Rhetorik

Aristoteles · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Rhetorik
Autor(en): Aristoteles
Originaltitel: Τέχνη ῥητορική
Originalsprache: altgriechisch
Erstveröffentlichung:
Schlagwörter: Überzeugung, Rede, Enthymem, Pathos
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 269 Seiten
ISBN: 9783150191750
Verweise


Die Rhetorik des Aristoteles ist das antike Hauptwerk über die Kunst, durch Rede zu überzeugen. Sie behandelt die öffentliche Rede als argumentative Fertigkeit, nicht als Blendwerk. Drei Gattungen – Gerichtsrede, beratende Rede, Festrede – und drei Überzeugungsmittel – Charakter, Affekt, Argument – gliedern das Feld bis in die Gegenwart. Gegen die sophistischen Lehrbücher seiner Zeit hält Aristoteles das Enthymem, den rhetorischen Beweis, für den Leib der Überzeugung. Das Buch zählt, weil es der Rede den Rang einer Kunst gibt, ohne die Philosophie zu ersetzen.

Inhalt

Aristoteles schreibt gegen die sophistischen Lehrbücher seiner Zeit, die nach seiner Darstellung vor allem auf Emotionen des Richters zielten und vom Enthymem, dem Leib der Überzeugung, schwiegen. Rhetorik ist wie die Dialektik kein Fachwissen eines einzelnen Gebiets, sondern die Fähigkeit, das Überzeugende zu erkennen, das jeder Sache innewohnt. Sie überredet nicht, indem sie die Hörer überlistet; sie überzeugt, indem sie Wahrscheinliches und der Wahrheit Nahekommendes auffindet, ordnet und sprachlich fasst. Maßstab ist das Wahrscheinliche, das in den meisten Fällen zutrifft, und die allgemein verbreitete Meinung, nicht die demonstrative Wahrheit der Geometrie. Deshalb ist Rhetorik Lehre einer gesellschaftlichen Praxis, keine philosophische Methode im engeren Sinn.

Drei Gattungen gliedern das Feld. Die Gerichtsrede klagt an oder verteidigt und gilt der Vergangenheit vor Richtern: gerecht oder ungerecht. Die beratende Rede rät zu oder ab und gilt der Zukunft vor der Versammlung: nützlich oder schädlich. Die Festrede lobt oder tadelt in der Gegenwart: ehrenhaft oder unehrenhaft. Drei kunstgemäße Überzeugungsmittel gehören zur Rede selbst: der Charakter des Redners, die Emotionen der Hörer, das Argument. Das Argument hält Aristoteles für das wichtigste. Es tritt als Beispiel, eine Form der Induktion, oder als Enthymem auf, der rhetorische Beweis: eine Behauptung mit Begründung, deren Vordersätze anerkannte Meinungen sind, keine fehlende Prämisse eines Schulschlusses, wie spätere Missverständnisse wollten. Kunstfremd sind Zeugen, Eide, Folter, Schriftstücke. Buch zwei entfaltet die Emotionen sachbezogen – Zorn und Sanftmut, Furcht und Mitleid, Freundschaft und Hass –, nicht als bloße Stimmungsmache, und ordnet sie den Lebensaltern zu. Buch drei gilt dem Stil: deutliche, angemessene Wortwahl der mittleren Lage, Metapher, die etwas vor Augen führt, und eine Anordnung, die Sache und Beweis reicht, ohne lächerliche Vorschriften über jeden Redeteil.

Unsicher bleibt das Verhältnis zur Wahrheit. Aristoteles behauptet, das Wahrscheinliche zu treffen heiße meist, die Wahrheit zu treffen, und hält doch fest, der Redner kümmere sich nicht um die Wahrheit der Dinge, sondern um das Glaubwürdige. Die Spannung ist Absicht: Vor Gericht und in der Volksversammlung gibt es kein Wissen wie in der Mathematik. Die Topik, in einem eigenen Werk als Werkzeug der Dialektik ausgearbeitet, wird hier für den Redner geöffnet; der Verweis zeigt, dass Finden und Beweisen zwei Künste sind. Wer die Schrift als Handbuch der Manipulation liest, verfehlt die Kritik an der reinen Pathosrhetorik; wer sie nur als Ethik der Rede liest, verfehlt die technische Kälte, mit der Affekte und Schlüsse zerlegt werden.

Einordnung

Keine antike Schrift hat die europäische Redekunst so dauerhaft gegliedert. Cicero und Quintilian haben die drei Gattungen, die Überzeugungsmittel und die Stilreflexion übernommen und ins Lateinische übersetzt; die mittelalterlichen Übersetzungen trugen den Text in die Schulen. Platon hatte im Gorgias die Rhetorik als Schmeichelei verdächtigt; Aristoteles gibt ihr den Rang einer Kunst, die das Überzeugende jeder Sache aufsucht, ohne die Philosophie zu ersetzen. Die neuere Forschung, namentlich der Kommentar von Christof Rapp, hat das Enthymem vom Klischee des verkürzten Syllogismus befreit.

Das Missverständnis, hier werde nur gelehrt, wie man recht behält, ist so alt wie die Sophistik, gegen die das Buch antritt. Geblieben ist die Einsicht, dass öffentliche Rede Argument, Charakter und Affekt braucht und dass Affekt nicht dasselbe ist wie Überredung wider die Sache. Wer heute über politische Sprache, Gerichtsrede oder Festrede nachdenkt, benutzt oft noch die Fächer, die Aristoteles geschnitten hat – häufig ohne den Namen, selten ohne die Einteilung. Die Kunst, das Überzeugende jeder Sache aufzusuchen, ist damit nicht erledigt, nur allzu oft durch bloße Stimmung ersetzt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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