Gekaufte Zeit

Wolfgang Streeck · 2013 · Sachbuch, Zeitdiagnose


Das Werk
Deutscher Titel: Gekaufte Zeit
Autor(en): Wolfgang Streeck


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 2013
Schlagwörter: Kapitalismus, Demokratie, Schulden, Krise
Sachgebiete: Sachbuch, Zeitdiagnose
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 271 Seiten
ISBN: 9783518585924
Verweise


Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus ist die 2013 bei Suhrkamp erschienene Fassung der Frankfurter Adorno-Vorlesungen von Wolfgang Streeck. Sie liest Inflation, Staatsverschuldung und die Verschiebung auf den Finanzmarkt als drei Käufe von Zeit, mit denen der Nachkriegskapitalismus den Konflikt zwischen Demokratie und Markt aufgeschoben hat.

Inhalt

Streeck erzählt keine Konjunktur, er erzählt eine Frist. In den siebziger Jahren kauft Inflation sozialen Frieden. Danach kauft der Staat mit Schulden, was Umverteilung nicht mehr darf. Danach kaufen private Märkte mit Kredit, was der Staat nicht mehr tragen soll. 2008 ist das Ende des dritten Kaufs, nicht der Beginn einer neuen Ordnung. Demokratie und Kapitalismus waren eine historische Ehe, keine Natur. Wo das Kapital global wird und die Politik territorial bleibt, gewinnt das Kapital. Europa erscheint als Verfassung, die Märkte schützt, indem sie Staaten entmachtet. Das Buch ist historisch, polemisch, gegen die Rettungsrhetorik der Union.

Gegen die Rede, die Krise sei Missmanagement, setzt Streeck die lange Transformation. Gegen Habermas’ europäische Hoffnung setzt er den Nationalstaat als letzten Ort, an dem Demokratie noch zugreifen könnte – eine Pointe, die Freunde der Integration als Rückfall gelesen haben. Die Stärke ist die Periodisierung, die 2008 verständlich macht, ohne die Banker zur einzigen Ursache zu machen. Die Grenze ist der Ton, der Alternativen knapp hält, und die Wette auf den Staat, der selbst schon gekauft hat. Kritik hat den Nationalismus, die Unterbestimmung der EU-Linken, die Härte gegen das demokratische Europa genannt. Streeck hat Vorworte nachgetragen und die Linie gehalten.

Gelesen wird das Buch als linke Krisenschrift und als Anti-Euro-Traktat. Wer nur den Euro meint, hat die Inflation der siebziger Jahre übersprungen. Wer nur den Kapitalismus meint, unterschlägt die Demokratie, die in diesem Titel die andere Hälfte ist: Zeit wird gekauft, damit sie nicht politisch entschieden werden muss. Nach 2013 haben Austerität, Rettungsschirme, neue Schulden die These geprüft, ohne sie zu erledigen.

Einordnung

Ohne dieses Buch bleibt 2008 ein Finanzunfall. In Zeitdiagnosen nach 1989 steht es nach Crouchs Postdemokratie: dieselbe Leere, von der Ökonomie her erzählt. Crouch sieht die Firma in der Politik; Streeck sieht den Markt, der die Politik auf Frist setzt. Wer nur Zeitdiagnose als Stimmung kennt, hat die drei Käufe nicht gelesen.

Essays

Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.

Zeitdiagnosen nach 1989 (Essay) · Zeitdiagnosen nach 2010 (Lesepfad)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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