Proslogion

Anselm von Canterbury · 1077 · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Proslogion
Autor(en): Anselm von Canterbury
Originaltitel: Proslogion
Originalsprache: lateinisch
Erstveröffentlichung: 1077
Schlagwörter: Gottesbeweis, Glaube, Vernunft, Sein
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam
Serie: Reclams Universal-Bibliothek
Umfang dieser Ausgabe: 168 Seiten
ISBN: 9783150079676
Verweise


Das Proslogion ist die um 1077 oder 1078 im Kloster Bec entstandene Gebetsschrift von Anselm von Canterbury, in der ein einziges Argument Gottes Dasein und Wesen tragen soll. Der Titel meint Anrede: Anselm spricht zu Gott und sucht den einen Satz, den der Verstand nicht abweisen kann. Das frühere Monologion hatte denselben Anspruch auf einer Stufenleiter von Gütern und Ursachen ausgebreitet; hier soll ein Gedanke reichen. Die Schrift gilt als Ursprung des ontologischen Gottesbeweises, auch wo spätere Leser den Namen und die Tragweite bestritten haben. Die Infobox folgt der zweisprachigen Reclam-Ausgabe.

Inhalt

Anselm glaubt, um einzusehen, und will einsehen, was er glaubt. Der Tor sagt in seinem Herzen, es sei kein Gott; aber auch der Tor versteht, was gesagt wird, wenn man Gott bestimmt als das, worüber hinaus Größeres nicht gedacht werden kann. Was so verstanden wird, ist im Verstand. Wäre es nur im Verstand und nicht in der Sache, so ließe sich Größeres denken: nämlich dasselbe, wirklich. Also kann das, worüber hinaus Größeres nicht gedacht werden kann, nicht bloß im Verstand sein. Gott existiert wahrhaft. Der Schluss ist kurz und soll notwendig sein; er stützt sich nicht auf die Schrift und nicht auf die Erfahrung der Welt, sondern auf den Sinn des Wortes Gott. Anselm fügt hinzu: Gott existiert so wahrhaft, dass er nicht einmal als nichtseiend gedacht werden kann – im Unterschied zu Inseln und Schätzen, die man sich ausmalen und die fehlen können.

Der Mönch Gaunilo von Marmoutier hat im Namen des Toren widersprochen: Aus dem Gedachtsein einer vollkommenen Insel folge nicht, dass sie da sei. Anselm antwortet, der Einwand treffe nur Dinge, die einen Anfang haben und zusammengesetzt sind. Gott ist nicht ein Höchstes unter Seiendem, das man sich vorstellen kann wie Land im Meer; er ist das, dessen Nichtsein sich widerspricht, sobald man verstanden hat, was das Wort sagt. Das Proslogion bleibt dabei Gebet. Die Kapitel nach dem Beweis preisen Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Einfachheit, Unräumlichkeit: Eigenschaften, die sich aus dem Höchstsein ergeben sollen, ohne dass Anselm sie aus der Bibel abliest. Glauben und Denken sind nicht zwei Wege, die sich am Ende treffen; das Denken ist das Nachgehen eines Glaubens, der schon angesprochen hat.

Die Härte des Textes liegt in der Kühnheit und in der Kürze. Wer den Beweis als Trick mit einer Definition abtut, muss sagen, wo der Tor das Wort Gott nicht verstanden hat. Wer ihn als fromme Tautologie nimmt, unterschlägt, dass Anselm den Unglauben ernst nimmt und ihm auf seinem Boden antworten will. Die Prosa wechselt zwischen Anrede und Schluss; das ist keine Zier. Gott ist hier nicht der Gegenstand einer Abhandlung, sondern der, vor dem das Argument gesprochen wird. Spätere haben das Stück aus dem Gebet gelöst und zur Schulform gemacht. Im Proslogion hängt der Schluss noch am Du.

Einordnung

Das Proslogion spitzt das Monologion auf einen Satz zu und hat es überschattet. Thomas von Aquin lässt in der Summa theologica den Übergang vom Gedachtsein zum Dasein nicht gelten und setzt die fünf Wege bei der Erfahrung an; René Descartes nimmt in den Meditationen einen verwandten Schluss wieder auf, nun aus der Idee des vollkommenen Wesens im denkenden Ich. Immanuel Kant erklärt in der Kritik der reinen Vernunft Dasein für kein echtes Prädikat und trifft damit Anselms Nerv. Baruch de Spinoza macht in der Ethik aus dem notwendig existierenden Wesen die eine Substanz. Wer nur den ontologischen Beweis sagt, verfehlt das Gebet; wer nur das Gebet sagt, verfehlt, dass hier die Dialektik zur Gotteslehre wird.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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