Oceana

James Harrington · 1656 · Sachbuch, Politik


Das Werk
Deutscher Titel: Oceana
Autor(en): James Harrington
Originaltitel: The Commonwealth of Oceana
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1656
Schlagwörter: Republik, Eigentum, Rotation, Utopie
Sachgebiete: Sachbuch, Politik
Greifbare Ausgabe
Verlag: Aufbau-Verlag
Erscheinungsort: The Commonwealth of Oceana
Umfang dieser Ausgabe: 320 Seiten
ISBN: 9783379007009
Verweise


Oceana (englisch The Commonwealth of Oceana) ist der 1656 erschienene Verfassungsentwurf von James Harrington, geschrieben im Interregnum nach der Hinrichtung Karls I. und dem Lordprotektorat Oliver Cromwells. Das Buch gibt England den Namen einer Inselrepublik und Cromwell den eines Gesetzgebers, Olphaeus Megalator, der eine Ordnung stiftet, die ohne König und ohne dauernde Alleinherrschaft auskommen soll. Harrington will keine unerreichbare Insel der Seligen. Er will eine machbare Republik, deren Freiheit auf der Verteilung des Bodens ruht.

Inhalt

Die erste Behauptung des Buchs lautet, dass politische Macht dem Eigentum folgt, vor allem dem Land. Wo wenige den Boden halten, entsteht Monarchie oder Oligarchie; wo er breit gestreut ist, kann eine Republik stehen. Deshalb entwirft Harrington ein Agrargesetz, das den Besitz nach oben begrenzt – in der Rechnung der Zeit auf einen Ertrag, der niemanden zum Übermächtigen macht – und die Vererbung so lenkt, dass sich keine latifundienartige Ballung zurückbildet. Das ist keine Enteignungspredigt und kein Gleichheitsroman. Es ist die technische Antwort auf den englischen Bürgerkrieg: Die Krone und der Adel hatten die alte Balance verloren; wer sie nicht neu setzt, bekommt entweder einen Souverän im Sinne Thomas Hobbes’ oder die Rückkehr der Stuarts. Gegen Leviathan, der Sicherheit aus ungeteilter Gewalt ableitet, setzt Harrington die Balance. Der Staat soll stark sein, aber niemand soll stark genug sein, ihn zu besitzen.

Die zweite Behauptung gilt der Zeit im Amt. Harrington traut keinem Magistrat, der bleibt. Ein Drittel des Senats scheidet jährlich aus und darf auf Jahre nicht wiedergewählt werden; die Bürgerversammlung beschließt, was der Senat vorschlägt; die Beamten führen aus, ohne selbst zu gesetzgeben. Das Vorbild ist Venedig, gelesen als Maschine gegen Korruption, nicht als Märchen. Die Wahl geschieht durch Stimmsteine, nicht durch Zuruf, damit Furcht und Gefälligkeit weniger Raum haben. Bürger sind die unabhängigen Grundbesitzer, die Waffen tragen können: Freiheit heißt hier, niemandes Knecht zu sein, nicht das allgemeine Stimmrecht späterer Jahrhunderte. Frauen, Lohnabhängige, die große Zahl ohne Land kommen in dieser Republik als Träger der Souveränität nicht vor. Harrington schreibt das ohne Scham seiner Epoche; die spätere demokratische Lesart muss es mitschleppen oder gegen den Text erkämpfen.

Das Manuskript wurde in der Druckerei beschlagnahmt und nach Whitehall gebracht. Harrington erreichte über Cromwells Tochter Elizabeth Claypole, dass das Buch erscheinen durfte, nun mit einer Zueignung an den Lordprotektor, die eher Falle als Schmeichelei ist: Der starke Mann soll eine Ordnung stiften, die ihn überflüssig macht. 1659 folgte eine gekürzte Fassung, The Art of Lawgiving; im Rota-Club versuchten Harrington und andere, Rotation und geheime Wahl praktisch zu erproben. Die Restauration machte dem ein Ende. Harrington kam 1661 ins Gefängnis, der Text blieb. Die Prosa ist barock, oft umständlich; John G. A. Pocock, der moderne Herausgeber, hat den Stil als Verirrung eines eiligen Kopfes beschrieben. Dennoch ist das Buch Institutionenskizze und Traum zugleich: dreißig Verordnungen, vom Staatsaufbau bis zu den Gehältern, als könnte man England neu zusammensetzen, wenn nur das Eigentum und die Ämter stimmen.

Einordnung

Oceana steht in der englischen Republikdebatte als die Alternative zu Hobbes’ Souverän und als Gegenstück zu Niccolò Machiavellis Fürsten: nicht der einzelne Machttechniker, sondern der Bürger mit Boden und Waffe. Pococks The Machiavellian Moment hat Harrington in den atlantischen Bogen geholt, von Florenz über das puritanische England in die amerikanische Gründung; Quentin Skinners Foundations schneiden dieselbe Frühneuzeit als Sprachen der Staatlichkeit, nicht als Utopie. John Adams und andere Gründer haben das Buch gelesen, oft gegen den Strich der späteren Parteiengeschichte. Die Kritik nennt die Besitzrepublik undemokratisch, die Agrargrenze mechanisch, den Stil verworren. Geblieben ist der Satz, dass eine freie Verfassung verfällt, wenn das Eigentum sich in wenige Hände zieht – eine Warnung, die Harrington für England schrieb und die Republiken seither an sich selbst richten.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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