Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats

Peter Weiss · 1964 · Drama


Das Werk
Deutscher Titel: Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats
Autor(en): Peter Weiss
Originaltitel: Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1964
Schlagwörter: Marat, de Sade, Revolution, Irrenhaus
Sachgebiete: Drama
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: edition suhrkamp
Umfang dieser Ausgabe: 160 Seiten
ISBN: 9783518100684
Verweise


Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, oft unter dem Kurztitel Marat/Sade genannt, ist das Stück von Peter Weiss, 1964 im West-Berliner Schiller-Theater uraufgeführt. Im Irrenhaus von Charenton lässt der Marquis de Sade die Insassen den Mord an Marat spielen; die Revolution wird zur Vorstellung unter Aufsicht.

Inhalt

Das Jahr auf der Bühne ist 1808, Napoleon herrscht, das Hospiz zu Charenton unterhält seine Bürger mit Theater. Der Direktor Coulmier hat de Sade erlaubt, mit den Kranken ein Stück über den 13. Juli 1793 aufzuführen: Charlotte Corday ersticht Jean Paul Marat in der Wanne. Die Kranken spielen Volk, Corday, Priester, und unterbrechen sich, weil ihre Leiden stärker sind als die Rollen. Coulmier unterbricht, weil die Sätze zu weit gehen. Weiss stellt ein Spiel im Spiel, das nicht als Kunststück gemeint ist, sondern als Lage: Die Geschichte der Revolution wird von Leuten gesprochen, die man weggeschlossen hat, und von einem Autor, den man weggeschlossen hat.

Marat, krank, in der Wanne, diktiert die Fortsetzung der Revolution: das Volk, die Feinde, die Notwendigkeit der Gewalt. De Sade hält dagegen das Individuum, den Körper, die Nutzlosigkeit, die Grausamkeit als Wahrheit ohne Partei. Corday kommt dreimal, zögert, spricht mit Duperret, vollendet den Stich. Dazwischen Songs, der Ausrufer, der an das Parkett appelliert, Roux der Radikale, den Coulmier mundtot macht. Die Debatte ist nicht schulmäßig. Weiss gibt beiden Recht und beiden unrecht: Marats Gleichheit frisst die Menschen, de Sades Freiheit lässt sie verkommen. Das Irrenhaus ist der Ort, an dem 1808 noch gesprochen werden darf, was 1793 auf der Straße stand.

Am Ende ist Marat tot, die Vorstellung gerät außer Kontrolle, die Insassen stürmen, Coulmier lässt niederknüppeln, de Sade lacht. Das Publikum im Hospiz und das Publikum im Parkett sind nicht mehr zu trennen. Weiss hat die volle Adresse in den Titel geschrieben, damit niemand das Stück für ein Historiengemälde hält: Es ist die Verfolgung und Ermordung, dargestellt durch die Schauspielgruppe, unter Anleitung. Wer nur den Stich will, hat die Anleitung nicht gesehen. Wer nur de Sade will, hat Marat in der Wanne nicht gehört, der noch schreibt, während die Mörderin schon im Haus ist.

Einordnung

Weiss hat der Revolution das Theater im Irrenhaus gegeben und damit das Dokumentartheater vorbereitet, das ein Jahr später in Die Ermittlung die Akten selbst sprechen ließ. Gegen Die Ästhetik des Widerstands, die den Widerstand als Romanblock denkt, ist Marat die Bühne, auf der Revolution und Individuum einander nicht mehr erreichen. Peter Brook hat das Stück durch die Welt getragen; der Kurztitel Marat/Sade hat den langen Namen verdrängt, nicht die Anlage. Wer nach Weiss 1793 spielen lässt, ohne 1808 und ohne die Aufsicht, spielt hinter Charenton.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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