Baudolino
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Baudolino |
| Autor(en): | Umberto Eco |
| Originaltitel: | Baudolino |
| Originalsprache: | italienisch |
| Erstveröffentlichung: | 2000 |
| Schlagwörter: | Barbarossa, Lüge, Priesterkönig, Konstantinopel |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | dtv
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| Umfang dieser Ausgabe: | 640 Seiten |
| ISBN: | 9783423131384 |
| Verweise | |
Baudolino ist der 2000 erschienene Roman von Umberto Eco, 2001 von Burkhart Kroeber auf Deutsch bei Hanser vorgelegt. Konstantinopel brennt im April 1204, die Kreuzfahrer plündern, und ein Mann aus dem Piemont erzählt dem byzantinischen Geschichtsschreiber Niketas Choniates sein Leben – ein Leben aus Lügen, die Geschichte geworden sind. Eco hat den Schelm an die Seite Friedrich Barbarossas gesetzt und ihn den Priesterkönig Johannes, die Heiligen Drei Könige und den Gral erfinden lassen. Anders als in Der Name der Rose ist die Wahrheit hier nicht das Ziel der Jagd, sondern das Material der Erfindung. Der Roman ist Ecos heiterstes dickes Buch.
Inhalt
Baudolino, Bauernsohn aus Alessandria, findet als Dreizehnjähriger den Kaiser Friedrich Barbarossa im Nebel und lügt sich in dessen Herz: Sprachen, Treue, Witz. Friedrich adoptiert ihn im Geist, nimmt ihn auf die Italienzüge gegen die lombardischen Städte, lässt ihn in Paris studieren. Baudolino lernt Abdul, Borone, den Archipoeten, und eine Bande von Freunden, mit denen er die Welt als Text begreift. Er dichtet Briefe des Priesterkönigs Johannes, jenes christlichen Herrschers im fernen Osten, den Europa braucht, um die Karte zu füllen. Er hilft, die Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Köln zu schaffen, damit Rainald von Dassel Einzug halten kann. Was er erfindet, glauben andere; was andere glauben, wird Politik.
Barbarossa zieht zum Kreuzzug. Baudolino folgt, immer auf der Suche nach dem Reich des Johannes, nach einer Tochter dieses Reichs, nach einem Gral, den man auch in einem hölzernen Napf finden kann, wenn die Geschichte es verlangt. Unterwegs Ungeheuer der mittelalterlichen Enzyklopädie, Sprachen, die Eco mit Genuss baut, Streit um das wahre Bild Christi. In einer Nacht stirbt der Kaiser, offiziell im Fluss, in Baudolinos Erzählung vielleicht schon zuvor: Unfall, Herz, Mord. Baudolino ahnt einen Täter unter den Nächsten und trägt das Geheimnis nach Konstantinopel, wo die Stadt brennt und Niketas zuhört, halb Historiker, halb Gefangener der Geschichte, die ihm da aufgetischt wird.
Die Erzählung an Niketas ist selbst eine Lüge oder eine Beichte, das entscheidet Eco nicht. Baudolino hat Städte gegründet, Väter erfunden, Lieben verloren, den Gral verfehlt oder besessen. Die Freunde sterben, bleiben, verwandeln sich in Legenden. Am Ende steht nicht die Entlarvung, sondern die Einsicht des Niketas, dass eine Welt ohne solche Erfinder ärmer wäre – und gefährlicher, weil dann andere, schlechtere Lügen regieren. Baudolino verschwindet in die brennende Stadt oder aus ihr heraus. Eco hat den Lügner nicht bestraft. Er hat ihn zum Geschichtsschreiber der Dinge gemacht, die erst wahr wurden, nachdem jemand sie erzählt hatte.
Einordnung
Nach Der Name der Rose und dem Foucaultschen Pendel ist Baudolino das Buch, in dem Eco das Mittelalter nicht als Labyrinth der Zeichen, sondern als Werkstatt der Fabeln zeigt. Die Gelehrsamkeit ist da – Niketas ist eine historische Figur, Barbarossa auch, der Brief des Priesterkönigs war eine echte Fälschung des zwölften Jahrhunderts –, aber der Ton ist leichter, näher beim Schelmenroman. Kroeber hat die Sprachspiele ins Deutsche geholt, so gut das geht; manches Reim- und Dialektvergnügen bleibt piemontesisch. Die Kritik tadelte Länge und Inventar der Ungeheuer; die Leser nahmen den Erzähler, der nicht aufhören kann.
Eco, Semiotiker, hat hier die These erzählt, dass Geschichte aus glaubwürdigen Unwahrheiten besteht. Das ist keine Ausrede für Beliebigkeit: Baudolino lügt aus Liebe zum Kaiser, zur Stadt, zur Frau, nicht aus Zynismus allein. Im Vergleich zu Der Name der Rose, in der ein Mörder und ein Buch den Schluss zwingen, bleibt Baudolino offen wie eine Chronik, der Seiten fehlen. dtv hält den Band als Taschenbuch. Wer Eco nur als Kriminalautor des Klosters kennt, findet hier den anderen: den Mann, der Barbarossa einen Sohn aus Lügen schenkt und Konstantinopel in Flammen zum Zuhören zwingt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
