigt. Neben Geschichte und Klassenbewusstsein, das drei Jahre später den Marxismus als Dialektik neu las, steht die Theorie des Romans als das idealistische Vorspiel: dieselbe Sehnsucht nach Totalität, noch ohne Proletariat. Walter Benjamin und die Kritische Theorie haben die transzendentale Obdachlosigkeit übernommen; die strukturalistische Erzählforschung hat die Geschichtsphilosophie abgestreift und die Form behalten. Die Kritik nannte den Text spekulativ, elitär, unzuständig für den Unterhaltungsroman, den Lukács nicht meinte.

Wer nach 1920 über den Roman als Form der Moderne spricht, spricht hinter diesem Versuch oder gegen ihn. Die Aisthesis-Ausgabe der Werkauswahl gibt den Text mit dem späten Vorwort, das die Distanz und die Treue zugleich formuliert. Geblieben ist der Mut, Gattung nicht als Schublade, sondern als Antwort auf eine Weltlage zu denken.

Essays

Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.

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Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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