Poetik
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Poetik |
| Autor(en): | Aristoteles |
| Originaltitel: | Περὶ ποιητικῆς |
| Originalsprache: | griechisch |
| Erstveröffentlichung: | |
| Schlagwörter: | Nachahmung, Tragödie, Handlung, Reinigung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Literaturwissenschaft |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Reclam
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| Umfang dieser Ausgabe: | 182 Seiten |
| ISBN: | 9783150078280 |
| Verweise | |
Die Poetik ist die um 335 vor Christus als Vorlesungsgrundlage verfasste Schrift von Aristoteles über die Dichtkunst. Der griechische Titel meint die hervorbringende Kunst. Aristoteles behandelt Nachahmung, Tragödie und Epos; das angekündigte Buch über die Komödie fehlt. Die Schrift gehört zu den poietischen Wissenschaften, neben Rhetorik und der Politik, weil Dichtung in der Polis eine öffentliche Sache war. Sie ist Beschreibung und Vorschrift in einem, kein Lesebuch der Mythen.
Inhalt
Aristoteles schreibt gegen das gängige Merkmal des Versmaßes und gegen eine Nachahmung, die nur Abbild eines Urbilds wäre. Alle Dichtung ist Mimesis: Darstellung handelnder Menschen, die zum Besseren oder Schlechteren abweichen kann. Deshalb fallen Platons Dialoge in die Dichtung, das Lehrgedicht im Vers nicht. Nachahmen ist dem Menschen angeboren, und die Wahrnehmung der Nachahmung bereitet Freude, weil sie Erkennen ist. Die Gattungen scheidet er nach Mitteln, Gegenständen und Weise: Bericht oder unmittelbares Tun. Die Tragödie definiert er als Nachahmung einer in sich geschlossenen, sittlich gehaltvollen Handlung von bestimmter Größe, in geformter Sprache, vorgeführt von Handelnden, die Jammer und Schaudern erregt und dadurch eine Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt. Eleos und phobos hat Gotthold Ephraim Lessing mit Mitleid und Furcht übersetzt; Manfred Fuhrmann setzt Jammer und Schaudern dagegen.
Seele der Tragödie ist nicht der Charakter, sondern der Mythos im Sinne der Handlung. Die Personen handeln nicht, um Charaktere vorzuführen; Charaktere werden um der Handlungen willen einbezogen. Ganzheit und Einheit verlangen, dass kein Glied fehlen darf und jedes notwendig an seinem Ort steht. Aufgabe des Dichters ist nicht, mitzuteilen, was geschehen ist, sondern was geschehen könnte nach Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit. Deshalb sei Dichtung philosophischer und ernsthafter als Geschichtsschreibung: Sie teilt das Allgemeine mit, die Historie das Besondere. Die beste Tragödie zeigt, wie ein sittlich guter Charakter durch einen Irrtum – die Hamartia, meist aus Unkenntnis – vom Glück ins Unglück fällt. Schauderhaft wäre der Sturz des Makellosen, untragisch das Glück des Schurken. Umschlag und Wiedererkennen, am stärksten wenn die Tat aus Unwissenheit droht und Einsicht vor der Ausführung kommt, tragen die Wirkung. Das Epos teilt den Gegenstand sittlich guter Figuren; die Tragödie gilt Aristoteles im Vergleich als überlegen.
Der überlieferte Text bricht vor der Komödie ab; Verweise in der Rhetorik und in der Poetik selbst sichern, dass ein zweites Buch geplant oder verloren war. Umberto Eco hat diesen Verlust zum Motor des Romans Der Name der Rose gemacht. Der Ton ist schulmäßig, knapp, ohne den Dialog Platons. Unsicher bleibt der Widerspruch zwischen Kapitel dreizehn und vierzehn: hier der Umschlag ins Unglück als Bestes, dort die Tat, die durch Einsicht noch verhindert wird. Die Poetik ist Strukturlehre, keine Stilistik und kein Regelbuch für den modernen Roman; sie setzt Polis und Bühne voraus. Die sechs qualitativen Teile – Handlung, Charaktere, Gedanke, Sprache, Melodik, Inszenierung – sind Rangordnung, keine bloße Liste.
Einordnung
Keine antike Schrift hat die europäische Dramentheorie so lange gehalten. Die Renaissance las die Poetik als Gesetzbuch der drei Einheiten, obwohl Aristoteles die Einheit der Handlung meint und Ort und Zeit nicht zur starren Regel macht. Lessings Hamburgische Dramaturgie hat eleos und phobos moralisch gewendet; die neuere Philologie hat dagegen die leibliche Erschütterung stark gemacht. Nachbarschaft hat das Buch zur Politik, weil Theater zur Bürgerbildung gehört, und zu Platons Verdacht gegen die Dichter in Der Staat, den Aristoteles umkehrt: Nachahmung ist nicht Lüge, sondern Weg zum Allgemeinen. Die verlorene Komödientheorie nährt bis heute die Phantasie, Aristoteles habe das Lachen ebenso streng gedacht wie den Jammer.
Das Missverständnis liegt darin, Katharsis als hygienische Entladung oder als bloße Moralpredigt zu nehmen. Aristoteles bindet die Reinigung an den Bau der Handlung, nicht an Spektakel. Geblieben ist der Vorrang der Fabel vor der Figur und der Satz, der Dichter sage, was geschehen könnte. Wer nach 335 vor Christus über Tragödie spricht, spricht hinter dieser Vorlesung oder gegen sie.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
