Kirchenrepublik Deutschland

Carsten Frerk · 2015 · Sachbuch, Politik


Das Werk
Deutscher Titel: Kirchenrepublik Deutschland
Autor(en): Carsten Frerk
Originaltitel: Kirchenrepublik Deutschland
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 2015
Schlagwörter: Kirche, Einfluss, Staat, Macht
Sachgebiete: Sachbuch, Politik
Greifbare Ausgabe
Verlag: Alibri


Umfang dieser Ausgabe: 304 Seiten
ISBN: 9783865691903
Verweise


Kirchenrepublik Deutschland. Christlicher Lobbyismus. Eine Annäherung ist das 2015 im Aschaffenburger Alibri-Verlag erschienene politische Sachbuch von Carsten Frerk. Es untersucht die Kirchen als politische und wirtschaftliche Akteure in einem Staat, der alle vor dem Gesetz gleichstellt und zwei Organisationen einen rechtseigenen Raum gewährt. Das Buch entstand im Auftrag des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten, verbunden mit einem Stipendium, und wurde von der Giordano-Bruno-Stiftung gefördert. Frerk, bekannt durch Untersuchungen zur Kirchenfinanzierung, will nicht den Glauben widerlegen, sondern den Einfluss messen. Die Vorstellung im Haus der Bundespressekonferenz machte aus der Studie eine Kampagne.

Inhalt

Frerk schreibt gegen die Selbstbeschreibung der Amtskirchen als Seelsorge im säkularen Staat. In der Theorie dürfe niemand wegen des Glaubens bevorzugt werden; in der Praxis hätten katholische und evangelische Kirche erreicht, dass Politiker und Juristen ihnen Sonderwege einräumen. Kirchlicher Einfluss unterscheide sich von Verbänden dadurch, dass er Menschen von Kindheit an präge, die später entscheiden. Die innerkirchliche Wahlbeteiligung sei gering, die demokratische Legitimation also zweifelhaft, der Zugang zu Parlamenten und Ministerien gleichwohl fest. Die Geschichte seit Theodosius, der 380 das trinitarische Christentum zur Staatsreligion erhob, über Investiturstreit, Reichsdeputationshauptschluss, Weimarer Kirchenartikel und Nationalsozialismus bis zur Bundesrepublik zeigt: die Trennung von Staat und Kirche ist in Deutschland nicht vollzogen.

Die Behauptung füllt sich mit Apparaten. Von außen wirken das Katholische und das Evangelische Büro beim Bund, die Landesbüros, Geldflüsse und das von Ernst-Wolfgang Böckenförde geprägte Diktum, der freiheitliche Staat lebe von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren könne – oft als Einladung zur kirchlichen Zulieferung gelesen. Von innen wirken Seitenwechsel zwischen Kirchenämtern und Ministerien, Kirchenreferenten, das Bundespräsidialamt. Frerk spricht vom gekaperten Staat. In den Medien sitzen Kirchenvertreter in Rundfunkräten; Nachwuchsarbeit läuft über katholische Institute und Publizistenvereine. In der Wissenschaft fördern Cusanuswerk, Villigst und Görres-Gesellschaft Loyalitäten; das Staatskirchenrecht sei kirchengenehm. Beim Bundesverfassungsgericht nennt Frerk drei Schieflagen: den Religionseintrag auf der Lohnsteuerkarte, die weite Auslegung des Selbstbestimmungsrechts und päpstliche Orden für Richter. Karl Jüsten, Leiter des katholischen Kommissariats, wird mit dem Satz zitiert, der eigene Erfolg beeindrucke manchmal auch Banken- und Atomlobby.

Unsicher wird das Buch, wo aus Personalistenlisten ein System und aus Nähe Korruption wird. Ulrich Heisterkamp fand den Blick tendenziös, die Rede vom Schlaraffenland und von klerikaler Völlerei alarmistisch; Konrad Stege von Transparency International hielt Hinweise für wichtig, die Seitenwechsel aber überdeutet. Armin Pfahl-Traughber lobte die Faktenfülle und vermisste mehr demokratietheoretische Verdichtung. Frerk weiß, dass Mitgliederzahlen sinken und der Einfluss nicht folgt. Die Gegenposition der Kirchen – Wohlfahrt, Seelsorge, zivilgesellschaftliches Gewicht – kommt als Camouflage wirtschaftlicher Interessen vor, selten als ernstgenommene Leistung. Der Ton ist der eines Anklägers mit Akten, nicht eines Vermittlers. Das Bistum Trier hat später ein Zerrbild der Kirchenrepublik zurückgewiesen. Die Frage, die bleibt, ist die nach der Verfasstheit der Demokratie, nicht nach dem Glauben.

Einordnung

Das Buch gehört zur säkularen Kritik am Religionsverfassungsrecht, neben älteren Schriften Frerks zur Kirchensteuer und neben der humanistischen Publizistik. Es steht gegen die staatskirchenrechtliche Schulmeinung und neben der vergleichenden Lobbyforschung, die es selbst zu wenig systematisch betreibt. Nachbarschaft hat es zu den Debatten über Staatsleistungen und über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Es schließt, so Pfahl-Traughber, eine Lücke, indem es den Einfluss nicht nur behauptet, sondern personell durchdekliniert.

Die Aufnahme war gespalten: Deutschlandfunk und Wirtschaftswoche gaben dem Autor das Wort, Fachportale warnten vor der Tendenz, konfessionsfreie Blätter feierten die Bloßlegung. Geblieben ist der Titel als Kampfbegriff und die Tabelle der Büros, Referenten und Orden. Wer nach 2015 über christlichen Einfluss auf Gesetze, Medien und Gerichte spricht, spricht hinter diesem Band oder gegen ihn. Die Alibri-Ausgabe hat den Atem der Kampagne bewahrt; die Kirchensteuer ist seitdem nicht leiser geworden.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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