Nicht mehr normal
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Nicht mehr normal |
| Autor(en): | Stephan Lessenich
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2022 |
| Schlagwörter: | Normalität, Krise, Gesellschaft, Illusion |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Soziologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Hanser
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| Umfang dieser Ausgabe: | 160 Seiten |
| ISBN: | 9783446273832 |
| Verweise | |
Nicht mehr normal. Gesellschaft am Rande des Nervenzusammenbruchs ist das 2022 bei Hanser Berlin erschienene soziologisch-zeitdiagnostische Buch von Stephan Lessenich. Es untersucht, wie eine nach-normale Gesellschaft sich dazu verhält, dass das, was ihr lange normal schien, bei genauerem Hinsehen nicht mehr normal war – und dass die Rückkehr zum Alten nicht nur unwahrscheinlich, sondern unsinnig wäre. Lessenich analysiert Bemühungen um Bewahrung oder Wiederherstellung von Normalität als unvernünftig. Ulrike Winkelmann schrieb in der taz, wer bei ihm Lösungen, Auswege oder Politikvorschläge suche, werde enttäuscht; darin stehe er in der Überlieferung der Kritischen Theorie.
Inhalt
Lessenich schreibt gegen den Willen zur Normalität, der Krisen so behandelt, als könne man zum Gewohnten zurückkehren. Im ersten Kapitel unterscheidet er Norm und Normalität am Beispiel des Normarbeitsverhältnisses: tarifgebundene, unbefristete, sozialversicherte Vollzeitarbeit ist als Norm geblieben, während die Normalität prekärer Beschäftigung längst eine andere ist. Norm und Normalität sind soziale Konstruktionen. Die Schließungen der Corona-Zeit haben die plötzliche Abwesenheit eines Normalzustands des In-Gesellschaft-Seins bewusst gemacht und gezeigt, wie wenig selbstverständlich das alltägliche Sich-ins-Getümmel-Werfen sei. Die Fragestellung der Einleitung lautet, was eine Gesellschaft tut, die merkt, dass ihr Normal nicht mehr trägt.
Die Behauptung entfaltet sich an Schauplätzen, auf denen das für selbstverständlich Gehaltene bricht: der Weltfinanzkrise von 2007 und 2008, der Fluchtbewegung nach Europa 2015 und 2016, der Energie- und Klimakrise, der Identitätspolitik; der Krieg in der Ukraine wird mehrfach berührt, obwohl, so Winkelmann, die These schon zuvor durchformuliert war. Auf die Finanzkrise folgte nicht die Abkehr von der finanzkapitalistischen Logik, sondern kosmetische Stabilisierung. Ähnlich die Klimakrise: Verfahren zum Zwei-Grad-Ziel, damit gewohnte Lebensweisen bleiben können; das energieintensive Produktionsregime spätindustrieller Gesellschaften steht nicht zur Verfügung. Bei Flucht und Identitätspolitik werde eine brüchige gesellschaftliche Einheit beschworen, deren Wiederherstellung die Mehrheiten für unaufgebbar halten. Unvorstellbar sei eine Wiederholung der Wanderungen; unvorstellbar auch das Ende diskurspolitischer Vormacht.
Unsicher wird das Buch, wo die Diagnose der Irrationalität des Ganzen keine Institution nennt, die anders könnte. Günther Nonnenmacher wandte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein, Krisenhaftigkeit sei in Umbrüchen normal, der Begriff Normalität bringe keinen Gewinn, die Verdammung der Verhältnisse sei undifferenziert, die Zukunftsvorstellungen inhaltsarm bis utopisch. Jens Balzer vermisste im Deutschlandfunk, wie es stattdessen weitergehen könne. Lessenich weiß, dass er keine Rezepte schreibt, und beharrt im Schlusskapitel darauf, gemeinsam einen praktischen Sinn für den Irrsinn der herrschenden Verhältnisse zu entwickeln, ob in Finanz-, Klima- oder Zuwanderungspolitik, im Zusammenhalt oder in den Geschlechterverhältnissen. Die Macht der Illusion sei zu brechen: der Illusion, mit den alten Rezepten auch nur ansatzweise durchzukommen.
Einordnung
Als Zeitdiagnose nach Pandemie, Klima und Finanzkrise steht der Band in der Linie Kritischer Theorie, die Gesellschaft als falsche Gänze liest, ohne ein Parteiprogramm zu liefern. Nachbarschaft hat er zu Hartmut Rosas Beschleunigung und Entfremdung, das die spätmoderne Zeitlichkeit anders, als rasende Stillstellung, fasst, und zu Streitbüchern über Zusammenhalt und Identität, etwa Die Selbstgerechten, die denselben Konflikt von der anderen Seite her führen. Nonnenmachers Einwand, Umbrüche seien immer krisenhaft, trifft den Anspruch, gerade diese Normalität sei nicht mehr zu haben.
Geblieben ist die Aufforderung, das Unvorstellbare zu denken, statt das Alte zu lackieren. Wer nach 2022 über Normalität, fossile Mentalitäten und den Willen zur Einheit spricht, spricht hinter diesem schmalen Buch oder gegen es. Die Hanser-Ausgabe hat den Ton des Essays, nicht des Lehrbuchs; die Lösungen, die sie verweigert, sind Teil der These.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
