Roman eines Schicksallosen

Imre Kertész · 1975 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Roman eines Schicksallosen
Autor(en): Imre Kertész
Originaltitel: Sorstalanság
Originalsprache: ungarisch
Erstveröffentlichung: 1975
Schlagwörter: Lager, Junge, Anpassung, Sprache
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Rowohlt


Umfang dieser Ausgabe: 288 Seiten
ISBN: 9783499225523
Verweise


Roman eines Schicksallosen ist das Buch von Imre Kertész, 1975 in Budapest erschienen, lange ungehört, 2002 ein Grund des Nobelpreises. Der Junge Köves György erzählt Auschwitz und Buchenwald, als wäre die Vernichtung ein Praktikum, in das man sich schickt, weil man noch keine andere Sprache hat. Kertész hat die Zeugenschaft von der Moral auf den Ton umgestellt: Das Entsetzen sitzt in der Normalität des Satzes.

Inhalt

György, fünfzehn, jüdisch, aus Budapest, versteht die gelben Sterne, die Verschleppung des Vaters, die eigene Rast auf der Ziegelei als Folge von Regeln, die irgendwer aufgestellt hat. Er will sich anpassen, gut machen, nicht auffallen. Der Zug, die Rampe, die Selektion: Er erzählt sie in der Stimme dessen, der noch glaubt, es gebe eine richtige Haltung. Die Erwachsenen lügen oder wissen nicht; er merkt beides und hat keine Worte außer den praktischen.

Im Lager lernt er die Hierarchie, das Essen, den Wert einer extra Grütze, den Tod als Alltag. Buchenwald, die Krankenstation, die Befreiung: Nichts davon wird zur Erweckung. György denkt an Glück, wo andere Predigt erwarten – nicht weil er zynisch ist, weil ihm die Sprache der Würde noch nicht zur Verfügung steht, und weil Kertész genau diese Lücke zur Form macht. Die Heimkehr nach Budapest ist die zweite Fremde: Die Überlebenden sollen berichten, wie es war; er hat keine Geschichte, die man so hören will.

Der Schluss lässt ihn auf der Straße, zwischen denen, die weiterleben, und denen, die eine Lehre verlangen. Wer nur die Botschaft sucht, unterschlägt den Ton. Wer nur den Ton als Kunst sucht, unterschlägt Buchenwald. Der Titel Schicksalloser meint nicht, dass nichts geschah; er meint, dass dem Jungen das Schicksal als fertige Deutung verweigert bleibt.

Einordnung

Kertész hat den Lagerroman gegen die Tränenprosa und gegen die Heldenrede geschrieben. Jean Améry und Celan sind Nachbarn, nicht Vorlagen; Kertész hat deutsch gelesen und ungarisch geschrieben. Die Fortsetzungen Fiasko und Kaddisch für ein nicht geborenes Kind haben denselben Kern enger geführt. Rowohlt hat die deutsche Adresse gehalten.

Man hat das Buch zur Pflichtlektüre des Jahrhunderts gemacht. Es bleibt unbequem: Es verweigert die Würde als Fertigware. Wer nach Kertész über Auschwitz in der Ich-Form spricht, spricht hinter György. Wer ihn nur als Nobelpreis des Gedenkens führt, unterschlägt, dass der Roman das Gedenken als Sprache kritisierte, bevor es ihn kanonisierte.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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