Mario und der Zauberer

Thomas Mann · 1930 · Novelle


Das Werk
Deutscher Titel: Mario und der Zauberer
Autor(en): Thomas Mann
Originaltitel: Mario und der Zauberer
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1930
Schlagwörter: Hypnose, Italien, Faschismus, Würde
Sachgebiete: Novelle
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fischer Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 92 Seiten
ISBN: 9783596523849
Verweise


Mario und der Zauberer ist die 1930 erschienene Novelle von Thomas Mann, untertitelt »Ein tragisches Reiseerlebnis«. Sie schildert den Sommerurlaub einer deutschen Familie im faschistischen Italien und den Auftritt des Hypnotiseurs Cipolla, der Menschen gegen ihren Willen tanzen, reden und küssen lässt, bis eines seiner Opfer ihn erschießt. Mann hat später bekräftigt, der Text habe entschieden einen moralisch-politischen Sinn, ohne Cipolla einfach zur Maske Mussolinis zu machen. In Deutschland vor 1933, so Mann später, habe man die Novelle als Warnung davor gelesen, dass diktatorische Herrschaft den Willen bricht, mit Beifall oder Unmut.

Inhalt

Der Ich-Erzähler verbringt mit Frau und zwei Kindern den Spätsommer in Torre di Venere am Tyrrhenischen Meer, einem fiktiven Ort nach dem Vorbild von Forte dei Marmi. Von Anfang an ist die Stimmung verdorben. Im Grand-Hotel darf die Familie nicht auf der Veranda mit Meerblick speisen, weil diese einer anderen Kundschaft vorbehalten sei; eine römische Adlige beschwert sich über den ausklingenden Keuchhusten des Jüngsten, und der Direktor bittet um Zimmerwechsel. Die Familie zieht in die Pension Eleonora der Signora Angiolieri, einer ehemaligen Begleiterin der Schauspielerin Eleonora Duse. Am Strand zieht die achtjährige Tochter den Badeanzug aus, um ihn im Meer auszuspülen, und ist einen Augenblick nackt, »mager wie ein Spatz«. Das gilt als Verstoß gegen die nationale Würde; die Polizei verhängt ein Bußgeld. Die Eltern überlegen abzureisen, die Kinder wollen den Zauberer sehen.

Cavaliere Cipolla betritt verspätet die Bühne einer Bretterbude am Ende der Hauptstraße: ein ältlicher, selbstgefälliger Krüppel und, wie der Erzähler bald merkt, der stärkste Hypnotiseur, der ihm je vorgekommen ist. Einen vorlauten Burschen zwingt er, die Zunge überlang herauszustrecken. Gedankenübertragung, Wahrsagen, versteckte Gegenstände folgen. In der Pause finden die Eltern nicht die Kraft zu gehen. Ein junger Mann wird zur Sitzbank versteift, eine Dame erzählt im künstlichen Schlaf von Indien, ein militärisch wirkender Herr kann den Arm nicht heben, Signora Angiolieri folgt willenlos auf die Bühne. Junge Leute tanzen auf Befehl, schließlich das ganze Publikum. Cipolla redet von Führer und Gefolgschaft, vom Bruder des Duce und von der Einheit aus Befehl und Gehorsam: Wer zu gehorchen wisse, wisse auch zu befehlen; die Ablehnung fremden Willens im Namen der Freiheit sei leer.

Auf dem Höhepunkt ruft Cipolla den Kellner Mario vom Café Esquisito heran, spricht dessen heimliche Liebe zu Silvestra an und suggeriert ihm, die Geliebte stehe vor ihm. Mario küsst den hässlichen Cipolla auf die Wange. Als er erwacht und die Demütigung begreift, stürmt er von der Bühne, wirft sich herum und feuert zwei Schüsse. Cipolla fällt. Die Kinder fragen, ob das das Ende gewesen sei. Der Erzähler antwortet: ein Ende mit Schrecken und dennoch ein befreiendes Ende. In Wirklichkeit, so Mann später, lief Mario nach dem Kuss beschämt weg und servierte am nächsten Tag vergnügt den Tee; die Schüsse sind Erfindung, angeregt durch eine Bemerkung der ältesten Tochter.

Einordnung

Die Novelle steigert zwei Demütigungen um Hierarchie und nationale Ehre in die Unterwerfung eines ganzen Saals. Cipolla ist Ideologe und Künstler zugleich: Er fasziniert durch Kunststücke und durch die Verdrehung der Begriffe, und der Erzähler bleibt bis zum Schluss im Bann, obwohl er den faschistischen Gruß und die Rede vom erwachten Nationalismus hört. Die Forschung sieht darin nicht nur eine Faschismusparabel, sondern eine weitere Variation der mannschen Künstlerfigur, die körperliche Verwachsenheit durch Willen ausgleicht. Der Zauberer war ein Spitzname Manns in der Familie; die Nähe von Kunst und Herrschaft ist das Unheimliche des Textes.

1940 schrieb Mann, die politisch-moralische Anspielung sei in Deutschland lange vor 1933 verstanden worden. Nach 1945 wurde die Geschichte als Hörspiel, Oper und Film aufgenommen; Klaus Maria Brandauers Verfilmung von 1994 weicht am Schluss vom Buch ab. Neben Doktor Faustus und dem Zauberberg gehört die Novelle zu den Texten, in denen Mann die deutsche und europäische Bereitschaft zur Gefolgschaft nicht als Lehre, sondern als Szene vorführt. Wer nach 1930 über Hypnose, Masse und den Reiz des Diktators spricht, spricht hinter diesem Abend in Torre di Venere.

Ideen

Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.

Faschismus (wichtig)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

Novelle entdecken