Sozialgeschichte

Jürgen Kocka · 1977 · Sachbuch, Geschichte


Das Werk
Deutscher Titel: Sozialgeschichte
Autor(en): Jürgen Kocka


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1977
Schlagwörter: Sozialgeschichte, Methode, Bielefeld, Klasse
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Göttingen


Umfang dieser Ausgabe: 246 Seiten
ISBN: 9783525334515
Verweise


Sozialgeschichte. Begriff – Entwicklung – Probleme von Jürgen Kocka (1977, später erweitert) ist die Methodenlehre der Bielefelder Schule, nicht Hans-Ulrich Wehlers Kaiserreichband. Das Buch ist schmal und programmatisch: es klärt, was Sozialgeschichte sein kann, bevor sie als Restfach, als Alles oder als bloße Geschichte der Arbeiterbewegung missverstanden wird. Die große Untersuchung zur Klassengesellschaft im Krieg bleibt Kockas anderes Werk; hier zählt der Begriff.

Inhalt

Kocka bestimmt Sozialgeschichte als Frage nach Lagen, Klassen und Erfahrungen, die Politik tragen – nicht als Abteil neben der Ereignisgeschichte und nicht als Totalanspruch, der jede Biographie und jedes Fest verschlingt. Gegen die ältere politische Geschichte, die Herrschaft als Willen und Datum erzählte, setzt er Strukturen, Interessen und die lange Dauer sozialer Ungleichheit. Gegen die Alltagsromantik, die später kam und Bielefeld vorwarf, die Erfahrung der Kleinen zu übergehen, hält er fest, dass Erfahrung ohne Lage leer bleibt und Lage ohne Erfahrung tot. Das Buch erklärt Vergleich, Quantifizierung und den Gebrauch von Theorie, ohne Hegel und ohne den Glauben, Zahlen ersetzten das Urteil. Sozialgeschichte ist bei ihm eine historische Sozialwissenschaft: sie borgt Begriffe bei Soziologie und Ökonomie und bleibt Geschichte, weil sie Zeit, Ort und Quelle nicht preisgibt. Die Arbeitergeschichte ist ein Kern, nicht das Ganze; Bürgertum, Staat und Krieg gehören dazu, weil Klasse sich dort entscheidet, nicht nur in der Fabrik.

Bielefeld wird hier als Handwerk lesbar. Wehlers Das Deutsche Kaiserreich 1871–1918 hatte denselben Staat als Struktur gelesen und den Sonderweg zur öffentlichen These gemacht; Kocka liefert die Lehre, die solche Thesen prüfbar hält. Gegen Thomas Nipperdeys Erzählung, die Religion, Bildung und Alltag ihr eigenes Recht ließ und 1933 nicht schon im Vormärz beschlossen sah, setzt Kocka die Explikation der Begriffe: wer nicht sagt, was Klasse, Modernisierung und Staat heißen, erzählt an der Ungleichheit vorbei, auch wenn er schöner schreibt. Klassengesellschaft im Krieg hatte die Schule 1973 an der extremen Lage erprobt; die Methodenlehre von 1977 zieht die Folgerung für das Fach insgesamt. Bielefeld ist Wehler und Kocka, Kaiserreich und Lehre; der Sonderweg ist eine These, die diese Schrift prüfbar machen will, indem die Schule sagt, was sie tun und lassen will.

Die späteren Auflagen haben die Kulturgeschichte aufgenommen, ohne die Sozialgeschichte preiszugeben. Kocka räumt ein, dass Sinn, Ritual und Darstellung nicht als Überbau abgetan werden dürfen, und beharrt darauf, dass Kultur ohne Lagen zur Stimmung wird. Die Kritik der Alltagsgeschichte hielt den Blick für zu grob; die Kulturgeschichte der neunziger Jahre hielt ihn für zu ökonomisch. Beides hat das Buch nicht aus der Ausbildung der Zunft verdrängt. Es bleibt die knappe Schrift, in der sich die westdeutsche Sozialgeschichte selbst beim Wort nimmt: Vergleich statt Insellage, Theorie statt Anekdote, Klasse als Erfahrung und als Struktur. Die große europäische Vergleichung und die Studien zum Bürgertum kamen danach; hier steht noch das Programm, das sie tragen sollte.

Einordnung

Ohne diesen Band bleibt die Bielefelder Gesellschaftsgeschichte eine Reihe von Kaiserreich- und Kriegsbüchern ohne Lehre. Neben Wehlers Das Deutsche Kaiserreich 1871–1918 und Kockas eigener Klassengesellschaft im Krieg steht hier die Methodenprobe, die Vergleich, Quantifizierung und Begriffsklärung zur Pflicht macht; neben Nipperdeys Deutsche Geschichte 1800–1866 der Gegenpol, der Erzählung nicht als Ausweg aus der Struktur gelten lässt. Die Zunft nach 1977 hat Sozialgeschichte als historische Sozialwissenschaft gelernt oder bekämpft, selten ignoriert. Spätere Kultur- und Alltagsgeschichte haben das Programm verschoben, nicht ersetzt: wer nach Lagen, Klassen und Erfahrungen fragt, spricht hinter diesem Buch oder gegen es.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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