Fanny Hill
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Fanny Hill |
| Autor(en): | John Cleland |
| Originaltitel: | Memoirs of a Woman of Pleasure |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 1748 |
| Schlagwörter: | Briefroman, Lust, London, Tugend |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Albatros
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 285 Seiten |
| ISBN: | 9783491961586 |
| Verweise | |
Fanny Hill, im Original Memoirs of a Woman of Pleasure, ist der erotische Briefroman von John Cleland, 1748 und 1749 in London erschienen. Cleland schrieb ihn im Schuldnergefängnis. Die Kirche verlangte das Verbot des »abscheulichen Buches«; der Autor kam erneut in Haft. Erst 1969 entschied der Bundesgerichtshof, es sei erotische Literatur, keine unzüchtige Schrift. Seither darf der Band in Deutschland frei verkauft werden. Fanny erzählt einer Freundin ihr Leben als Prostituierte und besteht darauf, wahre Erfüllung gebe es nur in der Ehe aus Liebe. Der Rahmen ist aufklärerisch, die Briefe sind genau.
Inhalt
Fanny Hill, inzwischen verheiratete Frau, schreibt zwei lange Briefe. Mit fünfzehn kommt sie als Waise aus Kent nach London. Eine Kupplerin nimmt sie auf, um sie dem Gewerbe zuzuführen. Der junge Gentleman Charles holt sie aus dem Haus und zeigt ihr, was der Roman körperliche und seelische Liebe nennt. Der Vater schickt Charles über See; Fanny steht ohne Schutz da und wird, um zu leben, zur Prostituierten. Sie kommt als Mätresse eines reichen Mannes unter, bis er sie mit seinem Laufburschen ertappt und fortjagt. Länger bleibt sie im Haus der Mrs. Cole, einem als Putzmacherladen getarnten besseren Bordell. Dort entwickelt sie Fertigkeiten, erfreut ältere Kunden und hat selbst Gefallen an der Arbeit, ohne Charles zu vergessen.
Die Briefe zählen Begegnungen, Körper und Geld, aber sie zählen sie als Erinnerung einer Frau, die das Gewerbe verlassen hat. Fanny beschreibt, was sie sah und tat, mit einer Genauigkeit, die den Zeitgenossen als Skandal galt und dem Gericht später als Literatur. Ein älterer Junggeselle hinterlässt ihr Vermögen und die Einsicht, geistige Genüsse höher zu stellen als körperliche. Charles kehrt zurück, heiratet sie; sie kann das Haus der Mrs. Cole verlassen. Der Roman schließt, wie er geöffnet hat: im Ton der Tugend, nachdem er die Unzucht in allen Zimmern besichtigt hat.
Cleland lässt Fanny beteuern, sie erzähle nicht zur Erregung, sondern zum Lob der Ehe. Der Widerspruch ist das Verfahren. Ohne die Briefe aus dem Bordell gäbe es das Lob nicht; ohne das Lob wären die Briefe vor Gericht geblieben, was sie lange waren. Die Freundin, der Fanny schreibt, bleibt stumm. Der Leser nimmt ihren Platz ein und muss entscheiden, ob er einer Beichte oder einer Vorführung beiwohnt.
Einordnung
Neben der Deutlichkeit haben die moralisierende Rahmung, der Wechsel der Szenen und ein trockener Witz das Buch in der Literaturgeschichte gehalten. Cleland steht in der Aufklärung, die das größtmögliche Glück der Menschen zum Maß macht, und behauptet, vollkommene Lust brauche geistige Liebe. Das ist weniger heuchlerisch, als es klingt, und weniger unschuldig, als der Schluss tut. Deutsche Übersetzungen gab es schon 1791 unter fingiertem Ort; die Ausgabe von 1906 mit Bildern von Franz von Bayros wurde beschlagnahmt, Kurt Desch 1964 indiziert. Der Bundesgerichtshof hat 1969 die Sperre aufgehoben, vier Jahre nach dem Ende der Lady Chatterley-Prozesse, in deren Nachbarschaft Fanny Hill gehört, neben Lawrences Lady Chatterley.
Die Verfilmungen, von 1964 bis zur britischen Fernsehfassung von 2007, haben oft die Briefe in Schauwerte übersetzt und den Rahmen weggelassen. Der Roman ist ein Briefroman, kein Katalog. Wer ihn nur als verbotene Schrift liest, wiederholt die Anklage des achtzehnten Jahrhunderts. Wer ihn nur als tugendhafte Ehegeschichte liest, hat die Mitte nicht gelesen. Cleland hat beides ineinandergebaut, damit keines allein wahr wird. Die angegebene Ausgabe folgt der behutsam modernisierten älteren Übersetzung, die Peter Wagner für dtv herausgegeben hat.
Essays
Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.
Zensur in der Bundesrepublik (Wirkungsgeschichte)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
