Maigret und die Affäre Saint-Fiacre
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Maigret und die Affäre Saint-Fiacre |
| Autor(en): | Georges Simenon |
| Originaltitel: | L’Affaire Saint-Fiacre |
| Originalsprache: | französisch |
| Erstveröffentlichung: | 1932 |
| Schlagwörter: | Schloss, Kindheit, Messe, Niedergang |
| Sachgebiete: | Kriminalroman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Diogenes |
| Serie: | Maigret |
| Umfang dieser Ausgabe: | 171 Seiten |
| ISBN: | 9783257238136 |
| Verweise | |
Maigret und die Affäre Saint-Fiacre ist ein Kriminalroman von Georges Simenon, im Januar 1932 in Antibes geschrieben und im selben Jahr bei Fayard erschienen, der dreizehnte der Maigret-Romane. Eine anonyme Ankündigung führt Kommissar Maigret in den Ort seiner Geburt, wo vor seinen Augen die Gräfin stirbt, die der Junge Jules einst verehrt hat. Simenon kannte das Schloss: Er war Sekretär des Marquis de Tracy in Paray-le-Frésil bei Moulins, das hier Saint-Fiacre heißt. Die erste deutsche Fassung von 1958 nannte den Band Maigret und das Geheimnis im Schloß; Werner De Haas übersetzte neu unter dem jetzigen Titel. Es ist einer der berühmtesten frühen Maigrets, untypisch klar, mit einem Finale, das an Walter Scott und an Agatha Christie grenzt.
Inhalt
Bei der Polizei in Moulins geht ein Brief ein: An Allerseelen werde während der Frühmesse in Saint-Fiacre ein Verbrechen geschehen. Niemand nimmt ihn ernst. Maigret, vor zweiundvierzig Jahren dort geboren, nutzt die Gelegenheit, den Ort wiederzusehen, den er seit dem Tod des Vaters gemieden hat. Évariste Maigret war dreißig Jahre Verwalter des Schlosses; die Gräfin war für den Jungen Inbegriff von Schönheit und Rang. Jetzt ist das Schloss heruntergekommen, der Besitz wird stückweise verkauft, die Gräfin alt, umgeben von jungen Sekretären, die als Liebhaber gelten und das Geld austragen. Im Ort erkennt niemand im fülligen Kommissar den kleinen Jules. In der Messe stirbt die Gräfin am Herz. Im Gebetbuch liegt ein gefälschter Zeitungsartikel, der behauptet, der Sohn habe sich aus Scham über den Lebenswandel der Mutter umgebracht. Der Schock tötet die Herzkranke.
Der Arzt bestätigt natürliche Ursache; eine offizielle Untersuchung findet nicht statt. Maigret ermittelt trotzdem. Nutznießer scheint vor allem der Sohn Maurice de Saint-Fiacre, der Geld braucht und wegen eines ungedeckten Schecks angereist ist. Der gegenwärtige Sekretär Jean Métayer ist der letzte einer Reihe. Verwalter Gautier und dessen strebsamer Sohn Émile, Bankangestellter, wohnen im modernisierten Haus, in dem einst die Maigrets lebten. Ein Ministrant namens Ernest will ein eigenes Messbuch, wie Jules einst. Die Wirtin, früher das schielende Mädchen, duzt den Herrn aus Paris nicht. Der Pfarrer beruft sich auf das Beichtgeheimnis. Vergangenheit und Gegenwart laufen nebeneinander: immer ein Verwalter und ein Sohn, immer ein Kind in der Sakristei, immer ein Schloss, das weniger glänzt.
Maurice lädt alle Beteiligten zum Abendessen, legt eine Pistole auf den Tisch und kündigt an, der Mörder werde Mitternacht nicht überleben. Émile greift zur Waffe und schießt auf den Grafen; in der Pistole sind Platzpatronen. Das Spiel der Gautiers liegt offen: Émile war Métayers Vorgänger bei der Gräfin, Vater und Sohn haben sich den Besitz angeeignet und den Anschlag benutzt, die Gräfin aus dem Weg zu räumen und den Verdacht auf den Sekretär zu lenken. Maurice prügelt Émile und jagt beide vom Hof. Bei der Beerdigung der Mutter liegt wieder etwas vom alten Glanz auf ihm. Maigret hat zugesehen. Wer den anonymen Brief schrieb, bleibt offen. Es gibt keine Verhaftung, nur Backenstreiche und die Wiederherstellung einer Ordnung, die das Schloss längst nicht mehr halten kann.
Einordnung
Viele Maigret-Romane leben von Atmosphäre und Mitleid; dieser lebt von der Doppelung. Wolfgang Spreckelsen hat beschrieben, wie Gegenwart die Vergangenheit zitiert und erst vor der Erinnerung der Niedergang sichtbar wird: Das Verwalterhaus steigt, das Schloss sinkt, der Sohn des Verwalters will den Platz des Grafen. Simenon, sonst kein Freund literarischer Verweise, setzt ein Kapitel »im Zeichen von Walter Scott« und parodiert die Versammlung der Verdächtigen. Tim Morris sieht in Émile einen Doppelgänger des jungen Jules: beide im Schatten des Schlosses, nur einer wird tätig. Genau genommen liegt kaum ein Verbrechen im Sinn des Strafgesetzbuchs vor; der Herzschlag ist herbeigeführt und bleibt medizinisch natürlich. Maigret ist Zuschauer seiner Kindheit.
Jean Gabin spielte den Stoff 1959 unter dem Titel Maigret kennt kein Erbarmen, danach folgten Fernsehfassungen mit Davies, Richard, Gambon und Cremer. Klaus N. Frick las ein Sittenbild des Provinzniedergangs; Tilman Spreckelsen ein wuchtiges Finale ohne Haftbefehl. Wer Maigret nur als Pfeifenmänner der Großstadt kennt, findet hier den Kommissar als Heimkehrer, den niemand mehr duzt. Wer nach Simenon über das französische Schloss als sterbende Ordnung spricht, spricht hinter Saint-Fiacre; wer den Band für ein gewöhnliches Detektivrätsel hält, hat den Ministranten und das beidseitig bedruckte Indiz nicht gelesen. Diogenes hält ihn als Band 13 der vollständigen Reihe.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
