Medea: Stimmen
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Medea: Stimmen |
| Autor(en): | Christa Wolf |
| Originaltitel: | Medea. Stimmen |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1996 |
| Schlagwörter: | Kolchis, Korinth, Stimmen, Sündenbock |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp
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| Umfang dieser Ausgabe: | 223 Seiten |
| ISBN: | 9783518460085 |
| Verweise | |
Medea: Stimmen ist der Roman von Christa Wolf, 1996 bei Luchterhand erschienen, eine Umerzählung des Medea-Mythos in Monologen. Die Kolcherin tötet weder den Bruder noch die Söhne; sie wird zur Mörderin erklärt, weil Korinth einen Sündenbock braucht. Wolf, die in Kassandra schon eine mythische Frau aus der Siegerrede geholt hatte, fragt, in wessen Interesse die Heilerin zur Kindsmörderin wurde. Sechs Stimmen tragen die Geschichte, keine Instanz darüber. Das Buch ist Schlüsselroman und Mythoskritik zugleich: Kolchis als erstarrtes Land, Korinth als goldgierige Stadt. Es bleibt Wolfs späte Arbeit am europäischen Grundtext.
Inhalt
Jason holt in Kolchis das Goldene Vlies, befremdet von Sitten und Armut. Medea, Tochter des Königs Aietes, hilft ihm gegen den Vater, weil Aietes den Sohn Absyrtos hat töten lassen, um die Herrschaft zu sichern; Medea sammelt die zerstückelte Leiche und wirft Teile ins Meer, vor den Augen der Verfolger. Das Vlies bringt Jason nicht auf den Thron von Jolkos; Kreon von Korinth nimmt die Flüchtlinge auf. Medea, hochschwanger, heilt und gilt, bis Stolz und Fremdheit sie isolieren. Jason bleibt am Hof, wird Korinther, verteidigt sie nicht. Bei einem Fest folgt Medea der Königin Merope in einen Gang und ertastet das Kinderskelett der Iphinoe, der älteren Königstochter. Glauke, die jüngere, epileptische Tochter, erinnert sich mit Medeas Hilfe: Iphinoe wurde in der Nacht abgeführt. Auch in Korinth hat ein altes Wahlrecht den Herrscher bedroht; Kreon ließ die Tochter töten und erzählte von Entführung.
Agameda, einst Schülerin, hasst Medea, weil Liebe und Bevorzugung ausblieben. Mit dem Festordner Presbon und dem ersten Astronomen Akamas streut sie das Gerücht, Medea habe den Bruder ermordet. Pest nach einem Erdbeben macht die Fremde zur Hexe. Leukon, zweiter Astronom und Freund, warnt sie zu gehen; sie bleibt. Beim Artemisfest versöhnt sie niemanden. Kolcherinnen bestrafen den Gehilfen Turon, der ihren Hain schändet; Medea wird als Anführerin angeklagt und verbannt, die Söhne sollen bei Jason bleiben, der Glauke heiraten will. Glauke, dem Medea ein weißes Kleid schenkt, stürzt sich in den Palastbrunnen. Akamas gibt den Tod als Giftmord Medeas aus.
In der Verbannung leben Medea und die Amme Lyssa. Jahre später berichtet Lyssas Tochter: Die Korinther haben die Söhne gesteinigt und erzählen, die Mutter habe sie umgebracht. Alle sieben Jahre sollen Kinder das Gedächtnis der Toten begehen, damit die Lüge Kult wird. Wolfs Medea bleibt Heilerin, Priesterin, Liebende, nicht die Rächerin des Euripides. Die Stimmen – Medea, Jason, Glauke, Agameda, Akamas, Leukon – widersprechen einander, ohne dass eine den Prozess gewinnt. Der Mythos entsteht im Buch als Politik: Wer die Leiche in der Mauer kennt, muss die Fremde opfern.
Einordnung
Wolf hat Versionen vor Euripides benutzt, die weder Bruder- noch Kindesmord kannten, und den Mythos als Umdeutung matriarchaler Stoffe gelesen. Die Aufnahme schwankte: Bewunderung für die Korrektur, Vorwurf der Selbstschonung, weil Medea Züge der Autorin nach der Wende trage. Kolchis und Korinth als DDR und Bundesrepublik sind lesbar und zu grob, wenn man sie als Gleichung nimmt; genauer ist das Thema Flucht, Fremdenhass, Sündenbock. Glauke, hin- und hergerissen zwischen Zuneigung und Hof, ist die beweglichste Stimme.
Nach Kassandra ist Medea die härtere Arbeit: nicht Troja, sondern die Stadt, die überlebt, indem sie erzählt. Wer nach 1996 über Mythos und Macht auf Deutsch sprach, hatte diese Stimmen im Ohr. Suhrkamp hält die durchgesehene Taschenbuchausgabe, 223 Seiten, ein schmales Buch, das ein Jahrtausend Urteil umdreht. Es ersetzt Euripides nicht und soll es nicht; es zeigt, wie aus einer Unliebsamen eine Mörderin wird, wenn der Palast eine Leiche in der Wand hat.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
