Publikumsbeschimpfung

Peter Handke · 1966 · Drama


Das Werk
Deutscher Titel: Publikumsbeschimpfung
Autor(en): Peter Handke
Originaltitel: Publikumsbeschimpfung
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1966
Schlagwörter: Sprechstück, Publikum, Anrede, Theater
Sachgebiete: Drama
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: edition suhrkamp
Umfang dieser Ausgabe: 112 Seiten
ISBN: 9783518101773
Verweise


Publikumsbeschimpfung ist ein Sprechstück von Peter Handke, 1966 am Theater am Turm in Frankfurt am Main unter Claus Peymann uraufgeführt. Vier Sprecher treten vor das Parkett, spielen keine Rollen und machen die Zuschauer zum einzigen Gegenstand des Abends.

Inhalt

Es gibt keine Figur, keine Geschichte, kein Bühnenbild, das eine andere Welt vortäuscht. Vier Sprecher, oft in Alltagskleidung, reden das Publikum an: Sie sagen, dass es sitzt, dass es gekommen ist, dass es erwartet, unterhalten, ergriffen oder belehrt zu werden. Sie nennen die Konventionen beim Namen – den Vorhang, die Pause, die vierte Wand, das Beifallklatschen – und nehmen sie zurück, indem sie sie aussprechen. Handke nennt das ein Sprechstück: nicht weil nichts geschieht, sondern weil das Geschehen die Sprache selbst ist, gerichtet an die, die zugehört haben wollen, ohne genannt zu werden.

Die Anrede wechselt Haltungen, wie ein Satz die Stimme wechselt: Belehrung, Beichte, Ausrede, Frage, Rechtfertigung, Weissagung. Die Sprecher beschreiben, was die Zuschauer in diesem Augenblick tun, und nehmen ihnen die Sicherheit, unsichtbar zu bleiben. Sie versprechen kein Stück und halten das Versprechen, keines zu liefern. Wer auf eine Fabel wartet, wartet falsch; wer sich ertappt fühlt, ist gemeint. Die Rhythmen, die Handke in der Vorrede an die Beatmusik bindet, sitzen in der Wiederholung der Sätze, nicht in einer Musik, die das Parkett entlastet.

Gegen Ende kommt die Beschimpfung, nach der das Stück heißt. Sie ist grob, witzig, übertrieben und trifft den Zuschauer als Körper: als Schwitzer, als Gaffer, als jemand, der bezahlt hat, um ungeschoren davonzukommen. Zugleich ist sie eine Huldigung: Nur wer da ist, kann beschimpft werden. Der Beifall, der folgt, gehört zum Text, weil das Publikum jetzt weiß, dass es klatscht. Die Uraufführung wurde zum Skandal und zum Lehrstück über die Bühne nach Brecht: nicht Verfremdung einer Fabel, sondern Abschaffung der Fabel für einen Abend.

Einordnung

Handke hat 1966 das Theater umgedreht, bevor er ihm später die Langsamkeit wiedergab. Gegen Warten auf Godot, wo zwei Männer auf der Bühne warten und das Parkett mitwartet, wartet hier niemand: Die Sprecher sind schon bei den Zuschauern. Das Sprechstück steht am Anfang einer Reihe, die das Illusionstheater nicht reformiert, sondern für eine Nacht kündigt. Handke hatte der Gruppe 47 kurz zuvor vorgeworfen, ihre Beschreibungen seien ohnmächtig; die Beschimpfung holte denselben Streit ins Parkett. Wer nach 1966 ein Publikum anredet, ohne es hinter der Rampe zu schonen, spricht hinter diesem Stück.

Ideen

Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.

Theater (wichtig)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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