Mao. Eine Biographie
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Mao. Eine Biographie |
| Autor(en): | Jung Chang, Jon Halliday |
| Originaltitel: | Mao. The Unknown Story |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 2005 |
| Schlagwörter: | Mao, China, Macht, Biographie |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Karl Blessing
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| Umfang dieser Ausgabe: | 832 Seiten |
| ISBN: | 9783896672001 |
| Verweise | |
Mao. Eine Biographie (englisch Mao. The Unknown Story, deutsch zuerst Mao. Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes) ist die 2005 bei Jonathan Cape erschienene Lebensbeschreibung Mao Zedongs von Jung Chang und Jon Halliday. Chang, 1952 in Sichuan geboren und durch Wilde Schwäne weltbekannt, hat mit ihrem Mann, dem irischen Historiker Halliday, zwölf Jahre recherchiert, Archive in elf Ländern und Gespräche mit Politikern, Opfern und Weggefährten zusammengetragen. Die These ist scharf: Mao erstrebte nicht das Wohl des Volkes und nicht einmal den Sieg des Kommunismus um seiner selbst willen, sondern die eigene Macht, und er hat dafür mehr Tote zu verantworten als die großen Diktatoren des Jahrhunderts. Die deutsche Ausgabe kam im Karl Blessing Verlag heraus und wurde ein Verkaufserfolg; in der Volksrepublik bleibt das Buch verboten. Bookpedia führt es unter dem kanonischen Kurztitel, unter dem es gesucht wird.
Inhalt
Chang und Halliday schreiben gegen das Bild des großen Steuermanns, das die Partei pflegte und das der Westen oft als grobe, aber wirksame Modernisierung übernahm. Sie erzählen Kindheit, Bürgerkrieg, Langen Marsch, Yan'an, Staatsgründung, Großen Sprung, Kulturrevolution als Kette von Täuschungen, innerparteilichen Morden und bewussten Hungersnöten. Der Lange Marsch erscheint weniger als Heldenepos denn als Flucht und Machtkampf; der Große Sprung nicht als Irrtum, sondern als in Kauf genommene Katastrophe; die Kulturrevolution als Instrument, Rivalen zu zerbrechen. Gespräche mit Henry Kissinger, George Bush, dem Dalai Lama und mit chinesischen Zeugen, die zuvor geschwiegen hatten, sollen die Akten ergänzen. Mao erscheint als Mann ohne Loyalität, der Genossen, Frauen, Söhne und das eigene Volk als Material behandelt. Die Worte des Vorsitzenden werden zur Kulisse einer Herrschaft, die der Text der kleinen roten Bibel Lügen straft.
Die Quellenfülle ist der Anspruch und der Streitpunkt. Gegenposition ist die sinologische Kritik, die das Buch als Anklageschrift liest, nicht als Biographie: strukturelle Gründe der chinesischen Revolution – Bauernkrieg, japanische Invasion, Schwäche der Nationalisten – würden zu Beiwerk eines Ungeheuers; Zahlen der Toten seien nach oben getrieben; einzelne Episoden, etwa zum Langen Marsch, stünden auf unsicherem Grund. Andrew Nathan, Geremie Barmé und andere haben das öffentlich vorgerechnet. Chang und Halliday antworten mit der Breite der Archive und mit dem Satz, ein wahrheitsgetreues Bild könne nicht das der Partei sein. Wer nur die Anklage will, findet sie auf jeder Seite. Wer eine politische Geschichte Chinas im zwanzigsten Jahrhundert will, muss andere Bände danebenlegen. Die Stärke liegt in der Zerstörung des romantischen Mao; die Schwäche in der Enge, mit der aus dieser Zerstörung schon die ganze Geschichte folgt.
Unsicher wird das Werk, wo die Psychopathologie des einen Mannes Klassen, Kriege und die Partei ersetzt und wo das Unbekannte der Untertitel zur Gewissheit der Autoren wird. Kissinger nannte das Porträt grotesk, weil es Mao ohne Eigenschaften lasse; später nannte er es einseitig und anregend. Die deutsche Ausgabe hat den Band als das Buch gelesen, das man über Mao gelesen haben muss, ähnlich den Wilden Schwänen als das Buch über chinesische Frauen. 832 englische, fast tausend deutsche Seiten erzeugen den Eindruck der Vollständigkeit. Vollständig ist die Anklage, nicht die Forschungslage. Mao stirbt 1976; das Buch lässt wenig übrig, das nicht nach Macht riecht. Das ist seine Pointe und seine Grenze.
Einordnung
Kein Mao-Buch der zweitausender Jahre hat im Westen mehr Leser und unter Fachleuten mehr Widerspruch gefunden. Es steht neben nüchterneren Viten – Philip Short, Alexander Pantsov –, die dasselbe Leben ohne die eine These der reinen Machtgier erzählen, und neben Changs Familienmemoiren, die das Jahrhundert von unten zeigten, während diese Biographie es von oben zerreißt. Nachbarschaft hat der Text zu einer Erinnerungspolitik, die Mao in China weiter als Gründer braucht, und zu einer westlichen Linken, die den Vorsitzenden lange als Ikone hielt. Wer nach Chang und Halliday über Mao spricht, als wäre er ein irrender Modernisierer, hat diese Anklage nicht gelesen; wer nur die Anklage will, hat China nicht als Geschichte, nur als Täter. Die kleine rote Bibel bleibt daneben das Buch, das die Herrschaft selbst in Umlauf brachte.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
