Gorgias
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Gorgias |
| Autor(en): | Platon |
| Originaltitel: | Γοργίας |
| Originalsprache: | griechisch |
| Erstveröffentlichung: | |
| Schlagwörter: | Rhetorik, Gerechtigkeit, Macht, Seele |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Reclam
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 342 Seiten |
| ISBN: | 9783150188965 |
| Verweise | |
Gorgias ist ein Dialog von Platon, benannt nach dem sizilischen Redner Gorgias von Leontinoi, entstanden wahrscheinlich in den achtziger Jahren des vierten Jahrhunderts vor Christus. Sokrates diskutiert mit Gorgias, dessen Schüler Polos und dem Athener Kallikles über Sinn und Zweck der Redekunst und gerät dabei auf die Frage nach der richtigen Lebensweise. Es ist einer der umfangreichsten Dialoge; eine Einigung wird nicht erzielt. Die fiktive Handlung spielt im Haus des Kallikles in Athen zur Zeit des Peloponnesischen Krieges, mit gewollten Widersprüchen der Datierung. Die Infobox folgt der zweisprachigen Reclam-Ausgabe.
Inhalt
Platon schreibt gegen die Rhetorik, soweit sie Überzeugen ohne Wissen ist, und gegen eine Lebenslehre, die Macht und Lust für das Gute nimmt. Gorgias bestimmt sein Fach als Kunst des Redens über das Gerechte vor Gericht und in der Volksversammlung; das höchste Gut, das sie verschaffe, sei Freiheit, verstanden als Macht über andere. Sokrates zeigt den Widerspruch: Wer Fachmann für das Gerechte ist, müsste selbst gerecht handeln; zugleich räumt Gorgias den Missbrauch der Rede ein. Also erzeugt Rhetorik Glauben, nicht Erkenntnis. Polos rühmt den Einfluss der Redner, die wie Tyrannen töten und verbannen können. Sokrates kehrt das um: Macht ohne Wissen vom Besten ist Ohnmacht. Es ist schlimmer, Unrecht zu tun, als Unrecht zu leiden, weil die Ungerechtigkeit die Seele des Täters zerstört. Strafe bessert; ungestraft bleiben ist das größere Übel. Die Rhetorik hätte, konsequent, den Täter anklagen, nicht decken müssen.
Kallikles zerreißt die Scham, die Gorgias und Polos zu Zugeständnissen trieb. Natur und Gesetz treten auseinander: von Natur aus steht den Starken Besitz und Herrschaft zu; die Gesetze der Schwachen sind naturwidrig. Philosophie ziemt der Jugend, nicht dem Mann, der handeln will. Das Gute ist Lustgewinn, die Begierden sind zu stärken und zu befriedigen; ein löchriges Fass ist die Bedingung des Genusses, nicht sein Unglück. Sokrates treibt die These in Widersprüche: die Schwachen sind gemeinsam stärker; der Einsichtsvollste kann der Schwächlichste sein; Unersättlichkeit schließt Erfüllung aus. Selbstbeherrschung, Ordnung der Seele, Eudaimonie als gelungenes Leben: das Gegenbild. Besser Unrecht leiden als Unrecht tun bleibt der Satz, den Kallikles nicht nimmt. Der Schlussmythos vom Totengericht unterstreicht, was das Argument nicht erzwingt.
Der Dialog bleibt offen, und das ist seine Härte. Gorgias, Polos und Kallikles machen Zugeständnisse und bleiben im Wesentlichen bei ihrer Ansicht. Sokrates überzeugt nicht die Stadt, in der die Rede siegt. Platon weiß, dass der historische Gorgias anders dachte als die Dialogfigur, und braucht die Figur, um die Schmeichelei – Kochkunst, Putzkunst, Sophistik, Rhetorik – als Lusttechnik ohne Bezug auf das Gute zu entlarven. Der Ton wechselt: schulisch im Definieren, hitzig bei Polos, schonungslos bei Kallikles, mythisch am Ende. Wer den Dialog als Sieg des Sokrates liest, überhört, dass die Macht der Rede im Haus des Kallikles nicht gebrochen wird. Die ethische Pointe steht; die politische Niederlage ist mitgeschrieben.
Einordnung
Neben Der Staat ist der Gorgias Platons große Abrechnung mit der öffentlichen Rede und der Lustlehre der Starken. Die Nikomachische Ethik des Aristoteles wird die Tugend später in die Mitte und in die Übung holen; hier ist sie noch Ordnung der Seele gegen die Rhetorik der Macht. Friedrich Nietzsche hat Kallikles als Vorfahren gelesen; die politische Philosophie hat in ihm das Recht des Stärkeren erkannt, das Thomas Hobbes anders, als Vertrag, bändigt. Die Kritik an Sokrates’ Beweisführung – dass hässlicher gleich schlimmer sei – ist so alt wie die Kommentare; sie hat den Dialog nicht entkräftet.
Wer nach Platon über Rhetorik, die Rede an die Menge und die Frage, ob Unrecht dem Täter schadet, spricht, spricht hinter diesem Gespräch. Die Reclam-Ausgabe mit Erlers Übersetzung macht die Länge lesbar. Geblieben ist der Satz, dass die Kunst, Mehrheiten zu gewinnen, noch nicht die Kunst ist, recht zu leben.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
