Allegorien des Lesens
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Allegorien des Lesens |
| Autor(en): | Paul de Man |
| Originaltitel: | Allegories of Reading. Figural Language in Rousseau, Nietzsche, Rilke, and Proust |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 1979 |
| Schlagwörter: | Allegorie, Rhetorik, Lesen, Figur |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Literaturwissenschaft |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | stw |
| Umfang dieser Ausgabe: | 264 Seiten |
| ISBN: | 9783518113868 |
| Verweise | |
Allegorien des Lesens (englisch Allegories of Reading) ist das 1979 erschienene Hauptwerk von Paul de Man, mit dem die Yale-Dekonstruktion die Lektüre zur Unmöglichkeit einer letzten Figur machte. Texte versprechen Verstehen und unterlaufen es durch Rhetorik; jede Lektüre erzeugt eine Allegorie ihrer selbst. Das Buch ist Yale als strenge Rhetorik, neben Jacques Derridas Schrift, belastet durch die später gefundenen Kollaborationsartikel.
Inhalt
De Man liest Jean-Jacques Rousseau, Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Marcel Proust als Schauplätze, an denen übertragene Rede und grammatische Aussage auseinandertreten. Ein Satz behauptet Wissen und klärt auf; um das zu tun, braucht er Figuren, Metaphern, Ironie, die denselben Satz in eine andere Richtung ziehen. Die Allegorie ist nicht Schmuck und nicht mittelalterliche Schlüsselgeschichte, sondern die Struktur, in der Bedeutung sich nicht einholt: der Text führt vor, dass er keiner eindeutigen Lektüre zu unterwerfen ist, und macht so das Lesen selbst zur Figur. De Man widerspricht der älteren Deutung, Literatur sei der Ort gesicherter Aneignung von Sinn. Literarische Texte kennen ihre Rhetorik besser als philosophische oder politische; gerade deshalb können sie die Blindheit zeigen, die andere Gattungen verdecken. Die Prosa ist kalt und genau, ohne Geoffrey Hartmans Pathos der Wildnis nach dem Verlust der sicheren Auslegung und ohne Harold Blooms Agon der starken Dichter, die gegen die Toten anschreiben.
Das Buch versammelt Aufsätze, die zur Lehre zusammenschießen. Yale hat daraus ein Seminar gemacht: Rousseau auf der unverfügbaren Reue, Nietzsche auf der Rhetorik der Werte, Rilke auf den Figuren, die das Ding versprechen und entziehen, Proust auf der Metapher, die Erinnerung als Wahrheit ausgibt. Die Nachwelt hat nach 1987 die Kriegsprosa de Mans danebengelegt – Mitarbeit an Le Soir und Het Vlaamsche Land unter der Besatzung, darunter der Artikel über die Juden in der gegenwärtigen Literatur – und gefragt, ob die Unlesbarkeit eine Ausflucht war, ein Verfahren, das Verantwortung in Rhetorik auflöst. Derrida hat ihn verteidigt; andere haben die Kälte der Methode als Fortsetzung eines Verschweigens gelesen. Beides gehört zur Wirkung. Die Lektüren bleiben scharf, auch wo das Leben sie belastet; Belgien bleibt der Schatten, auch wo Rousseau und Rilke nichts von 1941 wissen.
Die deutsche Ausgabe hat de Man neben Derrida gestellt und oft als den literarischeren Dekonstrukteur gelesen: weniger Schrift und Spur, mehr Figur und Lektürezwang. Grammatologie bleibt Derridas Umstellung der Stimme zugunsten der Schrift; hier gilt das Lesen als Allegorie, die jede letzte Bedeutung verfehlt. Blooms Einflussangst sprengt dieselbe Schule, indem sie Stärke will, nicht Unlesbarkeit. De Man hat aus Blindheit und Einsicht, dem früheren Essayband, die Härte gezogen, dass Einsicht die Blindheit nicht aufhebt, sondern braucht. Die Literaturwissenschaft nach 1979 hat daraus Pflicht und Jargon gemacht, oft beides zugleich. Die Grenzen liegen in der Universalisierung: nicht jeder Text ist nur Rhetorik gegen Grammatik, und nicht jede historische Schuld wird zur Figur, ohne Rest.
Einordnung
De Man hat Yale die rhetorische Härte gegeben. Neben der Grammatologie und Blooms Einflussangst steht dieses Buch als der Text, der Dekonstruktion zur Pflicht der Lektüre machte, nicht zum Zerlegen um des Zerlegens willen. Die Literaturwissenschaft nach 1979 kommt an ihm nicht vorbei, auch wo sie ihn verwirft oder den Skandal davorsetzt. Hartman hielt dem Kommentar die Treue, die de Man der Rhetorik opferte; die Nachwelt hat beides, die Lektüren und Belgien, zur Wirkung gelegt. Yale war mehr als ein Import Derridas; die Allegorien sind der Beweis.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
