Denken und Sprechen

Lew S. Wygotski · 1934 · Sachbuch, Psychologie


Das Werk
Deutscher Titel: Denken und Sprechen
Autor(en): Lew S. Wygotski
Originaltitel: Myšlenie i reč'
Originalsprache: russisch
Erstveröffentlichung: 1934
Schlagwörter: Sprache, Denken, Entwicklung, Inneres Sprechen
Sachgebiete: Sachbuch, Psychologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fischer Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 379 Seiten
ISBN: 9783596273539
Verweise


Denken und Sprechen ist das 1934, im Todesjahr von Lew S. Wygotski, in Moskau erschienene Hauptwerk über das Verhältnis von Begriff und Wort. Die deutsche Fischer-Ausgabe hat den sowjetischen Psychologen, der nach seinem Tod verboten war, ins westliche Seminar geholt: Denken und Sprechen kreuzen sich, sie fallen nicht zusammen.

Inhalt

Wygotski greift Jean Piaget dort an, wo das Kind egozentrisch spricht, als wäre das ein Defizit auf dem Weg zur sozialen Vernunft. Für Wygotski ist das laute Selbstgespräch nicht Rest, sondern Übergang: Die soziale Sprache wird innerlich, das innere Sprechen wird Denken. Wortbedeutungen entwickeln sich. Der kindliche Begriff ist nicht der erwachsene in kleiner Münze; er ist ein anderes Verhältnis von Merkmal und Klasse. Wissenschaftliche Begriffe kommen von oben, aus dem Unterricht, und begegnen den alltäglichen, die von unten wachsen. Die Zone der nächsten Entwicklung – was das Kind mit Hilfe schon kann, allein noch nicht – macht aus dem Lernen den Motor, nicht den Nachtrag der Reifung.

Die Experimente mit Blöcken, Namen, künstlichen Begriffen sind das Labor dieser These. Wygotski zählt, wie Kinder sortieren, bevor sie definieren, und wie die Definition die Wahrnehmung umbaut. Denken ohne Sprache gibt es, Sprache ohne Denken auch; die menschliche Intelligenz entsteht, wo beide sich kreuzen. Das innere Sprechen ist verkürzt, prädikativ, für den Sprecher selbst, unverständlich für den, der nur Wörter hört. Wer es mit dem äußeren Dialog verwechselt, versteht weder Dichtung noch die stille Arbeit der Begriffe. Der Ton ist polemisch-klar, voller Gegner – Piaget, die Assoziationspsychologie, die Reflexologie –, ohne den Parteijargon, den man von 1934 erwarten könnte.

Unsicher bleibt, wie viel die Zone der nächsten Entwicklung zur Formel des unterstützten Lernens verdünnt werden darf. Wygotski meint eine Entwicklungslehre, keine Methode der Nachhilfe. Nach seinem Tod verschwand das Buch; die westliche Entdeckung in den sechziger und siebziger Jahren hat oft die Kultur betont und die Strenge der Begriffsversuche weggelassen. Wer nur den Gegen-Piaget sucht, findet ihn. Wer nur den Kronzeugen der Kultur sucht, unterschlägt, dass hier das Wort das Denken formt, indem es Bedeutung hat, nicht indem es Milieu ist. Die Pädagogik hat ihn genommen; die Sprachpsychologie oft nur zitiert.

Einordnung

Denken und Sprechen hat der Psychologie die Sprache als Entwicklungsgeschehen zurückgegeben, das weder Abbildung noch fertige Vernunft ist. Piagets Das Erwachen der Intelligenz beim Kinde setzt die Handlung vor das Wort; Wygotski setzt das Wort als soziales Werkzeug, das innerlich wird. Burrhus Frederic Skinners Verbales Verhalten erklärt Sprechen von den Folgen her; Wygotski vom Begriff her. Wer nach 1934 über inneres Sprechen und die Zone der nächsten Entwicklung spricht, spricht Wygotski – auch dort, wo er Piaget milder meint, als der Streit es war.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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