Verlag:Campus
Campus, 1975 in Frankfurt am Main von Frank Schwoerer gegründet, hat der westdeutschen Sozialwissenschaft eine Adresse gegeben, die weder Parteiverlag noch reines Seminar war. Benedict Andersons Die Erfindung der Nation, Michael Hardts und Antonio Negris Empire, Shoshana Zuboffs Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus: Theorie, die in die Buchhandlung wollte. Seit 2015 gehört das Haus zur Gruppe Beltz, der Sitz ist nach Weinheim gewandert; der Name ist geblieben.
Geschichte
Schwoerer kam aus New York und Barcelona und baute in Frankfurt einen Verlag für Wirtschaft und Gesellschaft, der die kritische Sozialwissenschaft der siebziger Jahre binden sollte, ohne sie zum Flugblatt zu machen. Der Umweg ist diese Öffnung: aus dem Fachverlag wurde ein Haus, das Übersetzung und Debatte zusammenhielt – Anderson, Haraway, Hardt und Negri, später Zuboff. 2015 übernahm Beltz die Anteile vollständig; 2025 folgte der Umzug nach Weinheim. Campus ist unabhängig geblieben im Konzernsinn der Gruppe, nicht mehr im Frankfurter Gründungssinn. Die internationale Witterung des Gründers trägt das Programm noch.
Werke und Autoren
Andersons Die Erfindung der Nation hat der deutschen Debatte das vorgestellte Gemeinwesen gegeben; Hardt und Negri haben mit Empire die Linke nach dem Ende der Blöcke auf eine neue Landkarte verpflichtet. Zuboffs Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus ist das Zeitbuch, das den Datenkapitalismus beim Namen nannte. Daneben Donna Haraways Die Neuerfindung der Natur und Unruhig bleiben, Daniel Bells Die nachindustrielle Gesellschaft, Charles W. Mills’ Der Racial Contract, Dipesh Chakrabartys Europa als Provinz, David Garlands Kultur der Kontrolle. Claus Offes Staatsanalyse liegt in der Bookpedia in der Campus-Ausgabe, auch wo die Erstveröffentlichung bei Suhrkamp stand. Es ist ein Programm der Gesellschaftstheorie, das gelesen werden will, nicht nur zitiert.
Ausrichtung
Campus will Sozialwissenschaft als öffentliches Buch: Wirtschaft, Politik, die Diagnose, die eine Debatte anzettelt. Weniger schulbildend als Suhrkamp, weniger juristisch als Beck, internationaler im Import als mancher deutsche Fachverlag. Der Vorwurf, das Haus sei zum Zeitbuchverlag geworden, trifft die Sichtbarkeit nach 2000; die Stärke ist dieselbe Sichtbarkeit. Wer nur die Karriereratgeber der Gruppe sucht, verfehlt Anderson und Zuboff. Wer nur die Theorie sucht, findet sie hier ohne die weiße Reihe.
Würdigung
Im deutschen Sprachraum ist Campus der Verlag, durch den ein Teil der internationalen Gesellschaftstheorie nach 1975 überhaupt erst in die Buchhandlung kam. Nation, Empire, Überwachung: drei Worte der Debatte haben hier eine deutsche Adresse. Wer nur Frankfurt als Suhrkamp-Stadt kennt, unterschlägt dieses zweite Schild. Wer es nur als Fachverlag abtut, hat die Erfindung der Nation nicht gelesen.
Wichtigste verlegte Werke
Auswahl nach dem Jahr der Erstausgabe, soweit die Bookpedia den Titel führt:
- Die nachindustrielle Gesellschaft (1973)
- Die Erfindung der Nation (1983)
- Die Neuerfindung der Natur (1991)
- Der Racial Contract (1997)
- Empire (2000)
- Europa als Provinz (2000)
- Kultur der Kontrolle (2001)
- Unruhig bleiben (2016)
- Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus (2018)
- Die Selbstgerechten (2021)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.