Sentenzen des Sextus

Sextus Pythagoreus · 200 · Sachbuch, Theologie


Das Werk
Deutscher Titel: Sentenzen des Sextus
Autor(en): Sextus Pythagoreus
Herausgeber: Wilfried Eisele
Originaltitel: Σέξτου γνῶμαι
Originalsprache: griechisch
Erstveröffentlichung: 200
Schlagwörter: Askese, Spruch, Enthaltsamkeit, Weisheit
Sachgebiete: Sachbuch, Theologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Mohr Siebeck
Serie: SAPERE
Umfang dieser Ausgabe: 489 Seiten
ISBN: 9783161536571
Verweise


Die Sentenzen des Sextus sind eine Sammlung von 451 Sprüchen eines sonst nicht fassbaren christlichen Bearbeiters aus dem zweiten Jahrhundert. Sie übertragen hellenistische Weisheit der stoischen, kynischen, platonischen und pythagoreischen Tradition ins Christliche und verbinden Weltflucht, freiwillige Armut, sexuelle Enthaltsamkeit und Schweigen mit biblischen Motiven. Origenes bezeugt im dritten Jahrhundert ihre Beliebtheit; Rufinus von Aquileia übersetzte sie um 400 ins Lateinische. Die Zuschreibung an Bischof Sixtus II. von Rom, die Rufinus vornahm, ist inhaltlich unwahrscheinlich; der pythagoreische Philosoph Quintus Sextius aus dem ersten Jahrhundert vor Christus kommt als älterer Gewährsmann der Spruchschicht in Betracht. Die Infobox nennt die Tübinger Ausgabe der Reihe SAPERE von 2015. Entstanden ist die Sammlung möglicherweise in Alexandria.

Inhalt

Die Sprüche sind gegen ein Christentum geschrieben, das sich mit Besitz, Rede und Begehren einrichtet, ohne die ältere philosophische Strenge zu kennen. Der Weise zieht sich zurück, redet wenig, braucht wenig und hält den Leib in Zucht; das Heil liegt nicht in der Menge der Worte, sondern in der Übung. Hellenistische Gnomen, wie sie auch bei Porphyrios begegnen, werden so umgeschrieben, dass Gottesfurcht und Nächstenliebe die Stelle der bloß philosophischen Autarkie einnehmen. Askese ist hier kein Sonderweg von Mönchen, die es in dieser Form noch nicht gab, sondern die Lebensform des Glaubenden, der die Welt nicht hasst, aber auch nicht besitzt. Eine Sentenz, die die Selbstentmannung zu rechtfertigen schien, hat Origenes später auf sich bezogen; die Sammlung selbst zielt auf Enthaltsamkeit, nicht auf Verstümmelung.

Der zweite Blick gilt der Form. Sprüche verdichten, statt zu beweisen; sie setzen voraus, was sie nicht sagen, und leben von Umstellung, Kürzung und Vermehrung in den Handschriften. Überliefert sind griechische, syrische und koptische Zweige, darunter 127 Sprüche im Codex Nag Hammadi XII. Der lateinische Rufinus hat die Sammlung dem Westen zugänglich gemacht und sie einem römischen Märtyrerbischof untergeschoben, um ihr kirchliches Gewicht zu geben. Sextus ist deshalb weniger ein Autorname als ein Traditionsstempel: pythagoreische Strenge, ins Christliche gewendet. Ehe, Besitz und öffentliche Rede erscheinen als Ablenkung vom Einen, das not tut; zugleich bleibt die Sammlung in der Welt, als Hausbuch der Lebensführung, nicht als Klosterregel.

Unsicher ist die Grenze zwischen Übernahme und Taufe der älteren Sprüche. Was als christlich klingt, kann stoische Selbstbeherrschung sein; was pythagoreisch klingt, kann schon die Sprache der alexandrinischen Gemeinde sein. Die Forschung hat die Verwandtschaft zu den Kleitarchossprüchen und zu Evagrios Pontikos nachgezeichnet, der die Sentenzen ins Mönchtum weitergab. Der Ton ist knapp, oft hart, ohne erzählende Theologie und ohne Kirchenordnung. Gegenpositionen stecken in der Sammlung selbst, wo Milde und strenge Enthaltsamkeit nebeneinanderstehen. Die Sentenzen wollen nicht ein System, sondern eine Haltung: den Glaubenden als Weisen, der schweigt, gibt und sich enthält.

Einordnung

Im dritten Jahrhundert waren die Sprüche unter Christen verbreitet genug, dass Origenes sie als bekannt voraussetzen konnte. Sie gehören in die Geschichte der frühen christlichen Ethik neben den apostolischen Vätern und den philosophischen Hausbüchern, nicht in die Dogmatik der Konzilien. Henry Chadwick hat sie als Beitrag zur Ethik der Alten Kirche gelesen; die Tübinger Ausgabe hat die syrische Überlieferung und das Nachleben bei Evagrios sichtbar gemacht. Das Missverständnis, hier spreche der römische Bischof Sixtus, hat der Sammlung Autorität verschafft und die Herkunft verdunkelt.

Nachbarschaft haben die Sentenzen zu den Weisheitssprüchen der hellenistischen Popularphilosophie und zu späteren Mönchsregeln, die denselben Stoff in Klausur verwandelten. Wer sie nur als christliche Originalschöpfung nimmt, unterschlägt die ältere Spruchschicht. Wer sie nur als getaufte Pythagoreer liest, unterschlägt, dass die Bearbeitung den Weisen zum Glaubenden macht. Geblieben ist ein schmales Buch der Übung, das zeigt, wie das Christentum des zweiten Jahrhunderts philosophische Askese nicht verwarf, sondern in Dienst nahm.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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