Literaturgeschichte als Provokation
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Literaturgeschichte als Provokation |
| Autor(en): | Hans Robert Jauß
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1970 |
| Schlagwörter: | Rezeption, Horizont, Literaturgeschichte, Moderne |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Literaturwissenschaft |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | edition suhrkamp |
| Umfang dieser Ausgabe: | 251 Seiten |
| ISBN: | 9783518104187 |
| Verweise | |
Literaturgeschichte als Provokation ist der 1970 in der edition suhrkamp erschienene Essayband von Hans Robert Jauß. Den Kern bildet die Konstanzer Antrittsvorlesung von 1967, erweitert um Studien zur Moderne, zur Querelle und zum Ende der Kunstperiode. Literaturgeschichte soll wieder Geschichte werden: nicht Summe der Werke, sondern Prozess der Aufnahme.
Inhalt
Jauß greift eine Literaturwissenschaft an, die entweder Stoffe sammelt oder Werke zeitlos auslegt. Dazwischen fehlt die Geschichte der Wirkung. Der Erwartungshorizont ist der Begriff, an dem das hängt: Was Leser einer Zeit von Gattung, Stil und Thema erwarten dürfen, bestimmt, ob ein Werk als Bruch, als Erfüllung oder als unlesbar erscheint. Ein Text ändert diesen Horizont; die Änderung ist das historische Ereignis, nicht die Entstehung im stillen Kämmerlein. Ästhetik und Geschichte fallen nicht auseinander, wenn man die Aufnahme als Prozess nimmt. Die Vorlesung von 1967, zuerst als Konstanzer Universitätsrede, dann erweitert, hat das Fach mit einem Satz umgestellt, den man seither abwandelt, ohne ihn zu ersetzen. Gegen den Positivismus der Quellen setzt sie die Provokation; gegen die Werkimmanenz setzt sie die Frage, für wen ein Werk neu war.
Der Suhrkamp-Band versammelt dazu die Moderne als Bewusstsein der Modernität, Schlegel und Schiller in der Querelle der Alten und der Neuen, Heine, Hugo, Stendhal am Ende der Kunstperiode, das Verhältnis von Kunstgeschichte und Historie. Es ist keine Systemschrift, es ist eine Konstellation von Angriffen. Jauß kennt die romanischen Literaturen und die deutsche Debatte; Konstanz sollte die Einzelphilologien auf ein gemeinsames Instrumentarium verpflichten. Die Rezeptionsästhetik ist hier Programm einer Universität, nicht nur einer These. Wolfgang Iser hat denselben Leser phänomenologisch beschrieben; Jauß beschreibt ihn historisch. Wer nur den Horizont als Schlagwort nimmt, hat die Querelle nicht gelesen, an der er geschärft wird. Wer nur die Vorlesung kennt, unterschlägt, dass der Band die Moderne als Problem der Geschichtlichkeit denkt, nicht als Epochentitel.
Die Wirkung war enorm, die Person später belastet. Jauß’ Zugehörigkeit zur Waffen-SS, nachgetragen und öffentlich gemacht, hat die Kanonisierung beschädigt, ohne die These zu widerlegen. Man kann den Horizont brauchen und den Verfasser verurteilen; man kann den Verfasser zum Anlass nehmen, die These zu meiden. Beides ist in der Debatte vorgekommen. Fachlich bleibt die Grenze eine andere: der Horizont droht zur Metapher zu werden, die man nicht mehr belegt. Empirische Leserforschung hat ihn oft nicht gefunden; Theorie nach 1980 hat den Leser soziologischer oder politischer genommen. Die Stärke des Buchs ist die Zumutung an die Literaturgeschichte, sich als Geschichte zu rechtfertigen. Ohne diese Zumutung bleibt das Fach eine Reihe von Meisterwerken mit Jahreszahlen.
Einordnung
Konstanz hat der Literaturwissenschaft der Bundesrepublik eine Schule gegeben; dieses Buch ist ihre Gründungsrede in lesbarer Form. In Die einflussreichsten Werke der Literaturwissenschaft: 20. Jahrhundert steht es mit Isers Akt als das Paar, das den Leser einsetzte. Hans-Georg Gadamers Hermeneutik liegt im Hintergrund; Jauß macht aus dem Verstehen eine Geschichte der Erwartungen. Wer nach 1970 Literaturgeschichte sagt und nur Werke meint, hat die Provokation überhört. Wer nur die Provokation kennt, unterschlägt die philologischen Proben, an denen sie hängt.
Essays
Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.
Die einflussreichsten Werke der Literaturwissenschaft: 20. Jahrhundert (Essay)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
