Philosophie der symbolischen Formen

Ernst Cassirer · 1923 · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Philosophie der symbolischen Formen
Autor(en): Ernst Cassirer


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1923
Schlagwörter: Symbol, Mythos, Sprache, Erkenntnis
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Meiner


Umfang dieser Ausgabe: 329 Seiten
ISBN: 9783787314119
Verweise


Die Philosophie der symbolischen Formen ist das 1923 bis 1929 in drei Bänden bei Bruno Cassirer in Berlin erschienene Hauptwerk von Ernst Cassirer. Der erste Band, Die Sprache, kam 1923 heraus, der zweite, Das mythische Denken, 1925, der dritte, Phänomenologie der Erkenntnis, 1929. Die Angaben der Infobox beziehen sich auf den ersten Band der Hamburger Meiner-Ausgabe. Der Titel bezeichnet zugleich Cassirers kulturphilosophischen Ansatz insgesamt: Wir erfahren die Welt nicht unmittelbar, sondern stets vermittelt durch Systeme der Zeichen- und Bedeutungsbildung – Sprache, Mythos, Religion, Kunst, Wissenschaft. Diese symbolischen Formen sind als Grundformen der Weltauffassung untereinander in spezifischer Weise gleichwertig und nicht aufeinander rückführbar.

Inhalt

Cassirer schreibt gegen den erkenntnistheoretischen Monismus, der eine Form – meist die wissenschaftliche – zum Maß der anderen macht. Die Gleichwertigkeit meint nicht, Blitz und Donner seien ebenso wahr durch den Donnergott wie durch die Elektrodynamik. Sie meint, dass sich die Stellung eines Kunstwerks, die Rolle der Sprache, das mythische Denken nicht durch Physik erklären oder ineinander übersetzen lassen. Jede Form hat eigene Binnenstrukturen, eigene Prägnanz, zurückführbar auf unterschiedliche Modi der Wahrnehmung. Der erste Band legt die Grundlagen der Analyse geistiger Funktionen und untersucht die Sprache: von der Gebärde über Laut und Wort bis zu den Systemen, in denen Welt gegliedert wird. Sprache ist nicht Kleid des Gedankens, sondern eine Weise, Wirklichkeit zu erzeugen.

Dem Mythos kommt eine besondere Stellung zu. Cassirer fasst ihn als Urform des menschlichen Denkens. Im Mythos wird aus der Ausdruckswahrnehmung eine erste Gliederung der Welt vorgenommen, es werden Strukturen geschaffen, noch keine abstrakten, Prägnanz ausgebildet und die mannigfaltigen Eindrücke symbolisch dargestellt. Aus dem mythischen Denken gehen die anderen Formen in einem Prozess dialektischer Entwicklung hervor: Kunst, Geschichte, Wissenschaft. Cassirer vertritt jedoch kein einlinig aufsteigendes Schema vom Mythos über die Religion zur gesicherten Erkenntnis, wie er es Georg Wilhelm Friedrich Hegel zuschreibt. Der Mythos wird nicht einfach abgelöst; er bleibt als Form bestehen, auch wo die Wissenschaft herrscht. Der dritte Band gilt der modernen wissenschaftlichen Erkenntnis als einer symbolischen Form unter anderen, nicht als dem Ende der Reihe.

Die Untersuchung mischt systematische und historische Durchgänge: Platon, Descartes, Leibniz; Bacon, Hobbes, Locke, Berkeley; die französische Aufklärung; Vico, Hamann, Herder; Wilhelm von Humboldt; die naturwissenschaftliche Sprachansicht des neunzehnten Jahrhunderts. Cassirer, aus der Marburger Schule des Neukantianismus kommend, weitet Kants Kritik der Erkenntnis zur Kritik der Kultur. Wo die Kritik der reinen Vernunft die Bedingungen der naturwissenschaftlichen Erfahrung suchte, sucht Cassirer die Bedingungen der Welterzeugung in allen symbolischen Weisen. Unsicher bleibt das Werk an zwei Stellen. Die Dialektik des mythischen Bewusstseins soll in den anderen Formen münden, ohne sie zu bevormunden. Und die behauptete Gleichwertigkeit soll mit dem Vorrang der wissenschaftlichen Wahrheit zusammenbestehen, den Cassirer nicht aufgibt.

Einordnung

Neben Martin Heideggers Sein und Zeit, im selben Jahrzehnt, steht Cassirers Kulturphilosophie als der andere Weg aus dem Neukantianismus: nicht Destruktion der Metaphysik am Dasein, sondern Erweiterung der Vernunft auf Mythos, Sprache und Kunst. Die Davoser Disputation von 1929 hat den Gegensatz öffentlich gemacht. Die philosophische Anthropologie, die Semiotik und die Kulturwissenschaft haben die symbolischen Formen übernommen, oft ohne Cassirers Kantischen Rahmen. Nach der Emigration und dem späteren englischen Band über den Menschen wirkte das Hauptwerk im englischen Sprachraum als Humanismus der Zeichen, im deutschen nach 1945 lange im Schatten Heideggers und der kritischen Theorie.

Wer Cassirer als bloßen Wissenschaftstheoretiker liest, verfehlt den Mythos als Urform. Wer ihn als Relativisten aller Weltbilder liest, verfehlt die Weigerung, Donnergott und Elektrodynamik wahrheitstheoretisch gleichzusetzen. Die drei Bände bleiben das Gründungswerk einer Philosophie, die Kultur nicht als Zusatz zur Erkenntnis nimmt, sondern als deren Medium. Sie hinterlassen die Frage, ob Gleichwertigkeit der Formen mit einem Vorrang der Wahrheit zu haben ist, ohne die Wissenschaft wieder zum Tribunal zu machen.

Ideen

Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.

Erkenntnis (wichtig)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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