Das Dekameron

Giovanni Boccaccio · 1353 · Erzählung


Das Werk
Deutscher Titel: Das Dekameron
Autor(en): Giovanni Boccaccio
Originaltitel: Decameron
Originalsprache: italienisch
Erstveröffentlichung: 1353
Schlagwörter: Pest, Florenz, Novelle, Liebe
Sachgebiete: Erzählung
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 1072 Seiten
ISBN: 9783150206058
Verweise


Das Dekameron (italienisch Decameron) ist der Novellenzyklus von Giovanni Boccaccio, in den Jahren nach der Pest von 1348 geschrieben und um 1353 abgeschlossen. Zehn junge Florentiner – sieben Frauen und drei Männer – fliehen vor der Seuche auf ein Landgut und erzählen einander hundert Geschichten, zehn an jedem von zehn Tagen. Der Titel nennt die Frist; die Flucht ist der Ernst, vor dem das Erzählen als Lebensrettung steht. Boccaccio hat der italienischen Prosa damit die weltliche Novelle gegeben: nicht Heiligenlegende, nicht höfischer Versroman, sondern die Stadt, der Körper, der Witz und die Gewalt des Alltags. Die angegebene Ausgabe ist die Reclam-Übersetzung von Peter Brockmeier.

Inhalt

Florenz 1348: Die Pest hat die Ordnung der Stadt aufgelöst, die Frommen sterben neben den Gleichgültigen, und Boccaccio beschreibt das Sterben, bevor er die Erzähler einführt, mit einer Nüchternheit, die das spätere Lachen nicht ungeschehen macht. Pampinea schlägt den Auszug vor; ihr folgen Fiammetta, Filomena, Emilia, Lauretta, Neifile, Elissa und die drei jungen Männer Panfilo, Filostrato und Dioneo. Auf dem Landgut setzen sie eine Regel: Jeden Tag eine Königin oder ein König, ein Thema, zehn Novellen, dazu Lied und Garten. Die Ordnung ist freiwillig und streng zugleich; sie ersetzt die zusammengebrochene Stadt durch eine kleine, sprechende Gesellschaft. Dioneo darf vom Thema abweichen – der Vorbehalt, der die Regel lebendig hält.

Die hundert Stücke reichen vom Schwank über den betrogenen Ehemann bis zur Novelle, in der Liebe und Tod untrennbar sind. Ein Kaufmann erzählt dem Sultan die Geschichte von den drei Ringen, die nicht zu unterscheiden sind, und rettet damit Kopf und Glauben; Gotthold Ephraim Lessing hat denselben Einfall in Nathan der Weise zur Probe der Religionen gemacht. Federigo degli Alberighi setzt seiner Dame den letzten Falken vor, das einzige, was ihm noch gehört; Griseldis erträgt die Proben eines Herrn, der Gehorsam für Liebe hält, und der Schluss bleibt bitter, auch wo er sich versöhnt. Lisabetta begräbt den Kopf des geliebten Bruders im Basiliktopf. Alibech lernt in der Wüste, den Teufel in die Hölle zurückzustecken, und die Frommheit wird zur Posse. Boccaccio schont den Klerus nicht und die Kaufleute nicht; die List der Frauen ist oft die einzige Gegenwehr in einer Welt, die den Körper besitzt und die Rede den Männern vorbehält.

Zwischen den Tagen stehen die Rahmenreden: Wer darf welches Thema setzen, wer weint, wer lacht, wer die Königswürde ablehnt. Das Buch ist deshalb keine bloße Sammlung. Die Pest bleibt im Rücken, und das Erzählen ist die Kunst, unter dem Tod nicht stumm zu werden. Boccaccio hat später, frommer geworden, das eigene Werk verdächtigt; die hundert Novellen haben sich davon nicht beeindrucken lassen. Sie geben der italienischen Erzählung die Stadt als Schauplatz und die Prosa als Maß, und sie tun es, indem sie das Niedrige neben das Erhabene setzen, ohne eines von beiden zu taufen. Wer nur die derben Stücke liest, kennt den Witz; wer nur Griseldis liest, kennt die Härte. Das Buch hält beides in einer Frist von zehn Tagen.

Einordnung

Mit dem Dekameron wird die Novelle zur europäischen Form: knapp, weltlich, auf eine Pointe oder eine Prüfung hin erzählt, und in einen Rahmen gestellt, der das Erzählen selbst zum Gegenstand macht. Chaucers Canterbury Tales stehen in dieser Nachbarschaft, Miguel de CervantesDon Quijote hat die Prosa weitergetrieben, ohne die Florentiner Schule zu verleugnen. Die ältere Moral hat Boccaccio Unzucht vorgeworfen; die neuere Philologie hat das Buch zur Geburtsurkunde der Renaissance erklärt, oft zu glatt, als wäre die Pest nur Kulisse. Geblieben ist die Entdeckung, dass man vom Leben in der Stadt erzählen kann, ohne Heiligenschein und ohne höfischen Vers – und dass das Lachen nach dem Massengrab keine Versöhnung ist, sondern eine Form der Aufmerksamkeit.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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