Laches
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Laches |
| Autor(en): | Platon |
| Originaltitel: | Λάχης |
| Originalsprache: | griechisch |
| Erstveröffentlichung: | |
| Schlagwörter: | Tapferkeit, Tugend, Erziehung, Aporie |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | Reclams Universal-Bibliothek |
| Umfang dieser Ausgabe: | 80 Seiten |
| ISBN: | 9783150001783 |
| Verweise | |
Laches (griechisch Laches) ist ein früher Dialog von Platon, in der Forschung fast einhellig als echt gelten, zeitlich unter die Tugenddialoge der Jugendwerke gerechnet. Das Gespräch spielt in Athen zwischen 424 und 423 vor Christus, nach der Schlacht von Delion, an der Sokrates tapfer teilnahm, und vor dem Tod des Laches bei Mantineia. Neben Sokrates sprechen die Feldherren Laches und Nikias sowie die älteren Athener Lysimachos und Melesias, die für ihre Söhne den besten Weg zur Tüchtigkeit suchen. Mehrere Bestimmungen der Tapferkeit scheitern; der Dialog endet in der Ratlosigkeit, soll aber am nächsten Tag weitergehen.
Inhalt
Das Buch ist gegen die Meinung geschrieben, man wisse schon, was Tapferkeit sei, und müsse nur noch das passende Lehrfach dazu finden. Lysimachos und Melesias schämen sich, neben ihren berühmten Vätern – Aristeides dem Gerechten und dem oligarchischen Thukydides – nichts geleistet zu haben, und wollen den Enkeln die Erziehung nicht versäumen, die ihnen selbst gefehlt hat. Ein Fechtmeister hat vorgeführt; die Frage ist, ob Fechtunterricht tapfer macht. Nikias sagt ja: die Kunst fördere Mut und helfe im Einzelkampf. Laches sagt nein: Fechtmeister glänzten im Krieg nicht, die Spartaner brauchten sie nicht, Stesileos habe sich im Ernst lächerlich gemacht. Sokrates verschiebt die Frage. Bevor man Mittel wählt, müsse das Ziel klar sein. Erziehung zielt auf die Seele, nicht auf Abrichtung des Leibes; das Ziel heißt arete, Tüchtigkeit. Weil die ganze Tugend zu groß sei, solle man einen Teil prüfen: die Tapferkeit.
Laches bestimmt sie zuerst als Standhalten in der Schlachtreihe. Sokrates zeigt, dass Rückzug klug sein kann, Reiter anders kämpfen und auch Krankheit, Armut, Begierde Tapferkeit verlangen. Laches bessert: Tapferkeit sei Beharrlichkeit der Seele. Dann droht törichte Sturheit tapfer zu heißen; also nur vernünftige Beharrlichkeit. Doch wer die Lage beherrscht, riskiert wenig und scheint nicht tapfer; wer aussichtslos ausharrt, handelt unvernünftig. Das Dilemma treibt Laches in die Sackgasse. Nikias, der schon gehört hat, Tugend sei Wissen, bestimmt Tapferkeit als Kenntnis des Furchtbaren und Ungefährlichen. Laches höhnt: dann wären Arzt und Landwirt tapfer. Nikias unterscheidet Fachwissen, das Wege zu einem gegebenen Ziel kennt, von der höheren Einsicht, ob das Ziel selbst zuträglich sei. Sokrates treibt nach: Kenntnis gilt nicht nur der Zukunft, sondern dem Guten und Schlechten überhaupt; dann wäre Tapferkeit die ganze Tugend, nicht ein Teil. Die Bestimmung verfehlt die Besonderheit. Alle sind ratlos; gleichwohl wollen sie Sokrates die Söhne anvertrauen. Er lehnt den Meistertitel ab, weil noch niemand weiß, was gelehrt werden soll.
Unsicher bleibt, ob die Ratlosigkeit echt oder durchsichtig ist. Die ältere Forschung (Hermann Bonitz) meinte, Laches’ Beharrlichkeit und Nikias’ Wissen müssten nur verbunden werden; der Schluss sei scheinbar aporetisch. Andere hören schon die Lehre von der Einheit der Tugenden: wer eine wirklich hat, hat alle, oder es gibt nur eine Tugend unter mehreren Namen. Dann hätte Nikias beinahe recht, und Sokrates verwürfe nur die Abgrenzung, nicht den Ansatz. Der Dialog führt die Rivalität der beiden Feldherren mit literarischer Schärfe vor: der Praktiker gegen den Gebildeten, beide vor Sokrates bloßgestellt. Ob der historische Sokrates so dachte, ist wie immer streitig. Lysimachos’ Unkenntnis von Sokrates spricht für eine Spielzeit vor den Wolken des Aristophanes 423. Wer den Laches als militärisches Lehrbuch liest, verfehlt die Wende von der Fechtkunst zur Seele; wer ihn nur als Porträt des tapferen Sokrates liest, verfehlt die begriffliche Arbeit.
Einordnung
Unter den Frühdialogen steht der Laches neben Charmides und Euthyphron: eine Tugend wird gesucht und nicht gefunden, die Suche selbst ist die Lehre. In Der Staat wird die Tapferkeit der Wächter später als richtiges Meinen über das Furchtbare eingebaut, nicht mehr nur als Aporie. Die Einheit der Tugenden bleibt ein Grundproblem der Platonforschung, zumal im englischsprachigen Streit um starke oder schwache Identität. Aristoteles hat in der Nikomachische Ethik die Tapferkeit wieder an die richtige Furcht in der Schlacht gebunden und die sokratische Gleichsetzung mit Wissen gelockert.
Marsilio Ficino übersetzte den Dialog 1484; die griechische Erstausgabe erschien 1513 bei Aldo Manuzio. Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff hielt den Zweck für das Sokratesbild, nicht für die Definition. Olof Gigon nannte das Werk schlicht und bedeutend. Missverstanden wird es, wenn man das Scheitern für Beliebigkeit hält; gescheitert ist eine voreilige Sicherheit. Wer über Mut ohne Phrasen sprechen will, findet hier die unbequemste Übung: dass Tapferkeit ohne Vernunft Tollkühnheit wird und mit zu viel Vernunft aufhört, Mut zu sein.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
