Thesen über Feuerbach
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Thesen über Feuerbach |
| Autor(en): | Karl Marx
|
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1888 |
| Schlagwörter: | Praxis, Materialismus, Feuerbach, Veränderung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Dietz Verlag |
| Serie: | Marx-Engels-Werke 3 |
| Umfang dieser Ausgabe: | 610 Seiten |
| ISBN: | 9783320024253 |
| Verweise | |
Die Thesen über Feuerbach sind elf kurze Sätze, die Karl Marx im Frühjahr 1845 in Brüssel in ein Notizbuch schrieb, unter der Überschrift „1. ad Feuerbach“. Veröffentlicht hat sie erst Friedrich Engels 1888, redaktionell geglättet, als Anhang zu Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie. Die authentische Fassung erschien 1998 in der Marx-Engels-Gesamtausgabe. Zusammen mit der ungedruckten Deutschen Ideologie gelten die Thesen als erste Formulierung der materialistischen Geschichtsauffassung. Die elfte, die bekannteste, sagt, die Philosophen hätten die Welt nur verschieden interpretiert; es komme darauf an, sie zu verändern.
Inhalt
Marx schreibt gegen den anschauenden Materialismus Ludwig Feuerbachs und gegen den Idealismus, der die tätige Seite nur abstrakt kannte. Feuerbach löse die religiöse Welt in ihre weltliche Grundlage auf und bleibe dann vor dieser Grundlage stehen, als wäre sie ein Gegenstand der Betrachtung. Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus sei, dass der Gegenstand, die Wirklichkeit, nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefasst werde, nicht als sinnliche menschliche Tätigkeit, als Praxis. Deshalb begreife Feuerbach nicht, dass die weltliche Grundlage sich selbst widerspricht und begriffen, das heißt praktisch revolutioniert werden muss. Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme, sei keine Frage der Theorie, sondern eine praktische. In der Praxis müsse der Mensch die Wahrheit, das Diesseitige seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit eines Denkens, das sich von der Praxis isoliert, sei scholastisch.
Die Thesen wenden sich gegen die Teilung von Gesellschaft und Individuum, die Feuerbachs Gattungswesen noch mitträgt. Das menschliche Wesen ist kein inneres, dem Einzelnen innewohnendes Abstraktum; es ist das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse. Wer die Menschen in Gläubige und Bürger zerlegt, verdoppelt die Gesellschaft, statt sie aufzuheben. Die materialistische Lehre, dass die Menschen Produkte der Umstände und der Erziehung seien, vergisst, dass die Umstände von Menschen verändert werden und der Erzieher selbst erzogen werden muss. Deshalb müsse die Gesellschaft in zwei Teile – einen überlegenen und einen zu erziehenden – gespalten erscheinen. Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung kann nur als revolutionäre Praxis gefasst und vernünftig verstanden werden. Anschauender Materialismus, so die zehnte These, gelangt nicht über die bürgerliche Gesellschaft hinaus; der neue steht auf dem Standpunkt der menschlichen Gesellschaft oder der vergesellschafteten Menschheit.
Die elfte These ist keine Absage an das Denken, sondern an ein Denken, das die Welt als fertigen Gegenstand vor sich hat. Interpretieren und Verändern treten nicht als zwei Berufe auseinander; die Veränderung ist das Kriterium, an dem sich zeigt, ob die Interpretation die Wirklichkeit getroffen hat. Engels’ Fassung von 1888 hat den Wortlaut geglättet und die Thesen in die Geschichte der klassischen deutschen Philosophie eingeschrieben, als Abschluss und Übergang. Marx’ Notiz bleibt abrupter, ohne System, ein Arbeitsblatt. Die Spannung, die sie festhält, ist die zwischen abstraktem Individuum und Gesellschaft: Jedes ist Ergebnis des anderen, und der Ausweg ist nicht die bessere Anschauung, sondern ein Prozess, in dem die Menschen ihre Verhältnisse umwälzen, indem sie handeln.
Einordnung
Kaum ein Text von elf Sätzen hat so weit über die Philosophie hinaus gewirkt. Die elfte These stand als Inschrift am Marx-Grab in London und später im Foyer der Berliner Humboldt-Universität; sie wurde Losung der Arbeiterbewegung und Stein des Anstoßes für jede Theorie, die Praxis zur bloßen Anwendung herabsetzt. Ernst Bloch hat die Thesen als Philosophie der Hoffnung gelesen, Louis Althusser als Bruch mit dem Humanismus Feuerbachs. Innerhalb des Marxschen Werks liegen sie zwischen der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie und Das Kapital: hier die Religion als Opium, dort die Ware als Fetisch, dazwischen die Behauptung, dass Wirklichkeit gemacht wird. Engels hat sie kanonisiert; die MEGA hat den Notizzettel zurückgegeben.
Wer die Thesen als Aufruf zur Tat gegen das Denken liest, verfehlt, dass Marx das Interpretieren nicht streicht, sondern ihm die Probe der Veränderung zumutet. Wer sie nur als erkenntnistheoretische Pointe liest, verfehlt die elfte These. Neben dem Manifest der Kommunistischen Partei und der Deutschen Ideologie gehören sie zu den kürzesten Gründungstexten des Marxismus – und zu den am häufigsten zitierten, oft gegen den Rest des Zettels. Geblieben ist die Zumutung, dass eine Theorie der Gesellschaft sich an dem messen lässt, was Menschen mit den Umständen tun, die sie hervorbringen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
