Haben oder Sein
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Haben oder Sein |
| Autor(en): | Erich Fromm |
| Originaltitel: | To Have or to Be? |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 1976 |
| Schlagwörter: | Besitz, Konsum, Charakter, Humanismus |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Gesellschaftstheorie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | dtv
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| Umfang dieser Ausgabe: | 288 Seiten |
| ISBN: | 9783423342346 |
| Verweise | |
Haben oder Sein ist das 1976 erschienene gesellschaftskritische Werk von Erich Fromm, zuerst englisch in der Reihe World Perspectives, bald ein internationaler Erfolg. Neben der Kunst des Liebens ist es Fromms bekanntestes Buch. Es stellt der Existenzweise des Habens – Besitz, Konsum, Vermarktung des Selbst – die des Seins gegenüber: produktive innere Tätigkeit ohne Gier. Fromm stützt sich auf Buddha, Jesus, Meister Eckhart und auf die Berichte an den Club of Rome über die Grenzen des Wachstums. Die deutsche Taschenbuchausgabe bei dtv hat Hunderttausende erreicht.
Inhalt
Fromm schreibt gegen die Hoffnung, Industrialisierung und unbegrenztes Wachstum machten alle glücklich. Die westliche und die östliche Industriegesellschaft erscheinen ihm als Religion des Fortschritts, bevölkert von notorisch unglücklichen Menschen, auf dem Weg in eine ökologische oder kriegerische Katastrophe. Zum ersten Mal, sagt er, hänge das leibliche Überleben der Menschheit von einer Änderung der Grundwerte ab. Haben ist für die meisten das Natürliche; Konsumieren in der Überflussgesellschaft ist seine herrschende Form. Sein heißt nicht Askese, sondern dass Besitz keine Rolle spielt für das, was einer ist. Lernen, erinnern, sprechen, lieben, glauben: Fromm führt Alltagsszenen vor, in denen dasselbe Tun einmal Einverleibung und einmal lebendige Tätigkeit ist. Wissen haben heißt Stoff für die Prüfung horten; Wissen im Sein heißt hören und teilnehmen.
Die Analyse bindet den Charakter an die Gesellschaft. Privateigentum, Gewinn und Macht prägen eine Wegwerfhaltung; Identität hängt am Haben, nicht am Sein. Fromm greift Freuds anale Phase auf: Besitzenwollen, das nicht zur Reife kommt, als Krankheit einer ganzen Kultur, nicht nur des Kindes. Der Marketing-Charakter – Fromm meint den Menschen, der sich selbst als Ware anbietet – tritt an die Stelle der Religion. Dagegen setzt er den radikalen Humanismus: Arbeit für menschliche Bedürfnisse statt für die Wirtschaft; Zusammenarbeit mit der Natur statt Ausbeutung; Solidarität statt Feindschaft; vernünftiger Verbrauch; Teilnahme aller. Gewährsleute sind Thoreau, Emerson, Albert Schweitzer, Ernst Bloch, Ivan Illich, Ernst Friedrich Schumacher, Erhard Eppler; gelebte Formen sieht er in Kibbuzim, bei den Hutterern, in den Communautés de Travail. Wirtschaft und Politik sollen dezentral werden, Nachbarschaftsgruppen tragen das Leben, ein oberster Kulturrat aus integeren Frauen und Männern soll Forschung und Medien vor Profit und militärischer Nutzbarkeit schützen. Mindesteinkommen und atomare Abrüstung gehören zum Programm.
Das Buch ist unsicher, wo die Diagnose scharf und das Heilmittel rund wird. Fromm reduziert die Fußnoten absichtlich, um lesbar zu bleiben; die Lücken und Vereinfachungen hat die Kritik benannt. Der Kulturrat klingt nach Tugendadel; die Gemeinschaftsbeispiele tragen die Last einer ganzen Weltwirtschaft nicht. Fromm selbst hat in unveröffentlichten Kapiteln, später als Vom Haben zum Sein herausgegeben, Missverständnisse abgewehrt: Sein sei kein asketisches Nicht-Haben, und ohne Änderung der sozioökonomischen Leitwerte bleibe die individuelle Umkehr stecken. Esoterische Irrwege und die Vermarktung der Selbsterfahrung lehnt er ab. Der Ton ist feuilletonistisch, warnend, von der Dringlichkeit der siebziger Jahre, Atomkrieg und Grenzen des Wachstums. Wer nur den Gegensatz Haben/Sein als Spruch nimmt, hat das Plakat; der Text ist eine Charakterologie der Konsumgesellschaft.
Einordnung
Mit Haben oder Sein wurde Fromm in Deutschland zum öffentlichen Autor, nachdem er im frühen Kreis der Frankfurter Schule neben Horkheimer und Marcuse gestanden hatte. Neben Die Furcht vor der Freiheit steht das Spätwerk als die andere große Diagnose: dort die Flucht aus der Freiheit in den Autoritarismus, hier die Flucht ins Haben. Karl Marx’ Entfremdung und Meister Eckharts Abgeschiedenheit liegen in einem Satz; die Strenge der Dialektik der Aufklärung fehlt, bewusst. Die Kritik nannte das Buch zeitgeistgebunden, unsystematisch, ein Kultbuch der Alternativbewegung. Die Forderung eines Mindesteinkommens und die Konsumkritik bei schwindenden Vorräten haben es älter gemacht als den Vorwurf.
Wer nach 1976 über Besitzstand, Wachstum und ein Leben ohne Gier spricht, spricht hinter diesem Gegensatz oder verdünnt ihn. Die dtv-Ausgabe hat den Text festgesetzt. Geblieben ist die Unterscheidung zweier Weisen zu existieren – und die Behauptung, dass ohne ihre Umkehr die Gesellschaft sich nicht ändert.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
