Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere

Peter Singer · 1975 · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere
Autor(en): Peter Singer
Originaltitel: Animal Liberation
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1975
Schlagwörter: Leid, Gleichheit, Tierhaltung, Artenvorrang
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Harald Fischer


Umfang dieser Ausgabe: 332 Seiten
ISBN: 9783891315323
Verweise


Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere (englisch Animal Liberation) ist das 1975 erschienene Buch von Peter Singer, das die moderne Tierrechtsbewegung wie kein zweites philosophisches Werk angestoßen hat. Es verbindet eine Nutzenerwägung, die nach Leid und Freude fragt, mit Berichten aus der intensiven Tierhaltung und aus Tierversuchen. Singer distanziert sich von der bloßen Tierliebe und von Gewalt gegen Menschen im Namen der Tiere. Gleichheit heißt für ihn nicht gleiche Behandlung, sondern gleiche Berücksichtigung von Interessen. Die Frage, die er Jeremy Bentham entlehnt, lautet nicht, ob Tiere denken oder sprechen können, sondern ob sie leiden können. Die deutsche Ausgabe von Claudia Schorcht liegt im Harald Fischer Verlag vor; eine frühere Fassung erschien bei Rowohlt.

Inhalt

Das Buch ist gegen den Artenvorrang geschrieben – Singer nennt ihn Speziesismus, in Anlehnung an Rassismus und Frauenfeindlichkeit: die Weigerung, Leiden zu zählen, sobald es nicht menschliches Leiden ist. Faktische Gleichheit der Lebewesen behauptet er nicht; Menschen unterscheiden sich, Tiere unterscheiden sich. Gleichheit ist eine moralische Forderung, keine Naturtatsache. Deshalb falle das Argument, man dürfe Rassismus ablehnen, weil die Rassen gleich intelligent seien, in sich zusammen: auch wenn sie es nicht wären, zählte das Interesse, nicht zu leiden. Dasselbe gelte über die Artgrenze. Ein erwachsenes Pferd oder ein Hund sei oft vernünftiger und mitteilsamer als ein Säugling; das ändere an der Grenze nichts, wenn die Grenze das Leiden ist. Wer Schmerzen anderer nur aus der eigenen Innensicht kennt, hat denselben Grund, dem Hund Schmerz zuzuschreiben wie dem Nachbarn: Betragen, Laut, Flucht, ein ähnliches Nervensystem. Pflanzen fallen heraus, weil ihnen dieses System fehlt. Ob Töten jenseits des Leidens Unrecht ist, lässt Singer hier offen.

An Versuchen und Ställen wird die Behauptung konkret. Militär und Hochschulen setzen Affen Strahlung, Kampfstoffen, Angstapparaten aus, aus denen man auf Menschen schließen will – und behandelt die Tiere zugleich so, als zählte ihr Leiden nicht. Der Nutzen vieler Versuche sei zweifelhaft, der Schaden sicher; wo der Nutzen groß wäre, müsse man fragen, ob man denselben Versuch an einem schwerstbehinderten menschlichen Säugling vornähme. Die ungleiche Antwort sei Artenvorrang. In der Tierfabrik sei Gewinn das Maß, nicht Gesundheit: enge Käfige, gekürzte Schnäbel, eisenarme Kälbermast für blasses Fleisch, Sterberaten, die billiger sind als Platz. Das Hauptleid liege in Haltung und Aufzucht, nicht erst im Transport. Tierschutzgesetze nähmen Nutztiere von Grundsätzen aus, die für Hunde gelten. Singer fordert den Verzicht auf Fleisch und Eier aus dieser Haltung als Glaubwürdigkeit des Protests und als Verminderung der Nachfrage. Weitere Gründe – Klima, Wald, Gesundheit – treten hinzu, bleiben aber nachgeordnet. Die Geschichte des Artenvorrangs führt er von Thomas von Aquin über Descartes’ seelenlose Automaten zu Bentham, der das Leiden zum Maß machte.

Unsicher wird das Buch, wo die Nutzenerwägung das Töten und das Lebensrecht nicht in derselben Schärfe klärt wie das Leiden. Gegner hören, ein Mensch ohne Bewusstsein zähle weniger als ein schmerzfähiges Tier; Singer nimmt das in der Praktische Ethik ausdrücklich auf und hat in Deutschland damit erbitterten Widerstand ausgelöst. Die Gleichsetzung von Artenvorrang mit Rassismus gilt Kritikern als Kategoriefehler: Art sei keine willkürliche Gruppe. Die Schilderungen der Ställe können veralten, die Haltung nicht; Singer hat Auflagen nachgeführt und 2015 festgehalten, die Darstellung seiner Position bleibe in diesem Buch gültig. Wer es als Kochbuch des Vegetarismus liest, verfehlt die Begründung; wer es nur als Anklage der Labore liest, verfehlt, dass die alltägliche Mahlzeit die größere Zahl ist.

Einordnung

Animal Liberation ist der Gründungstext der neueren Tierrechtsbewegung und der zugänglichere Zwilling der Praktische Ethik. Benthams Satz über das Leiden wird aus einer Fußnote zur Hauptlehre. Kant, der Pflichten gegen Tiere nur als mittelbare Pflichten gegen die Menschlichkeit kennt, steht auf der Gegenseite; Franz von Assisi erscheint als christliche Ausnahme. In Deutschland hat das Buch weniger Straßenkämpfe ausgelöst als Singers spätere Thesen zur Sterbehilfe, aber die Sprache des Artenvorrangs und der intensiven Haltung geprägt. Organisationen, die Singer im Anhang auflistet, haben die Forderung in Kampagnen übersetzt, oft sentimentaler, als er es will.

Missverstanden wird der Band, wenn man ihn für die Bibel einer gewalttätigen Befreiung hält; Singer lehnt Gewalt gegen Menschen ausdrücklich ab. Missverstanden auch, wenn man gleiche Berücksichtigung für gleiche Rechte auf Sprache und Wahl hält. Geblieben ist die Zumutung, das Abendessen als moralische Frage zu behandeln, ohne Niedlichkeit zu brauchen. Wer nach 1975 über Tiere als Leidenswesen spricht, spricht hinter diesem Buch, oft ohne Utilitarismus zu sagen.

Ideen

Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.

Tier (wichtig)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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