Die heilige Familie

Karl Marx, Friedrich Engels · 1845 · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Die heilige Familie
Autor(en): Karl Marx, Friedrich Engels


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1845
Schlagwörter: Junghegelianer, Kritik, Humanismus, Dialektik
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Dietz Verlag
Serie: Marx-Engels-Werke 2
Umfang dieser Ausgabe: 709 Seiten
ISBN: 9783320002022
Verweise


Die heilige Familie, mit dem Untertitel »Kritik der kritischen Kritik, gegen Bruno Bauer und Consorten«, ist die erste gemeinsame Schrift von Karl Marx und Friedrich Engels, erschienen Ende Februar 1845 in Frankfurt am Main bei der Literarischen Anstalt J. Rütten. Den Titel schlug der Verleger Zacharias Loewenthal vor; etwa neun Zehntel des Textes stammen von Marx. Absicht war, sich von der Theorie des ehemaligen Mentors Bruno Bauer zu lösen und zum »realen Humanismus« Ludwig Feuerbachs zu bekennen. Die Junghegelianer der Berliner Allgemeinen Literatur-Zeitung werden durchgehend verspottet: Bauers »reine Kritik« wird zur »kritischen Kritik«. Engels selbst fand das Buch prächtig und zum Kranklachen, aber zu groß und dem Publikum unverständlich, und merkwürdig, dass er als Mitautor genannt werde, da er fast nichts beigetragen habe.

Inhalt

Das Buch ist gegen die Vorstellung geschrieben, die Geschichte sei nur der Fortschritt des Bewusstseins, den die Kritik in Artikeln vollziehe. Bauer und der Kreis der Berliner »Freien« lehnten politisches Engagement ab, weil die Wirklichkeit dem Begriff nachkomme, sobald er sich selbst verstehe. Marx antwortet, bei Hegel sei das Resultat der wirklichen Entwicklung nichts anderes als die zum Bewusstsein gebrachte Wahrheit; die absolute Kritik beweise, was sich von selbst verstehe, und verstehe, was der Entwicklung bedürfe. Eine Wahrheit, die sich von selbst verstehe, sei fad wie abgestandenes Wasser. Gegen die spekulative Dialektik setzen Marx und Engels die materialistische: nicht das Selbstbewusstsein mache die Masse, sondern die Masse, die arbeitet, dächte, wenn man sie ließe, die Geschichte. Der Ton ist polemisch bis zur Verhöhnung; Kapitel um Kapitel werden Rezensionen der Bauerschen Zeitung zerlegt, darunter literarische Urteile über Eugène Sue, als ginge es um den Weltgeist in Fortsetzungen.

Der reale Humanismus Feuerbachs dient als Gegenwort: Sinnlichkeit, Gattung, der Mensch als leibliches Wesen gegen das reine Denken. Zugleich taucht auf, was über Feuerbach hinausweist – die Betonung der gesellschaftlichen Tätigkeit, der »Masse« als Träger, nicht als Rohstoff der Kritik. Max Stirner, der zum engeren Umkreis Bauers gehörte, bleibt ausgespart; die Abrechnung mit dem Einzigen folgt später und blieb zu Lebzeiten ungedruckt. Die Heilige Familie ist eine Kampfschrift des Übergangs: Sie bekennt sich zu Feuerbach, während Marx in den Thesen über Feuerbach, knapp nach Erscheinen, bereits die kontemplative Sinnlichkeit tadelt. Der Anstoß dazu lag auch in Stirners Feuerbach-Kritik von 1844.

Unsicher ist das Buch, wo der Spott die Argumentation ersetzt und wo der Humanismus noch philosophische Phrase bleibt. Engels’ Urteil, es sei dem größeren Publikum unverständlich, trifft die Länge und die Insiderpolemik: Wer die Jahrgänge der Allgemeinen Literatur-Zeitung nicht kennt, stolpert durch Namen. Philosophisch trägt der Text, wo er Hegels Dialektik vom Kopf auf die Füße zu stellen beginnt, ohne sie schon in politischer Ökonomie einzulösen. Die Deutsche Ideologie und das Manifest der Kommunistischen Partei liegen unmittelbar danach. Die Heilige Familie hält den Moment fest, in dem Marx Bauer verlässt und Feuerbach noch nicht. Das macht sie für die Theoriegeschichte unersetzlich und als Buch unförmig.

Einordnung

Ohne diese Schrift wäre der Bruch mit den Junghegelianern eine Fußnote. Hier wird er öffentlich, grob und witzig, und hier beginnt die Zusammenarbeit, die das Jahrhundert umgestellt hat. Lenin hat das Buch später konspektiert; die Marx-Engels-Gesamtausgabe hat 2022 den Text neu ediert. In der Berliner Zensur und bei Metternichs Konfidenten war der Druckvorgang beobachtet worden, bevor das Buch ausgeliefert war. Die Wirkung blieb zunächst gering, die Bedeutung lag in der Selbstverständigung.

Die Nachbarschaft sind Feuerbachs Wesen des Christentums, Stirners Der Einzige und sein Eigentum, die Pariser Manuskripte und die bald folgenden Thesen über Feuerbach. Wer die Heilige Familie nur als Jugendpolemik abtut, verfehlt den Satz gegen die Kritik, die die Welt nur anders interpretiert. Wer sie nur als Geburt des Materialismus liest, verfehlt, dass Feuerbach hier noch der Gewährsmann ist. Geblieben ist der Titel als Hohn auf eine Philosophie, die sich für heilig hielt, weil sie kritisch war – und die Lektion, dass Kritik ohne die Masse, von der sie spricht, Theater bleibt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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