Die Welt ohne uns. Reise über eine unbevölkerte Erde

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Welt ohne uns. Reise über eine unbevölkerte Erde
Autor(en): Alan Weisman
Herausgeber:
Erscheinungsort: München
Verlag: Piper
Serie:
Erscheinungsjahr: 2008
Seitenanzahl: 432 Seiten
Originaltitel: The World Without Us
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 3492253059
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3492253055
Schlagwörter: Sachbuch, Ökologie
Sachgebiete: Geschichte der Zukunft, Ökologie
Rezensionen

Der Journalist und Professor für Journalismus und Lateinamerikastudien Alan Weisman beschäftigt sich in seinem Sachbuch "Die Welt ohne uns" mit der Frage, wie die Welt und die Natur aussehen würden, wenn die gesamte Menschheit von einem Tag auf den anderen verschwinden würde. Er fragt sich dabei nicht nur, wie lange welche Hinterlassenschaften des Menschen erhalten blieben, sondern auch, wie lange es dauern würde, bis sich die Natur von der Menschheit "erholt" hätte. Dabei ist Weismans Blick jedoch nicht nur auf die Zukunft ohne uns gerichtet, sondern der Autor beschreibt auch sehr ausführlich, in welch großem Maße die Menschheit schon heute Einfluss auf seine Umwelt genommen hat. Dabei kommt Weisman zu dem Schluss, dass es zwar einige sehr langanhaltende Veränderungen gibt, die der Mensch initiiert hat, dass die Natur jedoch schon sehr schnell wieder alles ins Lot bringen würde bzw. sich mit den neuen Bedingungen ohne uns arrangieren würde. Denn die Welt hat sich schon nach größeren Katastrophen als die, die die Menschheit hinterlassen würde, erholt. So vermutet Weisman, dass es bereits zweimal in der Erdgeschichte größere Zusammenstöße unserer Erde mit anderen Planeten oder großen Meteoriten gegeben habe, die vor 100 Millionen Jahren zum Aussterben der Dinosaurier führte und vor 252 Millionen Jahre das Aus für 95% alle Lebewesen bedeutete. (313ff.)

Weisman glaubt zunächst, dass unsere Häuser und Städte ohne uns recht bald in Vergessenheit geraten würden und einem neuen Wald Platz machen würden. Schon nach 500 Jahren wären unsere Städte und Häuser überwuchert (20). Das von uns veränderte Klima würde dagegen noch viel länger nachwirken. Weisman schätzt, dass es mindestens 100.000 Jahre dauern würde, bis sich die CO2-Emissionen der Menschheit wieder normalisiert hätten.

Eine andere, derzeit praktisch unbegrenzt haltbare Hinterlassenschaft des Menschen ist das Plastik. Derzeit sammelt sich sehr viel Plastikmüll im 25 Millionen Quadratkilometer "großen pazifischen Müllstrudel" (korrekt: Subtropischer Nordpazifik-Wirbel), hier wird durch die Meeresströmung ein großer Teil des Plastikmülls angeschwemmt. Eine Hinterlassenschaft, so schätzt Weisman, die erst in 100.000 Jahren nach dem Ende der Menschheit vergehen wird und zwar erst dadurch, dass Mikroorganismen entstehen, die Plastik abbauen können. Denn selbst biologisch abbaubarer Plastikmüll zerkleinert sich nur sehr fein, wird aber nicht wirklich abgebaut.

Die Böden der Erde bleiben ohne uns noch 25.000 Jahre bleibelastet (219), so dass Weisman spekuliert, dass sich zukünftige Archäologen wohl fragen werden, ob wir uns haben selbst umbringen wollen. Dagegen werden einige menschliche Bauwerke sehr lange Bestand haben. So schätzt Weismann, dass der Eurotunnel zwischen England und Frankreich mehrere Jahrmillionen Jahre Bestand haben wird, weil die geologische Schicht über ihm aus Kreidemergel extrem wasserdicht ist. (237) Dagegen wird die berühmte Cheopspyramide ohne den sie schützenden Marmor, der für den Bau Kairos benutzt wurde, wohl schon in einer Millionen Jahre nicht mehr zu sehen sein. (238) Weiteren großen menschlichen Bauten wie der Chinesischen Mauer und dem Suez- onder Panamakanel gibt Weisman dagegen ohne menschliche Pflege keine besonders lange Haltbarkeit, die amrikanischen Präsidenten jedoch, die in Granit in den Mount Rushmore gehauen wurden, werden wohl erst in mehr als 7 Mio. Jahren erodiert sein (251).

Eine ganz andere Hinterlassenschaft ist der Atommüll, den wir kommenden Generationen hinterlassen werden. Die Zukunft der Erde ohne den Menschen würde in jedem Fall strahlend sein, wenn nicht noch alle 441 Atomkraftwerke vorher abgeschaltet und(!) abgewickelt würden, da es ohne menschliche Pflege defintiv zur Kernschmelze kommen würden, selbst wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet sind. Zudem kommt, dass die jährlich 13.000 Tonnen Atommüll (289) vermutlich länger strahlen werden als unser Planet existieren wird, weshalb es eine eigene Kommission gibt, die sich damit beschäftigt, wie man die Gefahr von Atommüll nachfolgenden Generationen und Zivilisationen kenntlich machen kann (287). Wie sich am Beispiel von Tschernobyl zeigt, ist jedoch auch eine strahlende Zukunft für die Natur unseres Planeten vermutlich kein allzu großes Anpassungsproblem. Jedenfalls entwickelt sich die Natur um Tschernobyl ohne uns prächtig, so Weismann. (299)

Die vermutlich allerletzten Botschaften der Menschheit im Universum werden wohl die mit den Pioneer und Voyager-Sonden versendete Goldplaketten sein, die 1 Milliarde Jahre durch die Weiten des Universums reisen sollen. Noch länger werden wohl nur die Radio- und Rundfunkwellen existieren, die wir seit gut 100 Jahren aussenden. Aber auch diese werden eines Tages im Hintergrundrauschen des Universum untergehen. (333ff.)

Auch die Gründe, die zu einem Ende der Menschheit führen könnten, thematisiert Weisman. Große Meteoriteneinschläge haben nach Weisman schon öfter zum Auslöschen großer Teile des Lebens auf der Erde beigetragen, aber Weisman sieht auch die Möglichkeit, dass sich unsere Technologie z.B. in Form der Nanotechnologie gegen uns wenden könnte. Große Seuchen dagegen haben wohl eher keine ausreichende Durchschlagskraft, um alle derzeit 6 Milliarden Menschen zu töten. Selbst bei einer Mortalitätsrate von 99% blieben immer noch über 650.000 Menschen am Leben. (326)


Bewertung

Weisman ist zwar ein Anhänger der sogenannten Blitzkriegtheorie (81ff.), nach der die Menschheit viele Arten der Erde bei seiner Ankunft ausgerottet habe, vor allem die sogenannte Megafauna auf dem amerikanischen Kontinent, Weisman ist jedoch kein Misanthrop, der sich wie die Church of Euthanasia (328) das Ende der Menschheit wünscht, Weisman rüttelt mit seinem Buch aber durchaus wach. Denn, wenn der Mensch seine wirkliche Intelligenz zeigen will, dann sollte er sich als größtes Raubtier aller Zeiten, das er ist, (352) um ein größeres Gleichgewicht mit der Natur bemühen. Was sind schon 100 Mio. getötete Haie im Jahr gegen 15 Angriffe auf Menschen durch Haie, fragt Weisman.

Denis Diderot 21:42, 18. Mär 2009 (CET)

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