Stadien wirtschaftlichen Wachstums
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Stadien wirtschaftlichen Wachstums |
| Autor(en): | Walt Whitman Rostow |
| Originaltitel: | The Stages of Economic Growth: A Non-Communist Manifesto |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 1960 |
| Schlagwörter: | Wachstum, Entwicklung, Industrialisierung, Stufen |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Wirtschaftswissenschaft |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Vandenhoeck & Ruprecht
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 215 Seiten |
| ISBN: | 9780521409285 |
| Verweise | |
The Stages of Economic Growth: A Non-Communist Manifesto erschien 1960 bei Cambridge University Press; die deutsche Ausgabe von Elisabeth Müller kam im selben Jahr bei Vandenhoeck & Ruprecht unter dem Titel Stadien wirtschaftlichen Wachstums. Eine Alternative zur marxistischen Entwicklungstheorie heraus. Walt Whitman Rostow legt ein Stufenmodell vor, das jedes Land auf dem Weg von der Agrargesellschaft zum Zeitalter hohen Massenverbrauchs durchlaufen soll. Der Untertitel ist Programm: gegen Karl Marx eine nichtkommunistische Modernisierung, gewonnen vor allem aus der Wirtschaftsgeschichte Europas und der Vereinigten Staaten. Das Buch hat die Entwicklungspolitik der sechziger und siebziger Jahre mitgeprägt und ist seither der Inbegriff eines linearen Fortschrittsglaubens.
Inhalt
Rostow schreibt gegen die marxistische Lehre, die Geschichte sei eine Abfolge von Produktionsweisen, die im Sozialismus münde. Stattdessen gibt es fünf Stadien, die trotz Verspätungen denselben Verlauf nehmen. Die traditionelle Gesellschaft hat eine natürliche Obergrenze der Erträge, weil neuere Wissenschaften fehlen oder kaum greifen; sie ist agrarisch, hierarchisch, wenig beweglich. Die Vorbedingungen des Abhebens beschreiben Übergangsgesellschaften wie das Westeuropa des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts: neue Verfahren in Feld und Werkstatt, ein werdender Weltmarkt. Das Abheben (im Original take-off) ist die entscheidende, relativ kurze Phase von zwei bis drei Jahrzehnten, in der der Anteil der Investitionen von etwa fünf auf über zehn vom Hundert steigt. Neue Industrien werfen Gewinne ab, die wieder in Werke fließen; Städte wachsen, die Landwirtschaft wird stärker auf den Markt gestellt.
Die Beispiele sollen die Allgemeinheit belegen. In England setzt Rostow das Abheben in die zwei Jahrzehnte nach 1783, in Frankreich und den Vereinigten Staaten vor 1860, in Deutschland in die fünfundzwanzig Jahre nach 1850, in Japan ins letzte Viertel des neunzehnten Jahrhunderts, in Russland und Kanada in die drei Jahrzehnte vor 1914, in Indien und China seit 1950. Es folgt die Entwicklung zur Reife, rund vierzig Jahre hoher Investitionsraten, in denen die Industrialisierung die ganze Gesellschaft erfasst. Das Zeitalter hohen Massenverbrauchs befriedigt die Grundbedürfnisse nach Nahrung, Kleidung und Wohnung; die Nachfrage nach gehobenen Gütern steigt, Wohlfahrtsstaaten entstehen, das Automobil wird zum Kennzeichen. Politik kann das Tempo verschieben, nicht das Schema.
Unsicher ist das Modell, wo Geschichte nicht Europa wiederholt. Kolonien, Abhängigkeit, Kriege, Rohstoffflüche und politische Zerstörung kommen als Verzögerung vor, nicht als andere Logik. Die Investitionsquote als Schwelle wirkt mechanisch. Gegenpositionen sind im Untertitel genannt und im Text schwach ausgeführt: Marx erscheint als der zu widerlegende Rivale, nicht als Analytiker von Ausbeutung und Weltmarkt. Spätere Kritiker der Abhängigkeitstheorie haben eingewandt, dass die Peripherie nicht einfach verspätete Mitte sei. Rostow selbst hat das Buch als Politikberater der amerikanischen Regierung gelebt; die Stufen waren auch ein Versprechen an die „Dritte Welt“ im Kalten Krieg.
Einordnung
Als Gegenmanifest zu Das Kapital war das Buch wirksam, weil es den jungen Staaten der Entkolonialisierung einen westlichen Fahrplan anbot: Sparen, Investieren, Abheben, Verbrauchen. Die amerikanische und europäische Entwicklungshilfe der Nachkriegsjahrzehnte sprach oft in diesen Bildern. Die Fachkritik hat das Schema als eurozentrisch, zu glatt und empirisch brüchig verworfen; viele Länder erreichten das Abheben nicht, andere übersprangen Stufen oder fielen zurück. Die Stärke liegt in der Klarheit der Erzählung, die Schwäche in derselben Klarheit.
Neben Marx’ Kritik der politischen Ökonomie und Max Webers Die protestantische Ethik steht Rostow als Optimist der Industrialisierung, der Kultur in Vorbedingungen auflöst und Religion kaum braucht. Wer das Modell als Naturgesetz nimmt, verwechselt eine historische Skizze mit einer Notwendigkeit. Wer es nur als Kalte-Kriegs-Schrift ablegt, verfehlt, dass die Frage nach dem Übergang aus agrarischer Armut berechtigt bleibt. Die fünf Stadien sind eine Landkarte der fünfziger Jahre. Sie erklären nicht die Welt von heute, aber sie erklären, wie jene Jahre Entwicklung dachten.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
Später durchgesehen: Ein zweites KI-Sprachmodell hat den Text geprüft und einzelne Formulierungen berichtigt (Grok 4.6, xAI). Bestand, Auswahl und Ausgabendaten blieben dabei unverändert; welche Sätze geändert wurden, zeigt die Versionsgeschichte.
