Zeit der Nordwanderung

at-Tayyib Salih · 1966 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Zeit der Nordwanderung
Autor(en): at-Tayyib Salih
Originaltitel: موسم الهجرة إلى الشمال
Originalsprache: arabisch
Erstveröffentlichung: 1966
Schlagwörter: Sudan, London, Gewalt, Nil
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Unionsverlag


Umfang dieser Ausgabe: 176 Seiten
ISBN:
Verweise


Zeit der Nordwanderung ist der 1966 erschienene Roman von at-Tayyib Salih, im Arabischen Mausim al-hidschra ila s-schimal. Ein junger Mann kehrt aus England in ein Dorf am Nil zurück und trifft Mustafa Said, der denselben Weg früher gegangen ist und ihn als Verführung, Hass und Mord erzählt. Das Buch gilt als der sudanische Gegenentwurf zu Conrad: nicht Europa, das in Afrika das Herz der Finsternis findet, sondern Afrika, das nach Norden wandert und dort zerstört. Die deutsche Übersetzung von Regina Karachouli erschien beim Unionsverlag. Salih, in Al Dabbah geboren, hat fast nur dieses eine schmale Meisterwerk hinterlassen, das die arabische Prosa des zwanzigsten Jahrhunderts mitträgt.

Inhalt

Der namenlose Erzähler, sieben Jahre in England, will im Dorf nur noch unterrichten und den Nil sehen. Mustafa Said, geheimnisvoller Siedler mit englischen Büchern hinter einer verschlossenen Tür, erzählt ihm nach und nach ein anderes Leben: das Wunderkind aus Khartum, das Stipendium, London, die Frauen, die er mit dem Mythos des schwarzen Mannes anzieht und vernichtet. Jean Morris stirbt durch seine Hand, andere durch Selbsttötung. Der Prozess in London wird zur Bühne, auf der Said die Kolonie als sexuelle Rache spielt. Er kehrt in den Sudan zurück, heiratet Hosna bint Mahmud, schweigt, ertrinkt oder geht in den Nil – der Körper bleibt aus.

Nach Mustafas Verschwinden wird der Erzähler zum Vormund der Söhne und zum Zeugen der zweiten Katastrophe. Hosna soll den alten Wad Rayyes heiraten; sie weigert sich, tötet den Zudringlichen und sich selbst. Das Dorf, das die Nordwanderung nicht verstanden hat, versteht die Weigerung der Frau noch weniger. Der Erzähler öffnet Mustafas Zimmertür: London in der Wüste, Karten, Bücher, die Inszenierung eines Lebens, das sich als Gegenimperialismus erzählte und Frauen zerbrach. Am Ende schwimmt der Erzähler im Nil und ruft um Hilfe, zwischen den Ufern, unfähig, sich für ein Leben zu entscheiden.

Salih lässt keine reine Anklage zu. Mustafa Said ist Opfer der Kolonialschule und Täter an den Frauen; der Erzähler ist der Gebildete, der nicht handeln will; das Dorf ist Wärme und Gewalt. Die Nordwanderung ist das Stipendium, die Sprache, das Begehren, die Rache, die den Süden nicht heilt. Wer nur den umgekehrten Conrad sucht, hat Hosna nicht gelesen. Wer nur die Frauenmorde als Symbol der Kolonie nimmt, hat die Toten in London nicht als Tote genommen.

Einordnung

Das Buch steht neben Herz der Finsternis als bewusste Umkehrung und als Widerspruch: Die Finsternis sitzt nicht im Kongo, sie sitzt in der Beziehung, die aus Herrschaft Begehren macht. In der arabischen Literatur der sechziger Jahre ist es der Roman, der den Sudan in die Welt geholt hat, ohne ihn zu erklären. Wer nach Salih über Migration, Männlichkeit und den Nil spricht, spricht hinter Mustafa Said. Der Autor hat später weniger geschrieben; dieses eine Buch hat gereicht, um die Nordwanderung zum Namen einer ganzen Lage zu machen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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