Was heißt sprechen
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Was heißt sprechen? |
| Autor(en): | Pierre Bourdieu |
| Originaltitel: | Ce que parler veut dire |
| Originalsprache: | französisch |
| Erstveröffentlichung: | 1982 |
| Schlagwörter: | Sprache, Macht, Markt, Habitus |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Sprachwissenschaft |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Braumüller
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| Umfang dieser Ausgabe: | 199 Seiten |
| ISBN: | 9783700315186 |
| Verweise | |
Was heißt sprechen? Die Ökonomie des sprachlichen Tausches (französisch Ce que parler veut dire) ist die 1982 erschienene Untersuchung von Pierre Bourdieu. Bourdieu behandelt Sprache als Markt: Wer darf wie reden, und wessen Rede zählt als legitim, ist keine Frage der Grammatik allein, sondern der Macht, die den Preis der Worte festsetzt.
Inhalt
Bourdieu widerspricht der Linguistik, die den kompetenten Sprecher isoliert, als säße das Vermögen, Sätze zu bilden, schon gleich dem Recht, gehört zu werden. Kompetenz ohne soziales Recht zu sprechen ist eine Abstraktion, die die Schule der Grammatik für die Sache selbst hält. Der sprachliche Markt belohnt die Distinktion, die schon in Die feinen Unterschiede den Geschmack organisierte: Dialekt, Hochsprache, der Akzent der Schule und die Sicherheit, mit der jemand schweigt oder unterbricht, sind Kapitalformen, keine bloßen Varianten desselben Systems. Wer die legitime Sprache besitzt, spricht nicht nur richtiger; er setzt den Maßstab, an dem die anderen gemessen werden. Die unsichtbare Schranke liegt deshalb oft in der Zunge, nicht in einem ausdrücklichen Verbot. Bourdieu nennt Habitus das eingeschliffene Verhältnis von Körper, Geschmack und Rede, das man nicht abstreift, indem man die Regel aufsagt.
Sprechen heißt, einen Preis zu riskieren. Wer die als illegitim geltende Form wählt, wird verstanden und zugleich abgewertet; das Verstehen rettet nicht vor dem Urteil über den Sprecher. Wer die legitime Form wählt, ohne sie zu besitzen, entlarvt sich im Zögern, im überkorrekten Laut, in der Anstrengung, die der Geborene nicht kennt. Der Habitus sitzt in der Zunge, in der Kehle, in der Bereitschaft, den Mund aufzumachen. Bourdieu schreibt gegen John L. Austin, soweit die gelingende Rede die Einrichtung voraussetzt, die Austin als Umstand erwähnt und nicht als Herrschaft analysiert: Nicht die Worte taufen, sondern das Amt, und das Amt ist verteilt. Gegen Noam Chomskys Vermögen setzt er das Recht auf Rede, das ungleich verteilt ist, auch wo alle dieselbe Grammatik könnten. Die Ökonomie des Tausches ist keine Metapher am Rand. Sie ist die Behauptung, dass sprachlicher Wert wie anderer Wert durch Knappheit, Anerkennung und Gewalt entsteht.
Der Ton ist soziologisch, polemisch gegen die Reinheit der Grammatik und gegen die Illusion, man könne die Sprache beschreiben, ohne die Sprecher zu wägen. Das schmale Buch verdichtet, was in den großen Untersuchungen verstreut lag, und bleibt deshalb eine Einladung, die Linguistik von der Soziologie her zu lesen. Eine Lautlehre im engen Sinn findet man hier nicht; man findet eine Ökonomie, die den Laut als Zeichen von Klasse und Herkunft ernst nimmt. Bourdieu schont weder die Hochsprache, die sich als Natur ausgibt, noch den Kult des Dialekts, der die Abwertung in Stolz umwendet und die Herrschaft stehen lässt. Die Zunge ist Körper, und der Körper ist schon sozial geformt. Genau diese Nüchternheit hat das Buch anschlussfähig gemacht für die Forschung zu Schule, Gericht und öffentlicher Rede.
Einordnung
Mit diesem Band von 1982 holt Bourdieu die Sprache in die Theorie der unsichtbaren Schranke und der symbolischen Herrschaft, also der Macht, die als Selbstverständlichkeit auftritt. Basil Bernstein hatte Codes der Klasse beschrieben; Bourdieu hat den Markt und das Recht auf Rede, und damit die Bewertung, die Bernstein oft als pädagogisches Problem las, als gesellschaftlichen Preis kenntlich gemacht. Die Soziolinguistik hat beides oft addiert, ohne Bourdieus Pointe zu halten, dass die legitime Sprache die Herrschaft derer ist, die den Markt kontrollieren. Die Kritik nennt das Modell zu geschlossen, zu französisch an der Hochsprache der Schule und zu wenig fein in der Binnenstreuung, die William Labov zählte. Geblieben ist die Frage, die sich an jedem Dialekt und jeder Behördensprache wiederholt: Nicht nur was gesagt wird, zählt, sondern wer es sagen darf und zu welchem Preis.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
