Rennschwein Rudi Rüssel

Uwe Timm · 1989 · Kinderbuch


Das Werk
Deutscher Titel: Rennschwein Rudi Rüssel
Autor(en): Uwe Timm
Originaltitel: Rennschwein Rudi Rüssel
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1989
Schlagwörter: Schwein, Familie, Umzug, Rennen
Sachgebiete: Kinderbuch
Greifbare Ausgabe
Verlag: dtv


Umfang dieser Ausgabe: 168 Seiten
ISBN: 9783423702850
Verweise


Rennschwein Rudi Rüssel ist das 1989 bei Nagel & Kimche erschienene Kinderbuch von Uwe Timm, erzählt von einem Jungen, dessen Familie ein Ferkel gewinnt und dann nicht mehr loswird. Der Satz am Anfang – man habe zu Hause ein Schwein, und damit sei nicht die kleine Schwester gemeint – setzt den Ton: trocken, städtisch, ohne Kuscheltierstimme. Timm, der als Autor der Erwachsenenliteratur bekannt war, hat hier den Alltag einer fünfköpfigen Familie in die Nähe des Absurden gerückt, ohne die Kinder zu belügen: Der Vater ist arbeitsloser Ägyptologe, der Vermieter hasst Tiere, und ein Schwein wird größer. 1990 erhielt der Band den Deutschen Jugendliteraturpreis; 1995 verfilmte Peter Timm ihn, später folgten eine Fortsetzung und eine Fernsehserie. Das Buch bleibt, weil es die Logik der Kinder ernst nimmt und die der Erwachsenen nicht schont.

Inhalt

Der namenlose Ich-Erzähler hat zwei Schwestern, die ein Jahr jüngere Betti und die kleine Zuppi. Auf einem Dorffest in der Lüneburger Heide gewinnt Zuppi bei der Tombola den Hauptpreis, ein Ferkel, das die Kinder Rudi Rüssel taufen. Der Vater will das Tier nach drei Tagen wieder abgeben; die Kinder beschreiben Rudi nachts mit Hieroglyphen, damit der Ägyptologe einen wissenschaftlichen Grund findet, ihn zu behalten. Die Mutter macht das Schwein stubenrein, es bekommt ein Torfmullklo, und in einer Nacht, als die Kinder allein sind, beißt Rudi einen Einbrecher. Der Vermieter Buselmeier entdeckt das Tier beim Richtfest des neuen Stalls, droht mit Kündigung und zwingt die Familie, Rudi aufs Land zu bringen. Beim alten Bauern Voß scheint die Lösung gefunden: Stallmiete, Sonntagsbesuche, bis die Familie aus dem Italienurlaub zurückkehrt und den Hof ausgestorben vorfindet.

Voß ist gestorben, der Sohn hat die Schweine an Mastbetriebe verkauft. Die Familie sucht die Ställe der Umgebung ab und findet Rudi, dickgefüttert, am Tag vor dem Schlachten. Der Vater hat nicht genug Geld dabei, fährt nach Hause und kommt gerade noch rechtzeitig, um das Tier freizukaufen. Rudi ist träge geworden; Buselmeier sieht ihn trotz Tarnung und kündigt fristlos. Niemand will eine Familie mit Schwein aufnehmen. Schließlich finden sie eine Wohnung am Rand eines Fußballplatzes unter der Bedingung, dass der Vater Platzwart wird und Rudi eine »künstlerische Tätigkeit« ausübt. Das Zirkusschwein und das Maskottchen scheitern; dann stellt sich heraus, dass Rudi rennen kann. Er gewinnt Schweinerennen und lernt das Sauenmädchen Gullinborsti kennen, das dem Bauernsohn Moritz gehört.

Nach einigen Siegen wird Rudi krank. Der Tierarzt erkennt Sehnsucht; Rudi kommt auf den Hinrichsen-Hof zu Gullinborsti, und nach Monaten gibt es Ferkel. Der Erzähler, am Ende vierzehn, erzählt das nicht als Witz über ein Haustier, sondern als Geschichte einer Familie, die sich um ein Wesen herum neu ordnet, das nicht in die Stadt passt und sie trotzdem zusammenhält. Der Vater, der anfangs nur nörgelt, bezahlt Stallmieten und Lösegelder; die Mutter organisiert Hygiene und Umzüge; die Kinder erfinden Listen gegen die Erwachsenenwelt. Timm knüpft an sein früheres Jugendbuch Der Schatz auf Pagensand an: Der Ägyptologe ist jener Junge, älter geworden, der nun selbst ein Hausschwein hält. Der Schluss ist versöhnlich, ohne dass das Buch die Mastanstalten, die Kündigung und die Geldnot ungeschehen macht.

Einordnung

Timm hat ein städtisches Kinderbuch geschrieben, das vom Land nur die Notlösung kennt: Hof, Mastbetrieb, Rennbahn. Das Schwein ist kein Märchentier, sondern ein Körper, der wächst, stinkt, siegt und erkrankt; genau deshalb können Kinder es ernst nehmen. Gegenüber Emil und die Detektive, wo die Großstadt zum Bündnis der Vernunft wird, bleibt Timms Stadt unfreundlich: Vermieter, Geld und Vorschriften. Der Humor sitzt in der Genauigkeit – Hieroglyphen auf der Schweinehaut, das Torfmullklo, die Bedingung der künstlerischen Tätigkeit –, nicht in der Albernheit. Der Deutsche Jugendliteraturpreis hat das erkannt: Hier spricht jemand, der Kinder nicht mit einer zweiten, kleineren Wirklichkeit abspeist.

Die Verfilmung von 1995 mit Iris Berben und Ulrich Mühe hat der Familie einen Nachnamen gegeben und den Ton ins Lustspiel gezogen; die Fortsetzung und die ARD-Serie haben Rudi zum wiederkehrenden Figureninventar gemacht. Das Buch ist knapper und härter: Es enthält die Schlachtung als reale Drohung und die Arbeitslosigkeit als Grundton. Timm erzählt vom Kind aus und lässt den Erwachsenen den Preis zahlen, ohne die Kinder zu bestrafen. Wer nach Timm über Haustiere in der Stadt spricht, spricht hinter diesem Band; wer ihn für eine harmlose Ferkelgeschichte hält, hat den Maststall überschlagen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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