Die Vertrautheit der Fremden
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Die Vertrautheit der Fremden |
| Autor(en): | Francesca Trivellato |
| Originaltitel: | The Familiarity of Strangers. The Sephardic Diaspora, Livorno, and Cross-Cultural Trade in the Early Modern Period |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 2009 |
| Schlagwörter: | Handel, Sephardim, Livorno, Vertrauen |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Yale University Press
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| Umfang dieser Ausgabe: | 470 Seiten |
| ISBN: | 9780300136838 |
| Verweise | |
Die Vertrautheit der Fremden (englisch The Familiarity of Strangers) ist die 2009 bei Yale University Press erschienene wirtschafts- und sozialgeschichtliche Studie von Francesca Trivellato über sephardische Händler im toskanischen Livorno im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert. Der volle Titel nennt Diaspora, Hafen und interkulturellen Handel der Frühen Neuzeit. Eine italienische Fassung folgte 2016; eine deutsche fehlt. Trivellato ordnet die Arbeit der Wirtschaftsgeschichte zu, andere der Mikrogeschichte. Grundlage sind 13760 Geschäftsbriefe der Familien Ergas und Silvera, die Bomben und Archivbrände überstanden haben. Das Buch erhielt unter anderem den Leo-Gershoy-Preis der American Historical Association.
Inhalt
Trivellato schreibt gegen zwei Gemütlichkeiten: dass Handel Toleranz erzeuge, und dass interkultureller Verkehr erst durch den modernen Staat und seine Gerichte möglich werde. Handel hat mit Krieg und Absonderung koexistiert. Es braucht Verständigung, gemeinsame Sprache und Regeln für Streit, nicht volle Anerkennung. Livorno, so die Behauptung, war ein soziales Experiment der Renaissance: vergleichsweise offen für Fremde, mit Sonderrechten für Juden, und doch eine Stadt der institutionalisierten Trennung. Trivellato nennt das kommunitäres Weltbürgertum: viele Kulturen an einem Ort, jede in ihrer Ordnung. Die Sephardim, aus Spanien vertrieben, knüpften von hier Netze bis Amsterdam, London, Lissabon, Aleppo und Goa. Vertrauen entstand unter Fremden, ohne Vorurteile aufzuheben.
Die Familien Ergas und Silvera tragen die Behauptung. Sie handelten mit mediterranen Korallen und indischen Diamanten, Geschäfte, die auf Kredit und Ruf beruhen. Briefe dienten als Empfehlung, Geheimnis, Vertrag und Marktbericht. In Amsterdam und London verließen sie sich auf Glaubensgenossen, in Genua auf christliche Händler, wenn diese besser im Markt standen. Heirat, Mitgift und Erbe blieben innerjüdisch streng; nach außen übernahmen sie Züge der aristokratischen Kultur. Livorno stieg zum Umschlagplatz zwischen Europa und dem Osmanischen Reich auf; französischer Schutz in Aleppo zeigt, wie sich die Netze den Mächten anpassten. Der Niedergang kam nicht durch hinduistische Partner in Goa, denen man nie begegnet war und doch Diamanten anvertraute, sondern durch einen persischen Juden, dem das Vertrauen nicht standhielt. Gerichte halfen wenig, wo Verträge unvollständig geblieben waren.
Unsicher wird das Buch, wo ein Familienunternehmen für den interkulturellen Handel der Epoche stehen soll. Yadira González de Lara tadelte Zuordnungen maghrebinischer Händler. Die große Linie – Staat sei nicht die Bedingung des Vertrauens – überzeugt in Livorno und muss nicht überall gelten. Die Gegenposition, ohne öffentliche Gewalt sei Kredit Illusion, kommt in der Insolvenz selbst zu Wort. Der Ton ist gelehrt, klar, oft elegant bis in die Anmerkungen zu Maßen und Münzen, die Sarah Abrevaya Stein rühmte. Edward Muir nannte die Studie einen Maßstab für die Sozialgeschichte frühneuzeitlichen Geschäfts. Das Missverständnis wäre, Livorno für ein Paradies der Duldung zu halten; Trivellato zeigt Duldung als Geschäftsbedingung, nicht als Gesinnung.
Einordnung
Das Werk hat die Geschichte der Sephardim aus der Binnenperspektive der jüdischen Studien in die Weltwirtschaft der Frühen Neuzeit gerückt, und umgekehrt. Es steht neben der besser erforschten Gemeinde Amsterdams und füllt die Lücke Livorno. Nachbarschaft hat es zur Mittelmeergeschichte, zur Diasporaforschung und zur Kritik des älteren Zusammenlebensmodells. Miriam Bodian bestritt die Etikette Mikrogeschichte, weil Zeit und Raum weit sind, und rühmte gleichwohl die minutiöse Zerlegung.
Die wissenschaftliche Aufnahme war ungewöhnlich einhellig. Geblieben ist der Begriff des kommunitären Weltbürgertums und der Satz, dass Fremde einander vertraut werden können, ohne einander zu lieben. Wer nach 2009 über interkulturellen Handel spricht, als folge aus ihm Toleranz oder als brauche er den Staat, spricht hinter diesem Band oder gegen ihn. Die Yale-Ausgabe hat Briefe in Argument verwandelt; das ist ihre Kunst.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
