Analytische Philosophie der Geschichte

Arthur C. Danto · 1965 · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Analytische Philosophie der Geschichte
Autor(en): Arthur C. Danto
Originaltitel: Analytical Philosophy of History
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1965
Schlagwörter: Erzählung, narrative Sätze, Historik
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Erscheinungsort: Analytical Philosophy of History
Umfang dieser Ausgabe: 502 Seiten
ISBN: 9783518279281
Verweise


Analytische Philosophie der Geschichte ist die 1965 erschienene, 1974 bei Suhrkamp deutsch vorgelegte Untersuchung von Arthur C. Danto über die Form historischer Sätze. Danto fragt nicht, ob die Vergangenheit erkennbar sei, sondern was für eine Art von Satz der Historiker spricht, wenn er sie erzählt. Der narrative Satz beschreibt ein Ereignis von einem späteren Ende her: Erst das Ende macht den Anfang zum Anfang. Die Idealchronik, die alles festhielte, während es geschieht, wäre keine Geschichte, weil ihr die Bedeutung fehlt, die später kommt.

Inhalt

Danto nimmt Sätze ernst, die alltäglich klingen und logisch spät sind. »Der Dreißigjährige Krieg begann 1618« ist erst wahr, wenn jemand weiß, dass 1648 ein Ende steht, das aus einem Konflikt einen Krieg dieses Namens macht. Der Handelnde von 1618 konnte das nicht wissen; der Historiker muss es wissen, sonst hat er nichts zu erzählen. Geschichte ist deshalb wesentlich nachträglich. Sie ist nicht ungenau, weil Quellen lückenhaft sind, sondern genau in einer Form, die Kenntnis der Zukunft der beschriebenen Vergangenheit voraussetzt. Gegen die Spekulation einer Geschichtsphilosophie, die den Sinn der Zeiten im Voraus kennt, setzt Danto die Logik der Erzählung: Bedeutung entsteht im Satz, der zwei Zeiten zusammenzieht, nicht in einem Gesetz, das hinter den Ereignissen wartet.

Die Pointe trifft Leopold von Rankes Formel, zu zeigen, wie es eigentlich gewesen. Eigentlichkeit ist selbst eine nachträgliche Form. Was »eigentlich« war, zeigt sich, wenn später etwas daraus geworden ist: eine Reformation, ein Krieg, ein Ende der Kunst. Danto bleibt kälter als Hayden Whites Metahistory, das dieselben Erzählungen tropologisch als Roman, Tragödie, Komödie, Satire liest. White fragt nach der rhetorischen Wahl; Danto nach der Satzform, ohne die es die Wahl nicht gäbe. Gegen den Positivismus, der Geschichte auf deckende Gesetze bringen wollte, hält er fest: Erklären in der Historie heißt oft erzählen, und erzählen heißt, ein Früheres im Licht eines Späteren beschreiben, das der Akteur nicht hatte.

Das Buch ist älter als Dantos Kunstphilosophie und genauer in einer einzigen Behauptung. Die Verklärung des Gewöhnlichen wird 1981 fragen, was einen Gegenstand zum Kunstwerk macht; hier steht der Historiker als Erzähler, der Enden kennt. Die deutsche Ausgabe im Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft hat das Argument in die Seminare geholt, oft neben Reinhart Kosellecks Vergangene Zukunft, wo Erfahrungsraum und Erwartungshorizont auseinandertreten. Koselleck denkt die Sattelzeit als Wandel der Zeitbegriffe; Danto denkt die einzelne Aussage, in der Vergangenheit erst historisch wird. Die Kritik nannte die Beispiele schulmäßig und die Trennung von Erzählung und Gesetz zu scharf. Geblieben ist die Auskunft, dass Geschichte keine vollständige Liste ist, sondern eine Form der Nachträglichkeit.

Einordnung

Ohne dieses Buch bleibt die analytische Philosophie stumm vor der Historie, und die Historik stumm vor der Satzlehre. Neben Whites Tropen und Kosellecks Begriffen steht Danto als der kältere Nachbar: dieselbe Nachträglichkeit, einmal als Logik des narrativen Satzes. Die Kunstphilosophie hat den Verfasser berühmter gemacht; wer ihn nur am Brillo-Karton misst, hat 1965 übersprungen, wo der Historiker lernt, dass er Enden kennt, die niemand leben konnte. Die Begriffsgeschichte arbeitet am Wort; Danto an der Zeitform im Satz. Beides trifft sich in der Einsicht, dass Vergangenheit nicht vorliegt, sondern erzählt wird.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

Philosophie entdecken