Leben des Galilei

Bertolt Brecht · 1943 · Drama


Das Werk
Deutscher Titel: Leben des Galilei
Autor(en): Bertolt Brecht
Originaltitel: Leben des Galilei
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1943
Schlagwörter: Wissenschaft, Widerruf, Kirche, Verantwortung
Sachgebiete: Drama
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 192 Seiten
ISBN: 9783518188019
Verweise


Leben des Galilei ist das Stück von Bertolt Brecht, 1938/39 im dänischen Exil geschrieben, 1943 in Zürich uraufgeführt, später in Amerika und in Berlin umgearbeitet. Der Physiker sieht durch das Fernrohr, was das Weltbild sprengt, und widerruft, als die Inquisition die Instrumente zeigt.

Inhalt

Galileo Galilei in Padua braucht Geld, nimmt ein holländisches Fernrohr als eigene Erfindung und richtet es auf den Mond, die Jupitermonde, die Phasen der Venus. Der Schüler Andrea Sarti, die Haushälterin, der kleine Mönch, der Linsenschleifer Federzoni: Um Galilei herum steht, wer die neue Sicht tragen oder fürchten wird. Die Florentiner Hofastronomen weigern sich, durch das Rohr zu sehen; was die Lehre nicht vorsieht, darf der Himmel nicht zeigen. Brecht gibt dem Forscher Hunger, Witz, die Liebe zum Essen und zum Beweis – keinen Heiligen der Vernunft. Die Wahrheit ist ein Geschäft, das den Magen füllt, solange der Hof zahlt, und eine Gefahr, sobald Rom hinhört.

Galilei geht nach Florenz, schreibt, lehrt, unterschätzt die Kirche, die ihn zuerst als gelehrten Freund des Papstes Urban VIII. hält – Barberini hat selbst geforscht – und ihn dann fallen lässt, als das Volk die Lehre als Aufruhr hören könnte. Der Inquisitor braucht kein Fernrohr. Virginia, die Tochter, verliert die Heirat, weil der Name des Vaters stinkt; Andrea glaubt an den Meister, der nicht widerrufen wird. Brecht zeigt die Physik nicht als Siegeszug: Jeder Beweis kostet Verbündete. Der Papst, der als Wissenschaftler noch zweifelte, lässt als Amt den Mann den Instrumenten gegenüberstellen. Die Folter muss nicht stattfinden; die Drohung genügt.

Galilei widerruft. Andrea verzweifelt, die Schüler wenden sich ab, der Satz, unglücklich das Land, das Helden nötig habe, fällt als Trost, der keiner ist. In der letzten Szene, erblindet, unter Hausarrest, hat Galilei die Discorsi heimlich weitergeschrieben; Andrea soll das Manuskript über die Grenze bringen. Der Widerruf war Feigheit und List zugleich – Brecht lässt beides stehen und verschärft von Fassung zu Fassung die Selbstanklage: Wer das Wissen den Herrschenden überlässt, hat verraten, auch wenn das Buch entkommt. Wer hier nur den Märtyrer sucht, hat den Widerruf nicht gehört. Wer nur den Verrat meint, unterschlägt die Schrift, die Andrea unter dem Rock trägt.

Einordnung

Die Zürcher Uraufführung 1943 galt der dänischen Fassung; die amerikanische Bearbeitung mit Charles Laughton 1947, nach Hiroshima, macht aus Galilei den Wissenschaftler, der die Bombe den Mächtigen in die Hand gibt; die Berliner Fassung 1955/57 zieht die Selbstverurteilung noch enger. Gegen die Mutter Courage und ihre Kinder, die am Krieg verdient, und Die Dreigroschenoper, die das Geschäft singen lässt, ist der Galilei das Stück, das die Erkenntnis als Geschäft und als Schuld zeigt. Neben Galileis eigenem Dialog über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme bleibt Brechts Theater die öffentliche Probe auf denselben Konflikt – Hof, Rohr, Widerruf –, nur dass nach 1945 die Atombombe im Raum steht, ohne genannt werden zu müssen. Wer nach 1943 den Forscher widerrufen lässt und trotzdem das Heft rettet, spielt hinter diesen Fassungen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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