Kitāb al-ʿIbar
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Kitāb al-ʿIbar |
| Autor(en): | Ibn Chaldūn |
| Originaltitel: | كتاب العبر |
| Originalsprache: | arabisch |
| Erstveröffentlichung: | 1377 |
| Schlagwörter: | Universalgeschichte, Asabiyya, Maghreb, Dynastien |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | C.H. Beck |
| Serie: | Neue Orientalische Bibliothek |
| Umfang dieser Ausgabe: | 540 Seiten |
| ISBN: | 9783406622373 |
| Verweise | |
Kitāb al-ʿIbar (vollständiger Titel: Buch der Hinweise und Aufzeichnung der Anfänge und Ereignisse aus den Tagen der Araber, Perser und Berber) ist die zwischen 1375 und 1382 entstandene Universalgeschichte von Ibn Chaldūn in sieben Büchern. Das erste Buch, die Muqaddima, ist die Einleitung und das berühmteste Stück; die Bücher zwei bis fünf erzählen die Menschheitsgeschichte bis in Ibn Chaldūns Gegenwart, sechs und sieben die Geschichte der Berber und des Maghreb, die dem Verfasser selbst am wichtigsten waren. Die greifbare deutsche Ausgabe ist Alma Gieses Übertragung der Einleitung bei C.H. Beck.
Inhalt
Ibn Chaldūn schreibt gegen die Hofchronik, die Siege als Tugend erzählt und Dynastien legitimiert, statt nach Ursachen zu fragen. Er will weder Haus noch Stamm verherrlichen. Zivilisation – ʿumrān – entsteht aus dem Zusammenleben und hat Gesetze, die sich am Maghreb und in Andalusien beobachten lassen. Der Kernbegriff ist ʿaṣabiyya, die Gruppenbindung der Stammesgesellschaft, die Eroberung und Herrschaft trägt. Solange sie hält, entsteht ein Reich; sobald die Herrscher in den Städten weich werden, Steuern eintreiben und Söldner kaufen, zerfällt sie. Drei Generationen nennt er als ungefähres Maß eines Zyklus. Deshalb glaubte er, eine neue Wissenschaft begründet zu haben, die der Geschichtsschreibung vorausgehen muss.
Die Behauptung wird an Stadt und Steppe, Klima, Nahrung, Handwerk und Wissenschaft durchgerechnet. Die Beduinen sind kriegstüchtig und arm; die Städter reich, arbeitsteilig und verteidigungsunfähig. Kalifat, Steuer, Pädagogik und Prophezeiung werden daraufhin befragt, welche Bindung sie stärken oder verbrauchen. Die Bücher zwei bis fünf ordnen Völker und Reiche in diese Lehre ein, ohne die anekdotische Fülle ganz aufzugeben. In sechs und sieben, der Geschichte der Berber, wird aus der Theorie wieder Erfahrung: Ibn Chaldūn hatte Höfe, Kerker und Exil hinter sich, geboren 1332 in Tunis, gestorben 1406 in Kairo. Das Ganze heißt auch Tārīkh Ibn Khaldūn, Geschichte des Ibn Chaldūn.
Die Muqaddima löst sich von der Universalgeschichte, die sie einleiten sollte, und ist in Europa fast allein gelesen worden. Das ist eine Verzerrung des Werks und eine gerechte Würdigung seiner Neuerung. Die späteren Bücher bleiben an Genealogien und Nachrichten gebunden, die die Einleitung gerade kritisieren wollte. Ibn Chaldūn unterscheidet nomadisch-ländliche und städtische Kultur und gewichtet Faktoren, ohne sie zu einem Fortschritt aufsteigend zu ordnen. Wer nur den Kreislauf nimmt, verfehlt die empirische Fülle des Maghreb; wer nur die Chronik nimmt, verfehlt die Wissenschaft von der Gesellschaft. Die deutsche Übertragung fasst nicht übersetzte Abschnitte zusammen: sie gibt Überblick, nicht das arabische Ganze.
Einordnung
Europa hat Ibn Chaldūn spät gelesen und dann oft als Vorläufer vereinnahmt: als Soziologen vor der Soziologie, als Vico des Maghreb. Das unterschätzt, wie genau das Buch an einer bestimmten Geschichte hängt, der der nordafrikanischen Dynastien. Neben Thukydides und der europäischen Universalchronik gehört das Kitāb al-ʿIbar hierher, weil es Macht aus Bindung erklärt, nicht aus Idee, und weil es den Kreislauf ernst nimmt, den Fortschrittserzählungen gern übersehen. Die arabische Tradition hat das Werk länger als Geschichtsschreibung gelesen, die europäische kürzer als Theorie.
Die Muqaddima ist der Teil, ohne den die moderne Rede über Aufstieg und Verfall von Reichen ärmer wäre; das Gesamtwerk ist der Ort, an dem diese Rede noch an Berbern, Arabern und Höfen geprüft wird. Alma Gieses Übertragung hat wenigstens die Einleitung im Zusammenhang deutsch lesbar gemacht. Wer Ibn Chaldūn nur als Ahnen der Soziologie führt, macht aus einer Universalgeschichte eine Visitenkarte. Wer die sieben Bücher als bloße Chronik liest, verfehlt die Einleitung, die ihnen den Maßstab gibt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
