Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen
Autor(en): Manfred Spitzer
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Droemer
Serie:
Erscheinungsjahr: 2012
Seitenanzahl: 368 Seiten
Originaltitel: {{{OT}}}
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3426276038
ISBN-13/

EAN-Code:

978-3426276037
Schlagwörter: Digital Natives, Digitale Medien, Medienkritik
Sachgebiete: Psychologie
Rezensionen
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Der Psychiater und Hirnforscher Manfred Spitzer vertritt in seinem Buch Digitale Demenz die These, dass Computer in Bildung und Erziehung keinerlei positiven Mehrwert oder Effekt bringen würden, sondern sogar darüber hinaus schädlich für die Entwicklung von Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen sind. Nach Spitzer gibt es genügend Studien, die belegen, dass Computer in der Hand von Kindern schlechtere Schulergebnisse und ein Aufmerksamkeitsdefizit (24) bewirken. Für Spitzer sind Computer "Lernverhinderungsmaschinen" (92) und führen bei jungen Menschen zu einem "Bildungsverfall" (221). Spitzer begründet seine Ansicht damit, wie unser Gehirn funktioniert und wie wir lernen. Nach Spitzer fördert nur in Analogioe zu einem Muskel (37) die Benutzung des Gehirns auch die Ausbildung von entsprechenden Hirnregionen, eine Nichtbenutzung fördert dagegen den Abbau und Rückbau bestimmter Gehirnareale. Wer sich nur noch durch ein Navigationsgerät durch den Verkehr leiten lässt, dessen Fähigkeit nimmt auch ab, sich örtlich zu orientieren. (28) Memorieren dagegen vergrößert z.B. unseren Hippocampus, wie an Londoner Taxifahrern, die sich sehr viele Straßen merken müssen, gezeigt werden konnte (32). Daher sind nach Spitzer Computer, die uns das Memorieren oder auch das Abschreiben (80) abnehmen, auch schlecht für die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns. Aber auch das Lernen an sich wird dem Autor zu Folge durch die Virtualität nicht befördert, sondern verschlechtert, weil Lernen vor allem ein "Be-greifen" (184) sei. Spitzer macht dies z.B. daran deutlich, wie Chinesen mit den Fingern rechnen. Chinesen rechnen nämlich bis 20 mit den Fingern und sind daher bei Aufgaben zwischen 10 und 20 durchschnittlich deutlicher schneller als Europäer, die nur bis 10 mit den Fingern rechnen. Nach Spitzer ist die räumliche Dimension im Lernprozess so wichtig, dass er eher Fingerspiele als virtuelle Lernspiele empfiehlt. Spitzer sieht es auch als erwiesen an, dass Kinder durch Computer keine besseren Sozialkontakte (195 ff) erhalten würden, sondern sogar eher schlechtere und sieht die Abstumpfung durch Gewaltspiele als eine erwiesene Tatsache an. (202) Zudem lässt sich nach Spitzer auch zeigen, dass die sogenannten Digital Natives, deren Benamung er als falsch empfindet, wenn der Name so etwas wie Native Speakers für Medien andeuten soll, keine höhere Medienkompetenz hätten, sondern ganz im Gegeneteil Schwierigkeiten hätte, die Qualität von Informationen einzuschätzen. (211) Auch das Multitasking ist für Spitzer kein Segen, sondern ein großes Problem. Multitasking bedeutet für Spitzer, dass unwichtige Informationen nicht ausgeblendet werden können (231). Multitasker sind, so Spitzer, in fast allen geistigen Disziplinen, die man untersucht hat, signifikant schlechter als Nicht-Multitasker (234). Ihnen fehle auch die Selbstbeherrschung und -disziplin, ohne die eine gute geistige Verfassung nach Spitzer nicht denkbar ist. Multitasking und die unkontrollierte Mediennutzung führt nach Spitzer sogar zu Stresssymptomen mit Bluthochdruck, Magengeschwüren, Wachstumsstörungen, Libidoverlust, Aufmerksamkeitsstörung usw. (248) und eben zu einer digitalen Demenz. Auch im Schlafentzug durch intensives Computerspielen sieht Spitzer eine große Gefahr, die zu Depression und andere körperliche Folgen (258 ff.) führen kann. Für Spitzer ist in einer Abwandlung des McLuhanschen Wortes klar: Das Medien ist das Problem (287). Was empfiehlt Spitzer stattdessen für eine geisitge Gesundheit? Spitzer rät zu gesunder Ernährung, Bewegung, Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt, Lebensvereinfachung, die freie Natur, aber vor allem: Meiden Sie digitale Meidien (325).

Bewertung

Der Autor Manfred Spitzer reiht sich u.a. nach Schirrmacher ein in die Kritiker der digitalen Medien. Dabei führt Spitzer sicher viele richtige und wahre Erkenntnisse an. Die Benutzung digitaler Medien kann ein großes Problem für uns und unsere Kinder sein. In der Überspitzung, in der Spitzer diese Erkenntnisse vorträgt, sind sie kontraproduktiv und dürften vieler Orts unerhört verhallen. Die Grundlagen des Denkens, des Memorierens und der Orientierung muss jeder Mensch zweifelsohne ohne Computer lernen und permanent trainieren, um geistig fit zu sein und zu bleiben. Aber der Computer und seine Benutzung kann ein sehr starkes Hilfsmittel sein, um seinen Geist noch schärfer und schneller zu machen. Es kommt darauf an, ihn richtig zu verwenden. Das nicht wahrhaben zu wollen, ist das größte Problem bei Spitzer. Zudem kommt, dass Spitzer die Probleme unserer heutigen Gesellschaft monokausal auf die Benutzung digitaler Medien zurückführt. Aber es gibt sicher jede Menge weitere Faktoren, die zu einem Bildungsverlust führen, die Spitzer nicht erwähnt. Dazu gehören z.B. prekäre Lebensverhältnisse, in denen viele und zunehmend mehr Menschen aufwachsen müssen.

Denis Diderot 19:16, 30. Mär 2013 (CET)

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