Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung

Joseph Schumpeter · 1911 · Sachbuch, Wirtschaftswissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung
Autor(en): Joseph Schumpeter


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1911
Schlagwörter: Unternehmer, Kredit, Gewinn, Konjunktur
Sachgebiete: Sachbuch, Wirtschaftswissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Duncker & Humblot


Umfang dieser Ausgabe: 369 Seiten
ISBN: 9783428077250
Verweise


Die Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung ist das 1911 erschienene Hauptwerk des jungen Joseph Schumpeter, damals Professor in Graz, über Unternehmergewinn, Kapital, Kredit, Zins und den Konjunkturzyklus; die Titelblattzählung nennt oft 1912. Gegen die vorherrschende Lehre, die Marktgleichgewichte beschrieb, setzt Schumpeter die Dynamik des Kapitalismus aus sich selbst. 1926 erschien eine gekürzte und umgearbeitete Auflage, die das siebte Kapitel vom Gesamtbild der Volkswirtschaft strich und das zweite neu fasste; der erweiterte Titel sollte dem Missverständnis wehren, es handle sich um Wirtschaftsgeschichte. Die Duncker-&-Humblot-Ausgabe folgt der vierten Auflage von 1934. Das Buch machte den Achtundzwanzigjährigen in der Fachwelt bekannt.

Inhalt

Schumpeter schreibt gegen den Kreislauf der Wirtschaft, der jahraus, jahrein in wesentlich gleicher Bahn verläuft, und gegen die Erklärung der Entwicklung aus äußeren Anstößen oder bloß quantitativem Wachstum. Entwicklung heißt Ausbrechen: spontane, unstetige Änderungen, die sich der Durchsetzung neuer Kombinationen von Produktionsmitteln verdanken. Fünf Fälle nennt er: ein neues Gut oder eine neue Qualität; eine neue Produktionsmethode; die Erschließung eines neuen Absatzmarktes; die Eroberung neuer Bezugsquellen; die Neuorganisation, etwa die Schaffung oder Durchbrechung eines Monopols. Entscheidend ist nicht die Idee, sondern die Durchsetzung gegen Widerstand. Dazu gehören der Blick, weil für das Neue keine fertigen Daten vorliegen; die Kraft, sich vom Gewohnten zu lösen; die Fähigkeit, Widerstände zu überwinden. Das ist die Funktion des dynamischen Unternehmers, nicht der Eigentümerstatus, nicht die bloße Risikoübernahme.

Vom Unternehmer grenzt Schumpeter den »Wirt schlechtweg« ab, der in gewohnter Bahn den üblichen Gewinn erzielt. Der Unternehmergewinn ist die Prämie der Neuerung, zunächst ein Vorsprung, den Nachahmer aufzehren; wer Unternehmer bleiben will, muss weiter kombinieren. Der Kapitalist stellt Kredit; er trägt das finanzielle Risiko und erhält Zins. Die Motive des Unternehmers sind psychologisch gefasst: der Traum eines privaten Reichs, Siegerwille, Freude am Gestalten – nicht Nutzenkalkül und nicht Gier. Aus derselben Störung des Gleichgewichts erklärt Schumpeter den Konjunkturzyklus: Pioniere treten scharenweise auf, ziehen Nachahmer nach, zehren den Gewinn auf; es folgen Anpassung, Preisverfall, Kreditdeflation und ein neues Gleichgewicht. Später hat er denselben Vorgang, insofern er Eingespieltes verdrängt, schöpferische Zerstörung genannt.

Unsicher wird die Zinstheorie, die den Zins aus dem Unternehmergewinn ableitet und zinslose Phasen kennt. Schumpeters Lehrer Eugen von Böhm-Bawerk nannte die Begriffe wechselnd weit und eng, lehnte Kapital- und Zinslehre ab und hielt zinslose Phasen für empirisch widerlegt; gleichwohl sprach er von einem feinen theoretischen Kopf. Die zeitgenössische Aufnahme war überwiegend kritisch; heute gilt das Buch als Klassiker. Eine Lesart, die nur den Helden Unternehmer feiert, verfehlt Kredit, Zins und Zyklus; eine, die nur die Dynamik sieht, verfehlt den stillen Kreislauf, ohne den Entwicklung nicht als Bruch erkennbar wäre.

Einordnung

Das Werk steht am Anfang von Schumpeters Lebensarbeit und weist auf Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie voraus, wo Auftrieb und Sinken der kapitalistischen Welt das Thema werden. Nachbarschaft hat es zu Karl Marx, dessen wissenschaftliche Leistung Schumpeter schätzte und dessen Dynamik aus dem Innern des Kapitalismus er teilt, ohne die Verelendung zu übernehmen; in Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie ist der Mehrwert Ausbeutung, bei Schumpeter Prämie der Neuerung. Die Unternehmerfigur hat die Rede von Neuerung in der Wirtschaftswissenschaft des zwanzigsten Jahrhunderts geprägt, oft verkürzt auf den Gründer, den Schumpeter so nicht meinte.

Das Missverständnis liegt darin, die Schrift für eine Geschichte der Wirtschaft oder für eine Anleitung zum Unternehmertum zu halten. Sie ist Theorie der Störung. Geblieben ist die Bestimmung des Unternehmers als desjenigen, der neue Kombinationen durchsetzt – und die Einsicht, dass der Kapitalismus lebt, indem er das Gewohnte zerstört.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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