Unhaltbarkeit
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Unhaltbarkeit |
| Autor(en): | Ingolfur Blühdorn
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2024 |
| Schlagwörter: | Nachhaltigkeit, Emanzipation, Spätmoderne, Demokratie |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Soziologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | edition suhrkamp |
| Umfang dieser Ausgabe: | 384 Seiten |
| ISBN: | 9783518128084 |
| Verweise | |
Unhaltbarkeit. Auf dem Weg in eine andere Moderne ist das 2024 in der edition suhrkamp erschienene zeitdiagnostische Buch des Soziologen Ingolfur Blühdorn. Es beschreibt das Scheitern der ökoemanzipatorischen Politik, wie sie seit den siebziger Jahren betrieben wird, und deren Umschlag in das Gegenteil. Vorangestellt ist ein Gedicht von Eugen Roth: am längsten halte auf der Welt das Unhaltbare. Blühdorn, der in Wien soziale Nachhaltigkeit erforscht, will nicht Hoffnung erzeugen, sondern verstehen, warum Appelle zum sofortigen gemeinsamen Handeln vor allem beruhigen. Das Buch zählt, weil es die Krise nicht den Gegnern der Ökologie allein anlastet, sondern der inneren Brüchigkeit des eigenen Projekts.
Inhalt
Blühdorn schreibt gegen die gängigen Rufe, nun müsse man endlich vom Reden zum Handeln kommen. Solche Sätze hätten Bekenntnis-, Erlebnis- und Beruhigungscharakter und beruhten auf einem unzureichenden Bild spätmoderner Gesellschaften. Wer am ökoemanzipatorischen Projekt festhalte – Blühdorn kürzt es als Konstruktion der Beobachter, nicht als Agenda eines Akteurs –, mache die Erfahrung, dass es nicht nur von Gegnern demontiert wird, sondern aus sich selbst brüchig wird. Zu seinen Glaubenssätzen gehören Kritik an Beherrschung von Mensch und Natur, Autonomie, unantastbare Würde, Vielfalt statt Normierung, Vernunft, ökologische Imperative, Gestaltbarkeit, zivilgesellschaftliche Selbstregierung, Vorsorge, Bildung und die Ausweitung demokratischer Beteiligung, alles im weltgesellschaftlichen Horizont. Diese Sätze, so die Diagnose, sind unhaltbar geworden.
Die Behauptung entfaltet sich an fünf Unhaltbarkeiten. Unhaltbar sei nicht der Kapitalismus, sondern die Erzählung von seinem baldigen Ende und von der befreiten nachkapitalistischen Gesellschaft. Das Überschreiten planetarischer Grenzen bedeute nicht den Untergang der Menschheit, sondern die Durchsetzung des Anthropozäns, das die Denkweise der sozialökologischen Wende selbst untergräbt. Die autokratische Wende sei nicht bloß Verlust: Demokratie werde als schwach empfunden, Entlastung durch Führung als Wunsch. Digitale Technik und künstliche Intelligenz gelten weniger als Bedrohung der Autonomie denn als Bedingung guten Lebens. Der Abstieg des Westens folge nicht einem äußeren Feind, sondern der inneren Logik seiner Freiheit, die universelle Werte im Namen von Selbstbestimmung aufweicht. Die Bewegungen selbst haben, unbeabsichtigt, mitgewirkt: demokratische Öffnungen verzerrten die Vertretung zu ihren Gunsten; soziale Umverteilung trat hinter Selbstverwirklichung zurück und nährte den Rechtspopulismus; ressourcenstarke Milieus mit hohem Nachhaltigkeitsbewusstsein hinterließen große ökologische Spuren; Hoffnungsgeschichten von der großen Wende nährten den Eindruck, man sei schon auf dem Weg.
Unsicher wird das Buch, wo die Analyse der Linken die liberal-kapitalistische Verfassung der Demokratie fast aus den Augen verliert. Martin Hartmann nannte den Angriff auf überkommene Demokratieverständnisse einseitig. Andere lasen eine düstere Zukunftserzählung, die Beifall von der falschen Seite riskiert. Blühdorn weist den Vorwurf des Pessimismus zurück: Sozialwissenschaft sei keine Religion und müsse keine Hoffnung erzeugen. Die nächste Gesellschaft, vermutet er, werde kapitalistisch, nicht nachhaltig und autoritär bleiben – nicht nur von außen erzwungen, sondern von innen verlangt. Der Ton ist der der Zeitdiagnose, dicht, begrifflich, ohne Rezept. Gegenposition bleibt jede Transformationsforschung, die an Steuerung, Mündigkeit und sozialökologischer Wende als Gestaltungsauftrag festhält, und jede Katastrophenrede, die den Untergang an die Stelle der Analyse setzt.
Einordnung
Neben Blühdorns älterer Diagnose der simulativen Demokratie steht Unhaltbarkeit als Verschärfung: nicht nur Scheinbeteiligung, sondern Unhaltbarkeit der Glaubenssätze selbst. Peter Wagner wünschte dem Buch, es schlage wie eine Bombe ein; Dieter Haselbach las es als schonungslose Analyse reicher Gesellschaften oder als düstere Zukunftserzählung einer anderen Moderne. Es gehört in die Nachbarschaft von Die Grenzen des Wachstums, deren Warnung es teilt, ohne deren Steuerungsoptimismus zu erneuern. Die städtischen Milieus, die das ökoemanzipatorische Projekt am Leben erhalten und in der Praxis unterlaufen, sind das eigentliche Publikum.
Geblieben ist der Satz, dass am längsten das Unhaltbare hält. Wer über Klimapolitik, Demokratieermüdung und die Mitschuld emanzipatorischer Bewegungen spricht, stößt auf dieses Buch. Die Suhrkamp-Ausgabe hat den unerbittlichen Atem der Diagnose bewahrt; er tröstet nicht und will es nicht. Ob daraus eine andere Moderne wird oder nur eine neue Sprache für das Weitermachen, lässt der Text offen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
